Uwe Scheuch, Steinzeitpädagoge

Kommentar16. Mai 2012, 15:50
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Anscheinend hat die eine oder andere "Tetschn" beim Kärntner Bildungsreferenten doch Folgen

Sind die Kärntner Politiker des Wahnsinns? Zuerst fordert Uwe Scheuch, seines Zeichens Bildungsreferent des Landes Kärnten, in einem Radio-Interview, dass Lehrer in der Schule "Tetschn" verteilen dürfen. Zwei Tage später eilt ihm Landeshauptmann Gerhard Dörfler zur Hilfe und berichtet stolz, dass ihm persönlich die eine oder andere "gesunde Watschn" nicht geschadet habe. Es sei sogar eine Mutprobe gewesen, als Bub eine Watsche vom Lehrer zu provozieren. Dörfler schränkt allerdings ein: Gesunde Watschn soll es freilich nur für Buben geben. Frauen und Mädchen müsse man ausnehmen. 

Die Aussagen der beiden FPK-Politiker sind an Dummheit nicht zu überbieten. Auch wenn man das Wort verniedlicht und "Tetschn" statt Watsche sagt, geht es immer noch um die Misshandlung von Kindern durch Lehrer. Sogar Heinz-Christian Strache tut so, als habe er das erkannt. Es mutet jedoch auch skurril an, wenn der FPÖ-Parteichef seine Kärntner Kollegen zur Raison zu bringen versucht und in einer Aussendung schreibt: "Nachhaltige und positive Erziehung soll mit Motivation, Verantwortung, Liebe und konsequentem Bemühen verbunden sein." Jede Art von Gewalt im Erziehungsbereich sei grundsätzlich abzulehnen.

Scheuch rudert nun seit zwei Tagen zurück und versucht, das Gesagte zu leugnen. So will er das Wort "Tetschn" nur als Metpaher verwendet haben. Als Metapher wofür? Anscheinend hat die eine oder andere "Tetschn" bei Scheuch doch Folgen, wenn er die richtige Verwendung einer Metapher - nämlich etwas im übertragenen Sinne darzustellen - nicht zustande bringt.

Man kann einfach gar nicht glauben, worüber da gerade debattiert wird. Doch wie konnte es so weit kommen? Man muss sich die Frage stellen, warum das Thema der Anwendung von körperlicher Gewalt in der Schule wieder und wieder hoch kocht. Gibt es derart viele Probleme im System Schule, dass laut darüber nachgedacht wird, die Kinder mit Schlägen ruhig zu stellen?

Um jedweden Zweifel auszuräumen, dass Lehrer Schläge tatsächlich als einzigen und letzten Ausweg sehen, muss die Ausbildung der Pädagogen endlich reformiert werden. Und es muss Geld in die Hand genommen werden, um Schulsozialarbeiter und mehr Psychologen bereitzustellen. Lehrer müssen eine bessere Fortbildung erhalten und, und, und. Ministerin Schmieds To-Do-Liste ist eine lange. Dass wir darüber im Jahr 2012 überhaupt diskutieren müssen, zeigt, wie steinzeitlich Bildungspolitik in Österreich nur zu oft angegangen wird. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 16.5.2012)

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