Konsum sorgt für zarten Wirtschaftsaufschwung

16. Mai 2012, 12:59
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Die Beschäftigung ist seit Jahresbeginn kräftig gestiegen und die gesunkene Inflation hat zu realen Einkommenszuwächsen geführt, so die Bank Austria

Wien - Die Ökonomen der Bank Austria sehen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Österreich zwar mehr Abwärtsrisiken, die Stimmung der Konsumenten habe sich dagegen in den vergangenen Wochen merklich aufgehellt.

"Das europaweite Anziehen der fiskalischen Zügel und die Verschärfung der Rezession in manchen Ländern der EU-Peripherie könnten den wirtschaftlichen Rahmen für 2013 ungünstiger gestalten, als wir bisher angenommen haben", so Chefökonom Stefan Bruckbauer am Dienstag in eine Pressemitteilung. Trotzdem hält die Bank Austria an ihrer Wachstumsprognose von 2,0 Prozent für 2013 fest.

Solide Erholung

Im Moment können jedoch selbst ungünstige Wirtschaftsindikatoren und die wieder gestiegene Verunsicherung durch die europäische Staatsschuldenproblematik die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung in Österreich nicht stoppen. Der von der Bank berechnete Konjunkturindikator ist im April zum vierten Mal in Folge - um 0,7 Prozent - gestiegen. Das zeige die "beachtliche Robustheit der Erholung der österreichischen Wirtschaft trotz schwieriger, internationaler Rahmenbedingungen", so Bruckbauer. Jedoch habe es noch nie in der 20-jährigen Geschichte des Konjunkturindikators eine so moderate Aufwärtsbewegung gegeben wie in den vergangenen Monaten.

Konsumenten soll es richten

Vor allem Signale aus der Industrie hätten aufgrund des unruhigen Umfelds die Konjunkturstimmung zu Beginn des zweiten Quartals gedämpft. Die Stimmung der Konsumenten habe sich dagegen in den vergangenen Wochen merklich aufgehellt. Die Beschäftigung ist seit Jahresbeginn kräftig gestiegen und die gesunkene Inflation hat zu realen Einkommenszuwächsen geführt, was sich in der jüngsten Entwicklung der Einzelhandelsumsätze positiv niedergeschlagen habe.

"Nach unserer Einschätzung wird der private Konsum eine bestimmendere Rolle als bisher übernehmen", meint Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl.

Während der Aufwärtstrend des privaten Konsums weitgehend erhalten bleiben sollte, blieben die Aussichten für den Außenhandel "überschaubar". Auch die Investitionsbereitschaft wird weiterhin sehr gedämpft ausfallen, erwartet Pudschedl.

Für das zweite Quartal erwarten die Ökonomen wie im ersten Quartal einen BIP-Anstieg um 0,2 Prozent. Für das Gesamtjahr 2012 lautet die Prognose weiterhin auf 0,8 Prozent und für 2013 unverändert auf 2,0 Prozent. 

Bank Austria geht von sinkender Inflation aus

Nach dem neuerlichen Rückgang der Inflation im April auf 2,3 Prozent rechnen die Bank-Austria-Ökonomen nunmehr mit einem baldigen Auslaufen dieses rückläufigen Trends, da die Rohölpreisanstiege des Vorjahres zunehmend aus der Berechnung herausfallen werden. Sie gehen von einer Stabilisierung der Teuerungsrate um rund zwei Prozent aus. Im Jahresdurchschnitt werden 2,2 Prozent prognostiziert. Der EZB-Leitzinssatz wird in den kommenden Monaten stabil erwartet.

Weltwirtschaftsklima besser

Auch aktiv in Sachen 'Wie wird sich die Wirtschaft entwickeln' war das Münchner Ifo-Institut. Das Weltwirtschaftsklima habe sich im zweiten Quartal deutlich aufgehellt. Das Barometer legte um 12,6 auf 95,0 Punkte zu, wie die Ökonomen am Mittwoch zu seiner Umfrage unter mehr als 1.100 Experten aus 121 Ländern mitteilte. Es liegt damit nur noch knapp unter seinem langfristigen Durchschnitt. Sowohl die Lage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate wurden besser gewertet. "Die Ergebnisse belegen die Erholungstendenzen der Weltwirtschaft", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die Stimmung hellte sich sowohl in Westeuropa als auch in Nordamerika und Asien auf. Die Experten sagen Westeuropa in diesem Jahr ein Wachstum von 0,4 Prozent voraus. Für Nordamerika wird ein Plus von 2,4 Prozent erwartet, für Asien sogar von vier Prozent. Die Experten hoben ihr Inflationsprognose von 3,5 auf 3,6 Prozent an. Im kommenden halben Jahr rechnen sie mit einem steigenden Dollar-Kurs. (APA, 16.5.2012)

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