Facebook und die Wall Street - Zwei Welten prallen aufeinander

17. Mai 2012, 14:02
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Volumen des Börsegangs wurde dreimal in die Höhe geschraubt - Eine Wette auf die Zukunft

Die Welt der Hochfinanz und Facebook, das passt eigentlich nicht so recht zusammen. Mark Zuckerberg sagt klar: Das Online-Netzwerk wurde nicht gegründet, um Geld zu verdienen. Und doch hat Zuckerberg die Wall Street im Sturm genommen. Ehrfurcht vor den Finanzhaien der Wall Street ist Zuckerberg fremd. In Kapuzenpulli und Bluejeans trat er vor die Anzugträger im Herzen der Finanzwelt, um ihnen die Aktien seines Online-Netzwerks schmackhaft zu machen. Und obwohl Zuckerbergs Studenten-Stil so gar nicht in die Welt der Banken und Fonds passen will, hat er Erfolg: Die Investoren machen das Portemonnaie auf.

Börsengang am Freitag

Das Treffen in einem noblen New Yorker Hotel fand vor einer Woche statt, seitdem rückt der Börsengang von Facebook immer näher, und die Euphorie steigt. Am Freitag 18. Mai dürften die Aktien des sozialen Netzwerks erstmals an der US-Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden.

Selten hat der eigentlich dröge Verkauf von Unternehmensanteilen so große Aufmerksamkeit erzeugt. "Das ist kein bloßer Börsengang", philosophierte die "New York Times" in einem langen Artikel. "Das fühlt sich an wie eine kulturelle Veranstaltung, wie ein Höhepunkt der Technologie-Geschichte, wie ein einzigartiger Moment."

Zuckerberg ist der neue Gutenberg

Die Zeitung stellte den Facebook-Gründer in eine Reihe mit Größen wie Johannes Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks. Auch Zuckerberg habe "die Art und Weise umgekrempelt, wie wir kommunizieren und denken". Nun scheint Zuckerberg auch noch die Wall Street auf den Kopf zu stellen.

Hacker-Manifest

Er bekennt freimütig in seinem sogenannten Hacker-Manifest: "Facebook wurde ursprünglich nicht gegründet, um ein Unternehmen zu sein. Es wurde aufgebaut, um eine soziale Mission zu erfüllen - die Welt offener und vernetzter zu machen." An anderer Stelle wird er noch klarer: "Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln."

Volumen dreimal in die Höhe geschraubt

Für die Bewohner der Wall Street, bei denen sich alles um den schnöden Mammon dreht, muss das wie Frevel geklungen haben. Und dennoch überschütten sie Facebook mit ihrem Geld. Gleich dreimal hat Zuckerberg das Volumen des Börsengangs in die Höhe geschraubt, so stark war das Interesse der Anleger.

16 Milliarden Dollar (12,56 Milliarden Euro) und mehr fließen nun in die Kasse des Unternehmens und seiner Alteigentümer. Facebook dürfte auf einen Gesamtwert jenseits von 100 Milliarden Dollar kommen - das ist mehr als deutsche Großkonzerne wie Siemens oder VW auf die Waage bringen.

Eine Wette auf die Zukunft

Die Milliarden sind eine Wette auf die Zukunft. Facebook hat inzwischen mehr als 900 Millionen Nutzer, und täglich kommen neue hinzu. Sie teilen ihren Freunden mit, was sie gerade tun, was sie mögen - und Facebook liest mit. Das Ziel ist es, maßgeschneiderte Werbung für teures Geld verkaufen zu können.

Eine Gemeinsamkeit: Geld

Und an dieser Stelle finden Wall Street und Zuckerberg zusammen. Denn auch wenn der Facebook-Macher im Kapuzenpulli auftritt, der 28-Jährige könnte sich den feinsten Zwirn leisten: Das Magazin Forbes führt ihn auf seiner Liste der Superreichen auf Platz 35 mit einem Vermögen von 17,5 Mrd. Dollar. Vielleicht werden es nach dem Börsengang noch ein paar Milliarden mehr sein. (APA,17.5.2012)

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