Werner Schlager muss sein Ego nicht mehr befriedigen

17. Mai 2012, 12:13
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Weltmeister kann auch ohne Olympiamedaille gut leben - Für London sieht er aber mit dem Team eine Chance

Wien - Werner Schlager ist so etwas wie eine lebende österreichische Tischtennis-Legende. In einer hierzulande als Randsportart, jedoch weltweit betriebenen Sportart hat er mit WM-Gold 2003 das Höchste erreicht. Olympia mag mehr zählen, doch die Besetzung bei Weltmeisterschaften besonders aus dem Tischtennis-Kernland China ist bei weitem besser. Durch die fünf Ringe gesehen, gibt der 39-Jährige im Sommer in London seine Abschiedsvorstellung als Aktiver.

Rang vier 2008 in Peking mit der Mannschaft war Schlagers beste Olympia-Ausbeute, eine Medaille fehlt noch. "Es schmerzt aber nicht, dass ich noch keine Olympia-Medaille habe", erklärte Schlager. "Natürlich ist es schön, wenn man in jeder Kategorie eine Medaille virtuell abheften kann. Aber im Endeffekt befriedigt das nur das Ego. Über das bin ich hinaus. Ich habe das Größte gemacht, was es gibt. Das ist der WM-Titel. Das macht es einem leichter in gewisser Weise."

"Können bis auf die Chinesen alle schlagen"

Doch ganz hat der Niederösterreicher die Hoffnung auf olympisches Edelmetall noch nicht aufgegeben. Schlager: "Ich glaube, dass wir in London in der Mannschaft alle schlagen können bis auf die Chinesen. Wir haben das gezeigt bei den letzten Spielen mit dem vierten Platz und vor kurzen bei der WM mit dem fünften Platz. Die Auslosung wird natürlich wichtig sein. Aber gegen alle Mannschaften haben wir mindestens eine 40-prozentige Chance. Bis auf die Chinesen, da sind wir vielleicht auf zehn Prozent."

Mangelnde Matchpraxis

Ein nicht zu unterschätzendes Kriterium ist bei Schlager derzeit die mangelnde Matchpraxis. Seit dem Europa-Top-12 Anfang Februar hat er nur zwei WM-Spiele bestritten. Ein allzu großes Problem sieht der Weltranglisten-49. darin jedoch nicht. "Das ist ein Manko, das ich durch Routine sehr gut wettmachen kann", erläuterte der Familienvater. "Da mache ich ein paar Trainingsmatches und bin wieder voll drinnen. Was wichtig ist, dass ich gegen möglichst viele verschiedene Spieler in einer wettkampf-ähnlichen Situation bin."

Eine weniger zu beeinflussende Komponente ist die körperliche Leistungsfähigkeit. In jüngster Vergangenheit wurde Schlager oft durch Blessuren gestoppt, bei vor Olympia gesteigerter Trainingsintensität ist diese Gefahr erhöht. "Ich habe schon im letzten Jahr gemerkt, dass mein Körper stark nachlasst", sagte Schlager. "Nicht nur leistungsmäßig, sondern auch ziemlich verletzungsanfällig wird. Da habe ich Körperteile gespürt, bei denen ich sonst nie irgendwelche Probleme gehabt habe. Die Hüfte zum Beispiel."

Qualitätslevel im Aufwärtstrend

In diesem Zusammenhang betonte der Wiener Neustädter, nur bei voller Leistungsfähigkeit zu den Spielen fahren zu wollen. Andernfalls wäre Daniel Habesohn sein Ersatz für den Teambewerb, nicht aber für das Einzel. Das Schritt halten mit der absoluten Spitze sei für Schlager auch nicht mehr so einfach wie früher. "Spielerisch gibt es nicht so viel Neues, aber der Qualitätslevel wird laufend angehoben. Wenn man früher leichte Punkte von einem jungen Gegner geschenkt bekommen hat, passiert das nun nicht mehr so häufig."

Ein kleiner Unsicherheitsfaktor in der Olympia-Vorbereitung Schlagers bringt die aktuelle Schwangerschaft seiner Lebensgefährtin Bettina Müller mit sich. Sie ist im siebenten Monat, der Geburtstermin eines Mädchens ist rund um die Olympia-Eröffnung Ende Juli. "Die Familie ist mir auf alle Fälle wichtiger als alles andere", stellte Schlager klar. "Da kann es schon einmal sein, dass ich zwei, drei Tage nicht da bin. Unser Sohn Nick ist früher gekommen. Wir gehen davon aus, dass es während der Vorbereitung soweit ist."

Hauptaugenmerk auf Kreativität

Vorerst freut sich Schlager aber sogar auf das intensive Olympia-Training: "Das ist das Schöne am Tischtennis, du erfindest immer wieder etwas Neues. Diese schwierige Phase des regelmäßigen Trainierens, des Automatismus-Training, das ist ja bei mir schon abgeschlossen. Es geht nur noch um die Veränderungen, und da tu ich mir ziemlich leicht. Deswegen kann ich mein Hauptaugenmerk auf die Kreativität setzen. Das ist das, was mich ausmacht als Spieler und mich zum Weltmeister gemacht hat." (APA, 17.5.2012)

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    Werner Schlager: "Ich glaube, dass wir in London in der Mannschaft alle schlagen können bis auf die Chinesen."

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