Töchterle fordert mehr Flexibilität bei Lehrerausbildung

16. Mai 2012, 16:50
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Wissenschaftsminister will nur groben Rahmen vorgeben, der zur Qualitätssicherung nötig ist - Bei Reform der Lehrerausbildung werden "regionale Entwicklungsteams" eingesetzt

Wien  - Nicht nur bei der Ausbildung künftiger Lehrer, auch beim neuen gemeinsamen Dienstrecht fordert Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) mehr Flexibilität als bisher ein. Die Politik müsse aufhören, "den Beruf des Pädagogen allzu eng an das Dienstrecht, die Ausbildung und die Curricula zu koppeln. Ich würde hier die Autonomie wirken lassen", so der Minister am Mittwoch Nachmittag bei einer Tagung des "Forum Alpbach" zum Thema "Lehrer sein: Forderung und Überforderung" in Wien.

Der Gesetzgeber solle nur noch "ganz wichtige grobe Rahmenbedingungen vorgeben", die für die Qualitätssicherung nötig seien. "Die Institutionen wissen schon, was sie liefern sollen", glaubt Töchterle an Selbstregulierung bei der Lehrerausbildung. Ihm sagt das deutsche Modell zu, wo die Kultusministerkonferenz für die Lehrerausbildung ein Kerncurriculum vorgibt.

Töchterle will flexibles Dienstrecht

Was über die groben Rahmenbedingungen hinausgeht, soll aus Töchterles Sicht vor Ort geregelt werden. So schwebt dem Minister vor, dass die Gemeinden bei den Kindergärten selbst per Ausschreibung nach den besten Leuten suchen. Damit würde sich auch die Diskussion darüber erübrigen, ob Kindergartenpädagogen eine akademische Ausbildung brauchen. Es sei gut und wichtig, dass immer mehr Unis Lehrstühle zur Frühkindpädagogik einrichten wollen. Ob die Kindergärten einen Master einstellen wollen, sollten diese aber "nach ihren Wünschen und finanziellen Möglichkeiten regeln". Dasselbe gelte für alle Schulformen.

Töchterle nannte auch die "Europäisierung des Lehrermarktes" als Argument für ein flexibles Dienstrecht, "sonst schotten wir uns ja ab". Die Bezahlung der Pädagogen solle dann von deren Funktion abhängen, nicht von der Ausbildung. Töchterle betonte allerdings, dass "Wertschätzung" für Pädagogen sich auch im Gehalt ausdrücken müsse. Die Pläne der Regierung, die Anfangsgehälter anzuheben und die Gehaltskurve abzuflachen, geht dabei seiner Meinung nach "in die richtige Richtung".

"Regionale Entwicklungsteams" gegründet

Bei der Reform der Lehrerausbildung wurde unterdessen mittlerweile mit der Einrichtung von "regionalen Entwicklungsteams" begonnen, berichtete Andreas Schnider, der Vorsitzende des von Töchterle und Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) beschickten Entwicklungsrats für die gemeinsame Pädagogenausbildung. Der Entwicklungsrat wird laut Schnider klare Standards vorgeben, die die künftigen Lehrerausbildungsstätten erfüllen müssen. Die Entwicklungsteams sollen dann, basierend auf Potenzialanalysen zu den jeweiligen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen (PH), die Entwicklung von Verbünden vorantreiben, die künftig die Ausbildung für Pädagogen aller Altersgruppen anbieten sollen.

Derzeit bilden die Unis die Lehrer für AHS und berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS) aus, die PH hingegen die Pflichtschullehrer (Volks-, Haupt-, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schulen). Künftig sollen je nach regionalen Voraussetzungen entweder Unis oder PH die Federführung bei der Ausbildung übernehmen. Töchterle plädierte erneut dafür, dass die PH "engstens" mit den Unis kooperieren müssten, um Wissenschaftlichkeit in ihre Ausbildung zu bringen - "und die engste Form der Kooperation ist die Fusion".(APA, 16.5.2012)

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