USA fordern von Europa mehr Anstrengung

17. Mai 2012, 08:50
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Merkel spricht sich mit Europäern vor Gipfel ab

Washington - Die USA haben Europa vor dem G-8-Gipfel aufgerufen, entschlossener gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise vorzugehen. Zwar wolle man Europa keine Vorschriften machen. Doch es müssten "weitere Schritte" unternommen werden, sagte Regierungssprecher Jay Carney am Mittwoch in Washington. Dabei gehe es um mehr Wachstum, die Errichtung einer Feuerwand gegen Spekulationen auf den Finanzmärkten sowie notwendige Reformen in EU-Krisenländern.

Präsident Barack Obama wolle sich beim Treffen der größten Industrieländer und Russlands (G-8), das an diesem Freitag in Camp David bei Washington beginnt, vor allem für mehr Wachstum und mehr Jobs einsetzen. "Sie müssen die Notwendigkeit von Wachstum in Europa ansprechen sowie die Notwendigkeit, den Menschen Arbeit zu geben, vor allem jungen Menschen in Europa", forderte Carney. Erneut betonte Carney, dass Obama bereits seit Jahren mehr Unterstützung für Wachstum fordere. "Wir sagen seit einiger Zeit, dass Wachstum ein Faktor sein muss in Europa." Es gehe um einen "ausgeglichen Ansatz", der Sparen, aber auch Wirtschaftswachstum ins Auge fasse.

Die Europäer hatten bereits zuvor deutlich gemacht, dass sie sich in Camp David gegen US-Kritik an ihrem Management der Schuldenkrise wehren wollten. "Wir werden das in den richtigen politischen und wirtschaftlichen Kontext setzen", sagte ein Diplomat in Brüssel.

Spekulationen um Freigabe von Ölreserven

Carney wollte allerdings Berichte nicht eindeutig bestätigen, wonach die USA in Camp David einen Vorstoß zu einer breiter angelegten Freigabe von Ölreserven starten wollten. "Ich habe keinen Kommentar zu den strategischen Ölreserven", sagte er vor Journalisten. Allerdings fügte Carney hinzu: "Beim G-8-Gipfel steht die Weltwirtschaft auf der Tagesordnung. Der globale Ölmarkt ist Teil der Weltwirtschaft."

Der um seine Wiederwahl kämpfende Obama könnte nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa die europäischen Partner dazu auffordern, die Freigabe von Ölreserven zu unterstützen. Ziel sei es, die Preise zeitweilig zu drücken und dadurch Industrie und Wirtschaft zu helfen. Wie in Brüssel weiter bekanntwurde, ist ein solches Vorhaben im Kreis der größten Industriestaaten und Russlands umstritten. Während Großbritannien und Frankreich offen für den Vorstoß aus Washington seien, sehe Berlin das Vorhaben skeptisch.

Wie am Mittwochabend aus italienischen Regierungskreisen verlautete, haben die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs neuer Präsident Francois Hollande, Italiens Ministerpräsident Mario Monti und Großbritanniens Premier David Cameron für Donnerstag eine Videokonferenz anberaumt. Dabei soll es um die Vorbereitung auf den G-8-Gipfel sowie um europäische Wirtschaftsthemen gehen. An der Runde werde auch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy teilnehmen, sagte ein Sprecher Camerons. (APA, 17.5.2012)

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