"Jugendgerichtshof" soll Dornröschenschlaf beenden

Martin Putschögl, 16. Mai 2012, 18:13
  • Seit 2003 steht der ehemalige Jugendgerichtshof leer.
    foto: putschögl

    Seit 2003 steht der ehemalige Jugendgerichtshof leer.

Seit neun Jahren steht das einstige Jugendgericht in Wien-Landstraße leer. Nun wird aber wenigstens wieder nach Konzepten gesucht

Bis 2003 wurden in dem vierstöckigen weißen Block jugendliche Straftäter abgeurteilt. Noch heute sind im ehemaligen Jugendgerichtshof in der Rüdengasse im dritten Wiener Gemeindebezirk hie und da Kriminelle und Exekutivbeamte zu sehen - nämlich dann, wenn wieder einmal ein Filmteam vor Ort ist, um Szenen für Krimis wie "Soko Donau" oder auch "Tatort" zu drehen. Die meiste Zeit im Jahr steht der 1928 fertiggestellte Bau aber leer - seit mittlerweile neun Jahren.

Für Rudolf Zabrana, den stellvertretenden Bezirksvorsteher von Wien-Landstraße und Vorsitzenden des Bauausschusses in der Bezirksvertretung, ist das eindeutig schon zu lang. Noch im heurigen Jahr, sagt der SPÖ-Politiker im Gespräch mit derStandard.at, sollte sich was tun in der Rüdengasse 7-9. Der langjährige Leerstand des geschichtsträchtigen Objekts mitten in seinem Bezirk bereitet ihm große Sorgen. "Der Eigentümer hat zu uns gesagt, er will jetzt endlich verwerten. Wir hoffen, es funktioniert."

CEBA kaufte 2006 von der BIG

Der Eigentümer, das ist die CEBA AG mit Sitz in Wien-Neubau - ein Investment-Unternehmen, das den ehemaligen Jugendgerichtshof im Jahr 2006 von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) erworben hat. Bezüglich des Kaufpreises wurde damals Stillschweigen vereinbart, der Rufpreis in der Auktion lag bei 2,74 Millionen Euro.

CEBA teilte damals nach Erteilung des Zuschlags mit, die rund 6.700 Quadratmeter große Immobilie mit 476 m² großem Innenhof in ein "Regionalzentrum" umwandeln zu wollen - "für Nahversorgung und Begegnung". Damals hatte in der CEBA AG noch Gründer und "Mastermind" Peter Lisowski das Sagen, der mit dem Unternehmen Powerserv auch ein Wegbereiter der Zeitarbeits-Branche in Österreich war. Im vergangenen Dezember verstarb Lisowski allerdings plötzlich und unerwartet im Alter von nur 58 Jahren. 

Entwicklung ja, aber "nicht mehr heuer"

Der frühe Tod des Firmengründers machte erhebliche Umstrukturierungen notwendig. Seit März 2012 ist mit Christian Lanjus-Wellenburg ein neuer Geschäftsführer bei der CEBA Invest Management GmbH am Ruder, der allerdings auch schon vor vier Jahren, noch unter Lisowski, eine Zeitlang im Unternehmen war.

Lanjus-Wellenburg bestätigt im Gespräch mit derStandard.at, dass man die Entwicklung der Rüdengasse 7-9 nun tatsächlich angehen wolle. Über den strikten zeitlichen Fahrplan, den sich der Bauausschuss-Vorsitzende Zabrana wünscht, kann er aber nur schmunzeln: "Heuer passiert dort mit Sicherheit nichts mehr. Wir müssen noch viel arbeiten, viel rechnen, viel denken." In frühestens eineinhalb Jahren werde man dann soweit sein, mit einem etwaigen Umbau beginnen zu können, sagt er.

"Andere Prioritäten"

Wohin die Reise gehen wird, ist seinen Angaben zufolge noch völlig offen. "Das Eck ist sicher kein Triple-A-Bürostandort", sagt Lanjus-Wellenburg, auch wenn ganz in der Nähe nun die CA Immo das Quartier "Lände 3" (siehe dazu auch Artikel) entwickle und sich hier auch die Post AG mit ihrer Unternehmenszentrale angesiedelt habe.

Dass man die fünfeinhalb Jahre seit Erwerb des Objekts absichtlich verstreichen habe lassen mit dem angenehmen Nebeneffekt einer zwischenzeitlichen Aufwertung des Grätzels, stellt Lanjus-Wellenburg in Abrede. Es habe schlicht "andere Prioritäten" für das Unternehmen gegeben. Nun hofft er aber, dass sich "sinnvolle Konzepte" ergeben, die dann auch zügig umgesetzt werden können.

Kein Denkmalschutz

Ein großes Plus gibt es dabei jedenfalls für den nunmehrigen Eigentümer: Die Liegenschaft steht nicht unter Denkmalschutz. Ein zumindest teilweiser Abriss ist also jederzeit möglich und auch gar nicht unwahrscheinlich.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird es an dem Standort wohl künftig auch zu einer gemischten Nutzung mit Einzelhandel, Büros und Wohnungen kommen, zu entlocken ist dem CEBA-Geschäftsführer hierzu aber nichts. Zabrana weiß von früheren Plänen zu berichten, die eine Nutzung als Hotel vorsahen - "mit den Gefängniszellen als Zimmer, aber das wäre wohl nur als Hostel realisierbar gewesen", und damit wohl finanziell nicht ertragreich genug.

Lanjus-Wellenburg sagt dazu, dass jedenfalls nur eines sicher sei: "Dass es wieder ein Jugendgericht wird, kann ich definitiv ausschließen." (Martin Putschögl, derStandard.at, 16.5.2012)

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unabhängig vom konkreten gebäude, aber es ist ein skandal, daß der JGH als institution nicht wieder eingerichtet wurde. dabei ist der unsägliche böhmdorfer seit jahren nicht mehr im amt.

Zerstören ist halt viel leichter als etwas aufbauen.

Zerstören geht *ratz fatz*.
Außerdem ist die Justiz fest in erzkonservativer ÖVP-Hand. Im Abwehren sind die Weltklasse. Außerdem hat die mit sich selber genug zu tun.

Was hat die SPÖ unter JM Berger

eigentlich daran gehindert, den JGH sofort wieder aufzusperren?

Stattdessen gibt man dieses wichtige Ministerium bei der ersten Gelegenheit an die Schwarzen ab: so wie alle anderen Schlüsselressorts wie Finanz, Inneres, Äußeres und Wirtschaft!

Komische Frage

Die Tatsache, dass er nicht mehr vorhanden, sondern verkauft und zerschlagen war. Und für einen Neuen bauen kein Geld da war, nachdem die schwarzblaunen Nullbudgetler wieder abgezogen worden waren (Pläne gabs ja).

Koalitionsbedingungen ...

und dass nach dem schönsten und intelligentesten Finanzminister die ungeschlagene Wächterin des Schotters in unseren Geldbörsen folgen konnte, war es das ganz einfach wert.

Wieder ein Erbe dieser widerlichen

schwarz-blauen Ära ...

und man kann ich vorstellen, dass dem Wegbereiter der Zeitarbeit

durch das AMS und die Arbeitslosenversicherung ein sagenhafter Weg zum großen Mastermind mit unbegrenzten Mitteln bereitet wurde. Der hätte aus einem ehemaligen Gericht und Gefängnis sicherlich wieder irgendwas Bahnbrechendes für die uns alle geschaffen und das Objekt als Ort der Begegnung erhalten.

nicht unter Denkmalschutz

na, da hat ja der Herr Bezirksvorsteher Weitsicht bewiesen. Also gute Chancen für die jungen Leute, die ihm freitags die Sprechstunde überfluten.

die deppen von schwarz-blau haben hier ihre weitsicht bewiesen!

und der böhmdorfer hat es umgesetzt, das dabei die jungen

auf der strecke blieben, ist eine andere sache, er wurde vor möglichen problemen gewarnt, zb. die jungen kommen mit den älteren zusammen, und dass konflikte vorprogramiert seien, aber B. zog es durch, und dann wurde ein junger häftling ins spital eingeliefert, sein an*s musste genäht werden, und so weiter und so fort

Zudem stellt sich ...

... rein gewohnheitsmäßig die Frage, wieviel Provisionen da wieder geflossen sind - an den FM und dessen Gesocks

es ist ja verdaechtig dass ueber den Kaufpreis stillschweigen vereinbart wurde, warum mit welcher Begruendung?

Was geht es denn die Bevölkerung an, wenn ihr Vermögen verschleudert wird?

Brodas Traum:

aus einem jugendknast werde ein jugendhotel...

ich finds schad, das projekt des jugendgerichtshofs und die gezielte betreuung waren international anerkannt. dafür werden bei der jetzigen einbindung mehr kriminalität die bis zur vergewaltigung der jugendlichen unetreinander einhergehen bekannt.

- das projekt war wohl prinzipiell zukunftsweisend - die ausführung war zb. für die damaligen anrainer oft sehr belastend. Es gab viele probleme, vor allem im bereich u3 und k. nagl-platz, mit betont aggressiven jugendlichen freigängern u. vandalen.

unter der bedingung, dass dem so war (wie Sie es schreiben)
der jetzige zustand ist eine problemlösung?

ja, finde ich auch schade und traurig, eine kulturelle errungenschaft wie den jugendgerichtshof in den boden gestampft zu sehen.

das ist die immobilienseite. hätten sie einfach geschrieben: altes verwaltungsgebäude ohne denkmalschutz an ag verkauft - wer hätte dann hierher geschaut? - ich vermutlich nicht.

muss sich das tv eine neue kulisse suchen. die ag hat ein gutes geschäft mit bundeseigentum gemacht, das durch schlechte politische entscheidungen möglich wurde.

Ein Hotel

WOW!

Was solchen Immobilien-Entwicklern alles einfällt. Und ein Einkaufszentrum. Wahnsinn.

Danke, danke, danke...

...an die Herren Schüssel und Böhmdorfer! Mühsam aufgebautes, Bewährtes zu zerschlagen, war deren Stärke.

war mMn eines der größten Schwachsinnigkeiten/Verbrechen von SchwarzBlau dieses Ansinnen des besonderen Eingehens auf Jugendliche einfach zuzusperren!

Die Jugend ist die Zukunft hätte ich mir halt gedacht...

so ist es.

und wieiviel hat grasser und seine freunderl für diesen verkauf an provision bekommen? 6700m2 gebäude in wien neubau für 2,7 mio? schändlich wie sich die schwarz-blaue regierung damals am volksvermögen bereichert hat...

das war eine Versteigerung!!

da gab es keine Provisionen. Der Verkaufspreis war 5,2 mio. Gerade einmal soviel, wie die Renovierung einige Jahre zuvor gekostet hat

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