Ein Lachanfall mit vier Buchstaben

16. Mai 2012, 10:54
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Viele Jugendliche lieben die Webseite 9gag, was sich in ihrer Sprache und ihrem Humor niederschlägt

Wien - 9gag. Vier Zeichen. Über 2,7 Millionen Likes auf Facebook. Ein Hype. Dass sich ein Eintrag rasend schnell im Internet über den gesamten Globus verbreiten kann, ist jedermann bekannt. Dass aber ebendiese Postings zu einem Massenphänomen werden, gelingt nur auf wenigen Plattformen. 9gag hat sich den Weg ganz nach oben erkämpft und ist in aller Munde.

9gag ist eine von Ray Chan gegründete Internetseite, die seit 2008 existiert und innerhalb der letzten Monate mit dem strikten Konzept "Just for Fun" einen neuen Kult unter Jugendlichen ins Rollen gebracht hat. Das Ziel ist es, Leute mit Witzen und Comics - oft über Alltagssituationen - zu unterhalten.

Dabei werden meist Bilder verwendet, die mehreren witzigen Situationen angepasst werden können. Diese immer wieder auftauchenden Figuren nennt man Memes.

Es werden aber nicht nur eigens kreierte Memes verwendet, sondern auch berühmte Persönlichkeiten. Barak Obama, Jackie Chan und Mr. Bean haben einen fixen Platz in der 9gag-Welt.

9gag arbeitet mit visuellen Eindrücken: Die Bilder, die auf die Seite gestellt werden, haben einen hohen Wiedererkennungswert und sind mit kurzen Texten oder Geschichten versehen; immer mit dem Ziel, die Benutzer zum Lachen zu bringen.

Die lachanfallartigen Reaktionen auf die sehr populären Gags sind süchtig machend. Einmal von dieser Seite in den Bann gezogen, können viele sich nicht mehr so schnell wieder losreißen.

Allerdings handelt es sich bei den Benutzern von 9gag nicht nur um Einzelgänger. Oft werden Bilder oder Sprüche, die von der Website stammen, zum Aufhänger sozialer Interaktion.

Viele bekannte Sprüche sind längst zum Running Gag geworden und finden im jugendlichen Alltag Platz, da sie von den meisten wiedererkannt werden und auch dem Humor vieler entsprechen.

Die Meinungen gehen auseinander: Wie immer gibt es auch Kontraststimmen. Die 18-jährige Antonia Reiss reagiert eher abgeneigt. Sie findet die Seite "teilweise ganz amüsant", betont aber sogleich: "Ich würde aber lieber über echte Witze lachen." Sie hält das Ganze für Zeitverschwendung.

Konstantin Kluger (15) sieht dagegen auch positive Aspekte: "Ich finde 9gag besser als Fernsehen, da teilweise auch gesellschaftskritische Themen behandelt werden."

Neue Jugendsprache

Die bekanntesten Gags werden zu den neuen Sprichwörtern der Jugendkultur. Selten trifft man auf jemanden der die Sprüche, Gesichtsausdrücke und Zeichnungen nicht kennt.

Das Publizieren einzelner 9gag-Zeichnungen auf Facebook ist eine der Gründe für die schnelle Verbreitung. Auch hier war es das omnipräsente Netzwerk, das dieses Forum so bekannt gemacht und somit die Gesellschaft verändert und beeinflusst hat.

Dass die jugendliche Sprache immer mehr vom Internet beeinflusst wird, ist bekannt. Zurzeit ist 9gag eine der meistbesuchten Internetseiten unter Jugendlichen. Die steigende Beliebtheit zeigt sich daher auch in der Sprache und dem Humor. Ausdrücke wie "Forever alone" oder "Me gusta" werden immer häufiger in Gesprächen unter Jugendlichen zitiert.

Die Besonderheit des Forums ist, dass jeder Zugriff hat. Um "Gags" zu posten, muss man aber einen Account besitzen. Neben den Einträgen sieht man dann den Nickname des Uploaders.

Der Kreativität der unterschiedlichen User ist keine Grenze gesetzt: Zeichnungen, Fotos und Fotobearbeitungen sind erlaubt und erwünscht. Ein Account ist leicht gemacht, und schon kann man die Menschheit mit seinen Ideen beglücken. (Hanna Allahyari, Federica Caira, Beate Steurer, Luca Weigl, DER STANDARD, 16./17.5.2012)

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