Erwartung auf Schmerzlinderung reduziert den Schmerz

16. Mai 2012, 15:53
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Placebo-Gruppe erreichte Schmerzlinderung durch die Gabe einer Kochsalzlösung anstatt eines Medikaments

Gießen - Alleine die Aussicht auf eine effektive Schmerzreduktion bewirkt eine messbare Schmerzabnahme bei Bauchschmerzen. Dies konnten Untersuchungen des Universitätsklinikums Essen in einer Studie zeigen, die in der Fachzeitschrift "Pain" veröffentlicht wurde.

Dazu wurden 36 freiwillige, gesunde Versuchsteilnehmer Schmerzreizen ausgesetzt. Gleichzeitig wurde die Aktivierung einzelner Hirnregionen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie analysiert. Bei Versuchsteilnehmern der Placebo-Gruppe, die sich auf die Gabe eines Schmerzmittels einstellten, wurde auch dann eine effektive Schmerzlinderung erreicht, wenn tatsächlich nur Kochsalzlösung, also ein Placebo, verabreicht wurde.

Erwartete Schmerzlinderung zeigt Effekte

Die Ergebnisse dieser experimentellen Studie legen nahe, dass alleine die Erwartung einer effektiven Schmerzlinderung auch für viszerale (die Eingeweide betreffende, Anm.) Schmerzreize bei zumindest einem Teil der Teilnehmer zu einer effektiven Schmerzreduktion führt. Diese Placebo-Schmerzlosigkeit wird zentralnervös gesteuert und bewirkt insbesondere während der Schmerzantizipation durch vermehrte Aktivität in präfrontalen kortikalen Hirnregionen, aber auch in somatosensorischen Arealen sowie dem Thalamus die Reduktion der wahrgenommenen Schmerzintensität.

Diese Befunde bestätigen frühere Studien, welche somatische Schmerzreize - etwa auf der Haut applizierte Hitzereize - als experimentelles Schmerzmodell eingesetzt haben und sind die Grundlage für Folgestudien zur Analyse von Schmerzverarbeitung und Placeboeffekten bei Patienten mit chronischen Bauchschmerzen. (red, derStandard.at, 16.5.2012)

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