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Die Vorjahressieger aus Aserbaidschan: Ell & Nikki.
Würde man ins Jahr 1956 zurückreisen und einem Schweizer namens Marcel Bezençon verraten, der 57. Eurovision Song Contest 2012 wird in Baku, Aserbaidschan, stattfinden, würde der gute Mann das wohl für einen Scherz halten.
Aserbaidschan war 1956 noch kein eigener Staat, sondern eine sozialistische Sowjetrepublik und das Nachkriegseuropa wurde in West und Ost eingeteilt. Zehn Jahre nach den Gräueln des Zweiten Weltkriegs machten sich immer mehr Staaten Gedanken, wie sich Westeuropa in Frieden versöhnen und vereinigen könnte. Eine der Ideen war die politische Vereinigung, die 1957 zur Unterzeichnung der Römischen Verträge führte. Damit war der Vorläufer der Europäischen Union geboren.
Der "unpolitische" ESC
Eine andere Idee kam vom oben genannten Schweizer, der damals Direktor der 1950 gegründeten Europäischen Rundfunkunion (EBU) war. Ende Jänner 1955 schlug er der EBU einen Gesangswettbewerb nach Vorbild des italienischen Sanremo Festivals, das in Italien seit 1951 begeisterte, vor. Am 19. Oktober 1955 beschloss die EBU die Durchführung des ersten "Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne". Dieser fand am 24. Mai 1956 in Bezençons Heimat statt. Die erste Siegerin in Lugano war ebenfalls Schweizerin: Lys Assia.
Lys Assia gewann mit "Refrain" den ersten Eurovision Song Contest 1956 in Lugano. Dies sind die einzigen erhaltenen Videobilder des Events. 2012 versuche Assia noch einmal ihr Land zu vertreten, scheiterte aber in der Schweizer Vorausscheidung. Statt der Grand Old Dame fährt die Band Sinplus nach Baku.
Seit dem ersten Eurovision Song Contest (ESC) versucht die EBU die unpolitische Haltung der Unterhaltungssendung zu unterstreichen. Was ihr aber nie gelang: Boykott einiger Staaren als der Bewerb 1969 in Francos Spanien stattfand (u.a. seitens Österreichs), ein portugiesischer Beitrag der 1974 zur Revolutionshymne werden sollte, eine orange Revolution in der Ukraine, die 2005 beim ESC abgefeiert wurde oder ein disqualifizierter Beitrag aus Georgien, die 2009 den doppeldeutigen Titel "I Don't Wanna Put In" nach Moskau schicken wollten, kurz nach dem georgisch-russischen Krieg.
Auf nach Baku
Und nun findet der ESC in Aserbaidschan statt, weil dieses Land seit 2008 mitmachen darf. Seitdem wird quer durch Europa diskutiert: Warum darf dieser Bewerb eigentlich in einem so undemokratischen Land, das rund 70 politische Gefangene hat und in dem Demonstranten verprügelt und verhaftet werden, stattfinden? Wie kann man es akzeptieren, dass für diesen Bewerb die gigantische Städteplanung forciert wird und Menschen in der Nacht aus ihren Häusern vertrieben werden? Wie kann Europa den autokratisch regierenden İlham Əliyev eine derartige Präsentationsbühne geben? Weiß die EBU nicht, dass Aserbaidschan in Sachen Pressefreiheit auf dem 152. Platz weltweit liegt? Nach dem Irak und Afghanistan?
Interessanterweise haben Oppositionelle und Menschenrechtsaktivist_innen nie zum Boykott des ESCs in Baku aufgerufen. Ganz im Gegenteil! Sie erhoffen sich die mediale Aufmerksamkeit auf das Land.
Aus Liebe zum Bewerb einerseits, und aus Neugier, wie das Land tickt, wie es den Menschen in Aserbaidschan geht und wie es den Menschenrechtsaktivisten gelingen mag Aufmerksamkeit zu erregen, werde ich am Donnerstag nach Baku fliegen und hier von den Erlebnissen vom und rund um den Eurovision Song Contest berichten.
Mir san am Start! (Marco Schreuder, derStandard.at, 16.5.2012)
Schweden mit Rekordsieg, Anke Engelke richtet schöne Grüße aus. Und dann ist da noch die Sache mit der Meinungs- und Pressefreiheit. In einem sehr gastfreundlichen und schönen Land.
Das Finale startet heute in der Crystall Hall in Baku, die heute nur durch viele Polizeisperren hindurch erreichbar ist. FavoritInnen für den Sieg gibt es heuer viele
Seit Mittwochabend stehen die 26 Finalisten der diesjährigen Ausgabe des Eurovision Song Contests fest. Die Fans freuen sich schon auf Samstag. Was ist das überhaupt, so ein richtiger Eurovision-Fan?
Ein türkischer Geheimfavorit, ein serbischer Veteran, eine schwedische Chartstürmerin, eine Flut an Balladen und die Ukraine, die so gerne Gäste einladen würde. Das 2. Semifinale steht vor der Tür
Der Anteil schwuler Fans beim Eurovision Song Contest ist bekanntlich hoch. In Aserbaidschan stellte sich daher für viele die Frage: Geht das denn dort? Der Iran meldet sich dabei auch zu Wort
Die Trackshittaz sind ausgeschieden. Das tat buchstäblich weh, ist aber alles in allem keine große Überraschung
Woki'n sich die Trackshittaz ins Finale? Warum moderiert die Tochter des Präsidenten? Können irische Zwillinge wieder überzeugen? Und hält die albanische Frisur?
Bisher zeigt nur eine Eurovisions-Teilnehmerin Interesse an Menschenrechte in Aserbaidschan: Topfavoritin Loreen aus Schweden
Der Eurovision Song Contest ist für die Opposition ein guter Anlass, um auf menschenrechtliche und demokratische Probleme Aserbaidschans aufmerksam zu machen
In schönen Hotels übernachten, mit eigenen Shuttlebussen durch die Stadt fahren und im Pressezentrum unter sich sein
Die schweren Verletzungen der Grund- und Menschenrechte sind allen bekannt. Der Westen will den Zugriff zum Erdgas und Erdöl, immerhin ist auch der BP Fischer hingefahren. Was wird nicht alles für die OMV und Nabucco getan.
Dies ist kontraproduktiv und macht die Grund- und Menschenrechten zum käuflichen Obkjekt einer unsympathischen Regierung. Der Westen würde am liebsten seine Großmutter für seine wirtschaftlichen Interessen verkaufen.
Diese widersprüchliche Verhalten der westlichen Politik ist bekannt und wird auch ausgenützt!
Wenns nicht komplett wurscht wäre was Europa über uns und unseren musikalischen Wandel von Mozart über Udo Jürgens bis hin zu Traktorgangsterpartyrap denkt, würden wir nicht die Trackshittaz hinschicken. Aber so wirds in Kombination mit Stermann & Grissemann in einem eher undemokratisch-trostlosen Austragungsort wenigstens ein Heidenspaß :)
Sonst würde ich mir den Songcontest nicht anschauen.
Was mich an diesem Blog noch interessieren würde, ist das Leben abseits vom ESC - eine Art investigativer Journalismus.
Wie ist das normale Leben dort, welche Repressalien gibt es konkret, wie wird der Songcontest vom Regime instrumentalisiert, hat man als Tourist Einblicke dazu oder wird man davon abgeschottet?
...ein boykott war selten eine gute idee, die frage ist doch eher, was wurde aus dem treffen der menschenrechtsorganisationen und der azerb. regierung?? d.h. wie funktioniert das oben dargelegte argument, des genaueren hinschauens. im übrigen bleibt auch noch die frage an alle heuchler und zyniker, ob öl und gas aus boykottmaßnahmen prinzipiell ausgenommen werden solle?
aber hast du wirklich nichts besseres zu tun, Marco? oder war politik doch die hauptbeschäftigung?
Das hat weder mit Kultur noch mit Musik zu tun.
Wenn ein "Kultur"land wie Österreich es zustande bringt, in der Endausscheidung der Titelauswahl dann die Wahl zwischen einer bärtigen Transe mit einer Coverversion von 'my way' und zwei Mühlviertler Prim@ten mit einem grottenschlechten, sexistischen Rap zu haben, dann GUTE NACHT!
Wo ist die Kultur? Wo die Musik?
Warum darf dieser Bewerb eigentlich in einem so undemokratischen Land wie Aserbaidschan stattfinden?
Warum darf die Fußball EM eigentlich in einem so undemokratischen Land wie der Ukraine stattfinden?
Warum ist der Papst katholisch?
Warum ist die Erde rund?
etc.
1) Weil die Kopftuchfrauen in Aserbaidschan auch Popo wokin lernen müssen.
2) Weil die U-Krainer zwar gute Würstel sind und trotzdem Salzburg aus der Euro League gekickt haben.
3) Weil uns dadurch der Islam einfach nicht mag.
4) Weil die Schifffahrtsbranche ein Problem mit Meeren hatte, die plötzlich über eine Kante im rechten Winkel geflossen sind und Gott daher die vehememte Forderung nach einer Abrundung der irdischen Kanten erfüllt hat.
Da muessen Sie schon den Herrn Heinzi Fischer fragen, der war schon mal dort, der wird Ihnen sicher sagen was zu machen ist damit das Gas nach Oesterreich fliesst. Ich freue mich fuer Sie, im Oel baden hat schon Kleopatra schoen gemacht, oder war es doch nur Eselsmilch ?
Die nachgewiesen ist und hier www.ohchr.org/EN/Issues... isits.aspx unter den countryvisits 'Azerbaijan' nachzulesen ist. Im pdf auf seite 28 ff. Das hotel am atrand mit dachterasse und blick aufa Meer soll recht nett sein. Western style bis dorthinaus. Da wird eben geklotzt und nicht gekleckert...
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