Weiter Ausverkauf an den Börsen

16. Mai 2012, 11:56
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Zahlungsausfall und Austritt aus der Eurozone: Die Unsicherheit um Griechenland lastet immer schwerer auf den Aktienmärkten

Europas Börsen knüpfen heute an ihre schwache Vortagestendenz an. Nachdem die Regierungsbildung in Griechenland gescheitert ist, drückt die zunehmende Sorge über die weitere Entwicklung der Region und der Europäischen Union weiter auf die Kurse.

Die Frankfurter Aktienbörse tendierte am Mittwoch mit schwächeren Kursen. Die Unsicherheit um den Kurs Europas in der Schuldenkrise hat den deutschen Aktienmarkt auch am Mittwoch im Griff. Der DAX gab nach Vortagesverlusten weiter nach, die Wiener Börse schließt sich dem Abwärtstrend an (siehe unsere Marktberichte). Bereits am gestrigen Dienstag haben die Sorgen um Griechenland den ATX um nahezu drei Prozent abrutschen lassen.

Kupfer und Gold auf Vier-Monatstief

Auch der EuroStoxx 50 kann am Mittwoch nicht zulegen, nachdem der Leitindex der Eurozone am Vorabend erstmals seit Ende November wieder unter der Marke von 2.200 Punkten geschlossen hatte.

Die Verunsicherung über die weitere Entwicklung der europäischen Schuldenkrise hat auch den Edel- und Industriemetallen am Mittwoch zugesetzt. Der Gold-Preis fiel um 0,8 Prozent auf 1.532 Dollar (1.193 Euro) je Feinunze. Kupfer verbilligte sich um ein Prozent auf 7.684 Dollar je Tonne. Damit waren beide jeweils so billig wie zuletzt im Jänner. "Alle drängen in den US-Dollar, und ein starker Dollar ist schlecht für Gold", sagte Rohstoff-Experte Ronald Leung von Cheong Gold Dealers.

Ölpreise geben weiter nach

Auch die Ölpreise haben zur Wochenmitte abermals stark nachgegeben. Während US-Rohöl zurzeit so wenig wie seit etwa einem halben Jahr nicht mehr kostet, rangiert die Nordseesorte Brent in der Nähe eines Drei-Monats-Tiefs.

Die anhaltende Schwäche des Euro, der um die Marke von 1,27 US-Dollar und damit ebenfalls auf Jänner-Niveau grundelte, zeugt von der Unsicherheit um Griechenland: "Das Horrorszenario mit dem wenig wohlklingenden Namen "Grexit" - ein griechischer Zahlungsausfall und Austritt aus der Eurozone - macht die Runde", so Devisenexpertin Carolin Hecht von der Commerzbank. In diesem Szenario würde das linksradikale Bündnis Syriza die Wahl gewinnen, die neue Regierungskoalition dem europäischen Spardiktat entsagen und die Troika den Geldhahn abdrehen.

Grexit ist denkbar

"Die schlechte Nachricht ist, dass dies ein durchaus denkbares Szenario ist", so Hecht. "Die gute ist, dass jeder Komponente dieser Wirkungskette noch Alternativen gegenüberstehen, die diesen vermeintlichen Teufelskreis unterbrechen könnten." Für den Euro verheiße die massive Verunsicherung jedoch zunächst nichts Gutes.

Bereits am Vortag hatte die Nachricht notwendiger Neuwahlen in Griechenland die Kursbarometer auf den tiefsten Stand seit Ende Jänner gedrückt.

Zinsaufschläge steigen

Für Spanien und Italien hat sich die Lage am Anleihemarkt erneut drastisch verschlechtert. Die Rendite für Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren kletterte am Mittwoch auf 6,508 bzw. 5,952 Prozent. Dagegen gab es für die deutsche Marktlokomotive mit nur 1,445 Prozent einen neuen absoluten Tiefstwert. Auch finnische (1,789) und niederländische (1,970) Renditen sanken. Österreichs Zinsen gingen leicht auf 2,569 Prozent nach oben, wobei dies immer noch einer der niedrigsten Werte ist. (Reuters/red, derStandard.at, 16.5.2012)

  • An den Märkten geht es wieder rund.
    foto: epa/hoppe

    An den Märkten geht es wieder rund.

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