Barroso überantwortet Athen sich selbst

EU-Kommissionspräsident betont, dass Griechenland über den Euro selbst entscheiden muss. Die Griechen räumen ihre Konten leer

Brüssel - Die Neuwahlen in Griechenland am 17. Juni werden nach Worten von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso über den Verbleib des Landes in der Eurozone entscheiden. Letztlich müsse die Entscheidung über den Verbleib in der Eurozone von den Griechen selbst gefällt werden, sagte Barroso am Mittwoch. Die Wahl sei "historisch", es gehe um die Zukunft des Landes. Dass die Griechen selbst diese nicht rosig sehen, zeigt der stete Abfluss von Spareinlagen: Die Griechen haben am Montag 900 Millionen Euro abgehoben.

Barroso für, deutsche Bankiers gegen Euro-Verbleib

Barroso betonte, es sei wichtig, dass die griechische Bevölkerung "in voller Sachkenntnis" über die Alternativen entscheide und die Konsequenzen des eigenen Tuns beachte. Griechenland solle in der EU und der Eurozone bleiben, sagte Barroso. "Griechenland ist Mitglied unserer Familie." Es gebe keine Alternative zu dem mit der EU vereinbarten Rettungsprogramm, die weniger schmerzhaft wäre. "Es ist eine Realität, es gibt keinen leichteren Weg", sagte der Kommissionschef. Alle anderen Wege wären für die griechische Bevölkerung noch viel schmerzhafter.

Der Präsident des deutschen Bankenverbands, Andreas Schmitz, hatte Griechenland zuvor einen Austritt aus der Euro-Zone nahegelegt. "Es ist richtig, über Alternativen nachzudenken, allen voran, ob das Land mit einer eigenen Währung - unterstützt von einer Art 'Marshall-Plan' der Europäischen Union - die Probleme nicht besser lösen könnte", betonte Schmitz im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die Ansteckungsgefahren in Folge eines Austritts seien mittlerweile deutlich geringer geworden, auch wenn es weiter Risiken gebe.

Ganz im Gegenteil sein "Chef" Charles Dallara. Für den Rest Europas seien die Ansteckungsgefahren riesig, sagte der Geschäftsführer des internationalen Bankenverbandes IIF am Mittwoch in Dublin. "Der Druck auf Spanien, Portugal, selbst Italien und möglicherweise auch Irland wäre immens."

Angst vor Bankrun

Derweil wächst die Angst vor einem Ansturm auf die Banken angesichts der düsteren Zukunftsaussichten. An einem einzigen Tag sollen die Griechen in dieser Woche fast eine Milliarde Euro abgehoben haben. Staatspräsident Karolos Papoulias warnte bereits vor einer bedrohlichen Entwicklung. Von einem klassischen "Bank run" mit langen Schlangen vor den Kassenschaltern der Finanzinstitute ist zwar noch nichts zu spüren, doch bringt die Entwicklung die Banken des Landes in große Schwierigkeiten.

Während der dramatischen Verhandlungen über eine neue Regierung seien am Montag knapp 900 Millionen Euro abgehoben worden, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Bankenkreisen. Seit Ausbruch der Schuldenkrise nehmen die Griechen hohe Summen an Bargeld mit nach Hause oder überweisen Erspartes auf ausländische Konten. Sie befürchten, dass die Banken zusammenbrechen könnten oder das Geld bei einer Umwandlung in die alte Währung Drachme stark an Wert verlieren würde.

Spareinlagen um ein knappes Drittel gesunken

Die Einlagen der griechischen Privathaushalte bei den Banken verringerten sich nach Angaben der staatlichen Notenbank seit Anfang 2010 von 195 Milliarden Euro auf 140 Milliarden Euro im März 2012. Dies entspricht einem durchschnittlichen Abfluss von zwei Milliarden Euro im Monat, wobei diese Zahl nur begrenzte Aussagekraft hat. Allerdings wäre ein Betrag von 900 Millionen Euro an einem Tag eine sehr hohe Summe.

Papoulias wollte damit wohl auch deutlich machen, wie ernst die Lage sei. Allerdings zeigte sich der Chef des Bündnisses der Radikalen Linken (Syriza), Alexis Tsipras, wenig beeindruckt. "Ach was? Sie haben jetzt entdeckt, dass das Geld ausfließt. Es sind doch seit Ausbruch dieser Krise 73 Milliarden Euro verloren gegangen", zitierte die griechische Presse Tsirpas' Reaktion. Er meinte, die dramatische Beschreibung der Situation werde ihn nicht dazu bewegen, mit den Konservativen und den Sozialisten zu kooperieren. Am Dienstag war der letzte Versuch einer Regierungsbildung, ein von Papoulias vorgeschlagenes Expertenkabinett, gescheitert. Nun müssen die Griechen am 17.Juni erneut wählen.

EU unterstützt griechische Banken

Für die Banken sind die Abhebungen höchst problematisch. Die griechischen Geldhäuser sollen nach früheren Berichten über einen nationalen Bankenrettungsfonds mit bis zu 50 Milliarden Euro rekapitalisiert oder in Einzelfällen fusioniert und abgewickelt werden. Dabei stammen 25 Milliarden Euro aus Mitteln des Euro-Rettungsfonds EFSF, die auch bereits zur Verfügung stehen. Davon will die Regierung 18 Milliarden Euro laut einem Bericht des staatlichen Fernsehens vom Mittwoch nun auch an die Banken weiterreichen. Zuvor hatte es Medienberichten zufolge wenig Fortschritte gegeben, weil es Unklarheiten mit Blick auf den Beitrag privater Geldgeber - etwa über Kapitalerhöhungen - gab.

Zudem genehmigte die EU-Kommission am Mittwoch 680 Millionen Euro an Hilfen aus Rettungsfonds-Mitteln zur Abwicklung der griechischen T Bank. Damit soll es der Hellenischen Postbank erleichtert werden, die Tätigkeiten der T Bank zu übernehmen. Die kleine Bank war 2011 wegen zu geringen Eigenkapitals in Schwierigkeiten geraten. (APA, 16.5.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 191
1 2 3 4 5
Vielleicht irre ich, aber "Barrolo" wie ihn Gusi genannt hat

ist wohl der schlichteste EU-Kommissionspräsident den es bisher gab!

aber überweist wieder 18mrd

schon in atlantis wollte man es nicht wahr haben.

lustiger ausschnitt aus "erik der wikinger"

wir sinken nicht
https://www.youtube.com/watch?v=iZiO9bqzHzg

Barosso glaubt, dass er Spanien auch so abwickeln kann wie Griechenland.

Aber das wird sicher nicht passieren. Hier sind die Summen einfach zu gross.

Er spielt mit dem Feuer ohne je zur Verantwortung gezogen zu werden. Seine Pension hat er.

Mit Barosso wird es wohl kein(e) Wachstum(spolitik) in der EU geben. Die übermäßig Vermögenden, die Angst um ihren relative Vorteil haben, (=wir ??) warten auf die grosse Katastrophe. Sie sind in der Markt/Konkurrenzlogik gefangen. Wie in der Zwischenkriegszeit. Die damaligen Lösungeng sind hinlänglich bekannt. In den relevanten ("Elite"-) Kreisen ab scheinbar nicht. Bildung ist doch ein sehr exklusives Gut.

Europa hat schon genug linker Wachstumspolitik genossen. Irgendwann kapieren auch die Linken dass man mit hoher Staatsquote, sinnlosen oeffentlichen Investitionen auf Pump kein Wachstum generiert sondern dem effizienten Privatsektor Geld entzieht. Beamte schaffen keinen Wohlstand, Strassen auch nicht, sonst waere Griechenland schon reicher als die Schweiz. Griechenland muss sein Lohnniveau va. im Staatssektor um 30% reduzieren und deutlich Versorgungsposten abbauen - um wieder das Vor- EU- Subventionsniveau zu erreichen, das seiner industriellen Leistungsfaehigkeit entspricht.

lieber Herr da sind sie aber schlecht informiert:

lesen sie mal Sinn(2012) ifo Schnelldienst vom 21.3. Die Target-Kredite... :
Die Verschuldung der PIIGS Staaten ist Ursache von allem anderen als "linke" Wachstumspolitik (absurd: wie bekannt hat die EU alles andere als eine Wachstumspolitik gemacht), sondern der Fehlkonstruktion der Euro-Raumes mit einheitlichen Zinsen, die eine Inflation(!) in den PIIGS Ländern zu Folge hatten auf Grund von billigen Krediten, die ein Erhöhung der Nachfrage im Ausland bewirkt haben statt in die Inlandsnachfrage zu gehen, ... (wer hat davon profiert? 1x dürfen sie raten).
Die ungleichen Lohnniveaus im Euro gemessen stimmen, sind aber nicht "Schuld" der "faulen" "griechischen" "Arbeiter" und "Beamten" !
Den Rest wird die Geschichte (wieder) schreiben.

wie sie sicher wissen, hat gerade Hr Sinn eine sehr eindeutige Meinung zu Investitionsprogrammen im Süden, die mit Mitteln aus dem Norden bezahlt werden sollen. Wenn Sie sich mal am balkan bewegen, werden Sie feststellen dass hier gerade über EU Initiative Abermilliarden in Infrastruktur (Autobahnen in Kroatien etc) geflossen sind (Liebkind linker Keynes-Investitionslust) aber halt nirgendwo mit Hirn Industrien unterstützt wurden, wie das in Asien passiert. Und eine zu hohe gestützte Konsumationsfähigkeit der Griechen ) Löhne stiegen dort doppelt so stark wie bei uns) hilft vor allem der Werkbank der Welt: ASIEN und schadet uns, die wir dafür geradestehen.

... wie sie sicher wissen ...

Mr. Sinn ist ein Deutscher (ökonom) und schwankt immer zw brauchbarer ökonom Analyse und Formulierung deutscher Interessen.
Wachstumspolitik wie oben angedeutet ist nicht bloß "linkes" Schuldenmachen ("Rechte" können das Schuldenmachen noch besser - s US, etc), obwohl diverse Simulationen eindeutig einen Vorteil für Drittmittel-finanzierte Nachfrage zeigen.
Vom IWF (sind keine Linken) werden zB brechen vin "vested interests" fuer GR empfohlen. Dabei verstehen sie NICHT die Gewerkschaften oder hohe Löhne (Jäger, Xafa) sondern korrupte Politiker, die bestimmten Gruppierungen Sonderprivilegien zukommen lassen. (Da bin ich s.o. mit meinen "Vermögenden" gar nicht so weit von der IWF Position entfernt.)

Die Kommission könnte ja auf den Finanzmärkten auf die Pleite Griechenlands wetten und den Gewinn für die Sanierung verwenden.

...mir fehlen zwei dinge in der aufarbeitung dieses debakels...

erstens: zuordnung von verantwortlichkeiten und persönliche konsequenzen

zweitens: ein TILGUNGSPLAN für jene institutionen welche die hilfsmilliarden erhalten haben um den ausfall von staatsanleihen verkraften zu können

erstere sitzen nachwievor in GR, USA und brüssel und zweitere zocken und verdienen weiter...........

Die rettende währungsreform:

Merkel statt Euro.

Euroleak Griechenland

Am Anfang war der Betrug durch Bilanzfälschung damit Griechenland in €-Club aufgenommen wurde. Danach Jahrzehnten lang weitere Bilanzfälschung bis das Handwerk aufgedeckt ist. Ein notorischer Betrüger kann man nicht vertrauen. Solidarität mit armen Länder ja, aber sicher nicht mit Betrüger. Besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.

ich habe überhaupt keine Solidarität mit Ländern, meine Solidarität gilt den ArbeiterInnen, die nun die Sch..ße ausbaden müssen! Und die sind nicht die Gauner, die das eingebrockt haben!!!

alle griechen hinnterzogen steuern. zudem sind die

steuersätze geringer als bei uns.

warum spll bspw. ein slowake weniger als ein grieche verdienen?

das waers ja nicht allein.

Heute ist in La Stampa ein "lustiger" Artikel ueber Sizilien, was man wohl mit Gr. vergleichen kann. Die Region Sizilien hat 17.200 Angestellte, die Lombardei 3.000.

trotzdem

wählen gerade diese menschen jene politiker, die sie immer weite in die sch ei ße hineinreiten.

das erleben wir ja gerade wieder. derjenige, der einerseits den verbleib in der währungsunion verspricht und andererseit vespricht, das schuldenproblem dadurch zulösen, indem die raten nicht mehr bezahlt werden, der führt auch in den meinungsumfragen.

Und GR ist bekanntlich, wie auch Österreich, ein Musterland der Transparenz! Jeder Bürger hat uneingeschränkte Einsicht in den Staatshaushalt und die Geschäfte der Regierung und kann die Regierung jederzeit abwählen...

um eins und eins zusammenzuzählen

ist es nicht notwendig irgendwo hineinzuschauen.

...aber diese ArbeiterInnen haben seit Ende der Militärdiktatur immer völlig demokratisch diese Vertreter gewählt, vor allem sozialistisch, weil sie sich es selbst gut richten konnten, den Staat genauso betrogen haben wo es nur geht und halt "kleine" Gauner waren.

Oder gehts ihnen gar nicht darum, ist das vielleicht nur eine politische Solidaritäts-Botschaft von "Herr und Frau Österreicher"?

Hoppala, also für mich können sie nicht sprechen...;-)

Ja blöd, gell. Da ist das Wahlverhalten der Österreicher wohl um einiges reifer...

nein, nicht reifer, sondern operettenhafter...

aber es freut mich dass gerade sie das schätzen.

Juristisch gesehen kann man Griechenland nicht aus dem Euro rausschmeißen.
Ob das jetzt den deutschen Marktschreiern gefällt oder nicht.

PS.: Ob ein Staat Pleite ist hat mit der Währung genau nix zu tun. Oder stellt irgendwer den Dollar in Frage, weil Kalifornien Pleite ist?

Rechtlich ist es aber möglich GR aus der EU auszuschließen. Damit wäre auch die €-Mitgliedschaft hinfällig.

Eine Ansteckungsgefahr für andere Länder wäre zwar gegeben, so weiter zu "wursteln" wie bisher, ist jedoch weit gefährlicher. Ein EU-Ausschluss wäre ein echter Befreiungsschlag und sicher kein großer Verlust für Europa.

Es ist für den Euro vollkommen egal, ob Griechenland drin bleibt oder nicht. Was wirklich ein Problem darstellt ist das Risiko, dass Griechenland einige Verbindlichkeiten nicht begleichen will/kann, sowie die möglichen Folgeschäden.

Posting 1 bis 25 von 191
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.