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Taipeh - Durch eine Gentherapie haben Wissenschafter die Bewegungsfähigkeit von Kindern mit einer seltenen, schweren Hirnstörung verbessert. Die Forscher von der Nationalen Universität in Taiwan berichten darüber im US-Fachjournal "Science Translational Medicine". Die vier an der Studie beteiligten taiwanesischen Kinder leiden an einem Enzymdefekt, der zu Entwicklungsstörungen vor allem der Motorik führt. Mithilfe von Viren schleuste das Team um Paul Wuh-Liang Hwu ein menschliches Gen in das Gehirn der Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren ein.
Ein Kind habe 16 Monate später stehen können, die anderen drei konnten demnach nach einigen Monaten mit Unterstützung sitzen. Bei allen Patienten traten als Nebenwirkung unkontrollierte plötzliche Bewegungen auf, unter anderem im Gesicht, die aber nach einiger Zeit wieder verschwanden. Ein Kind hatte einige Monate Atemaussetzer, eines musste einige Zeit durch eine Sonde ernährt werden. Vor der Gentherapie waren alle Kinder bettlägerig und konnten ihren Kopf nicht halten oder sprechen.
Gestörte Dopamin- und Serotoninproduktion
Bei der seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankung handelt es sich um den Mangel an aromatischer L-Aminosäure-Decarboxylase (englisch AADC abgekürzt). Ein Defekt in einem Gen führt dazu, dass die Produktion der wichtigen Nervenbotenstoffe Dopamin und Serotonin gestört ist. Die Symptome bei den Kindern sind unterschiedlich. "Dazu gehören schwerste geistige Entwicklungsverzögerungen und Bewegungsstörungen durch schlaffe oder steife Muskeln, ähnlich einem Parkinson bei Erwachsenen.
Die Kinder haben keinen Tag-und-Nachtrhythmus, schreien viel und verdrehen krampfhaft die Augen", sagte Georg Hoffmann vom Universitätsklinikum Heidelberg. An der Klinik werden nach seinen Angaben die meisten der Kinder betreut, die in Deutschland diagnostiziert werden, das seien ein gutes Dutzend Familien.
Ohne Behandlung erlangen die wenigsten dieser Kinder motorische Fähigkeiten. Es gibt bisher nur unzureichende Therapieansätze mit Medikamenten. "Wir versuchen die klassischen Parkinsonmedikamente so zu dosieren, dass die Symptome besser werden. Ein Kind kann dadurch nun in den Kindergarten gehen, aber die meisten der Kinder behalten die schweren Störungen", sagte Hoffmann. In Taiwan erfassten die Forscher Daten von 30 Kindern mit dem Enzymmangel, zehn von ihnen waren bereits gestorben.
Viren injiziert
In dieser ersten klinischen Studie verwendeten die Wissenschafter um Hwu Adenoviren als Genfähren für AADC. Die Mediziner injizierten sie in eine Hirnregion namens Putamen, die an der Kontrolle von Bewegungsabläufen beteiligt ist. Noch muss überprüft werden muss, welche Menge an dem Adenoviren-AADC-Gemisch nötig ist, um dauerhafte Erfolge zu erzielen. Darüber hinaus habe Dopamin Funktionen in anderen Hirnregionen, und es müsse ermittelt werden, wie die Gentherapie am besten verabreicht werden könne. Die Kinder entwickelten Antikörper gegen die Viren, so dass eine zweite Gabe bei ihnen problematisch werden könnte.
"Eine vernünftige Überlegung wäre, solche Gentherapien bei Krankheiten einzusetzen, die auf einen Gendefekt zurückgehen", sagte Hoffmann. Bis jetzt seien Behandlungserfolge allerdings nur langsam vorangegangen. "Wir müssen abwarten, ob die Ergebnisse reproduzierbar sind, wie sie langfristig ausfallen, und ob das Verfahren aus Taiwan zur Zulassung kommt. Außerhalb der Studie in Taiwan können und dürfen Patienten bis zu einer Zulassung nicht mit dieser Gentherapie behandelt werden." (APA, 16.5.2012)
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