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vergrößern 529x800Eine "Frau" und ein "Mann" rekapitulieren Beziehungsfragen anhand von Kräutern: Dörte Lyssewski und Jens Harzer.
Famose Schauspieler mühen sich an einem spröden Festwochen-Text ab.
Wien - Auf der Bühne des Wiener Akademietheaters steht, leicht schräg gestellt, ein Bühnenportal mit dunkelroten Vorhängen. Zwei Pfeile bezeichnen die Stelle des Durchgangs auf die Vorderbühne. Durch diese hohle Gasse müssen "Der Mann" (Jens Harzer) und "Die Frau" (Dörte Lyssewski) einst hindurchgeschritten sein, um sich im grellen Scheinwerferlicht als Marquis Posa und Königin Elisabeth gegenüberzustehen.
Peter Handkes Sommerdialog Die schönen Tage von Aranjuez steckt voller Anspielungen und blasser Rätsel. In der Suhrkamp-Buchausgabe ist von einem "Garten" die Rede, von einer "Terrasse", auf der Mann und Frau sitzen. Unsichtbare Bäume werden von einem "sachten Sommerwind" gekitzelt. Das verabredete Paar, entliebt oder bloß in den großen Hitzeferien, tauscht Anekdoten aus.
Die Atmosphäre atme, so Autor Handke, "mehr Ahnung als Gegenwart". Entweder haben die beiden sich schon alles gesagt, oder es gibt für sie eine Zukunft jenseits von Sex und Begehren. Dann besprechen sie eben, dass sie einander nichts mehr zu sagen haben.
Die Uraufführungsinszenierung Luc Bondys im Auftrag der Wiener Festwochen ist ein hübsches, szenisches Postskriptum. Rechts vor dem Portal sitzt Lyssewski rauchend, das spanische Schiller-Kostüm mit der Krause hat sie noch an. Harzer taucht aus dem Bühnenboden empor. Ein dummer August im Slip, den die Halskrause wie ein Requisit aus dem Kostümverleih verunziert. Elisabeth und Posa sind zur Stunde der Wahrheit verabredet: irgendwann spät in der Nacht, der Bühneninspizient ist bestimmt schon schlafen gegangen.
Harzer stellt ihr zuvorkommend einen Klappsessel auf: Ihr Auftritt, Madame! Er fragt: "Das erste Mal, du mit einem Mann, wie ist das gewesen?" Dabei hat Harzer, der dünne Existenzclown mit der betörenden Stimme, gar keine Zeit, den Bekenntnissen der Frau Aufmerksamkeit zu schenken.
Er nimmt lieber die von Amina Handke ausgestattete Bühne in Besitz. Bläht die Backen oder vergreift sich an ihrem Haar. Ist mit der Auseinanderfaltung kleiner Zaubertaschentücher beschäftigt. Oder er setzt sich Zähne ein und kommentiert als mürrischer Gelehrter Handkes Exkursion ins Schullateinische: "Wer soll denn das verstehen?".
Wie geht's dem Klarapfel?
Die schönen Tage von Aranjuez ist ein vages und wehes Nacht-Stück. Die großen Dramen sind verklungen, und für die neuen, erst zu schreibenden Stücke ist die passende Bühne noch nicht gefunden.
In Handkes poetischer Welt aber gilt die Sachwalterschaft des Theaters wenig. Handkes Dichtung hat andere Themen auf der Agenda. In ihr gilt das Augenmerk der allmählichen Verwilderung von Johannisbeersträuchern. Von Wichtigkeit ist die Frage, ob Falken, die "durch die Wälder schießen wie Pfeile", in einen Baum "krachen". Ob die Klaräpfel noch gut schmecken. Ob die Erdfrüchte in der spanischen Meseta Kreise bilden, ob der Kürbis gut gedeiht und das Springkraut schwarze Samen abwirft.
Wer Handkes Passion für gehobene Gartenkräuter nicht im nämlichen Ausmaß teilt, der bekommt ein echtes Problem. Leidtragende ist hier ausgerechnet die Frau. Lyssewski spult die erzählerischen Wegmarken ihres erotischen Lebensprogramms herrlich beiläufig herunter. Sie muss erdulden, dass ihr Bühnenabschnittspartner sie nicht für voll nimmt. Harzer ist viel zu beschäftigt damit, den zerstreuten Landschaftsmaler mit Sommerhütchen zu mimen oder als Kellner den kostbaren Sekt mit dem Tüchlein aufzusaugen. Und so verwundert es nicht weiter, dass Lyssewski mehrmals Anstalten trifft, die Bühne zu verlassen. Die Welt hinter dem Vorhang aber ist ein kaltes, sternenfunkelndes All.
Kaum vom Fleck
So kommt der Abend trotz aller Kostbarkeiten kaum vom Fleck. Die beiden Darsteller strampeln und hantieren nebeneinander her. Für Peter Handkes Text eignete sich am ehesten ein Begriff, der anderweitig längst vergeben ist: derjenige der Postdramatik.
Die Geschlechter scheinen dazu verdammt, nebeneinanderher zu leben. Eine Verständigung war vielleicht im Mittelalter möglich, als "das Wort für Liebe weiblich war: La amors". Der unbedingt sympathisierende Betrachter fühlt sich von Handkes apodiktischer Naturphilosophie wenig angesprochen. Tatsächlich sagt die Frau auch: "Du mit deinen ewigen Apfelzaubermärchen, Fernando!"
Etwas Straßenlärm tönt herein, der Abend humpelt matt in die Eiseskälte der Nacht hinüber. Noch von einem weiteren Unglück gilt es zu berichten: " Die wilde Johannisbeere hat übrigens gestunken nach einem Stinke-Käfer." (Mann) Das auch noch! Der Applaus war gemessen und kurz.
(Ronald Pohl, DER STANDARD, 18.5.2012)
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gerade läuft die abstimmung über die virtuelle besetzung. und meyerhoff liegt vor stermann & grissemann...
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