Griechen holen ihr Geld von der Bank

16. Mai 2012, 13:05
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Am Montag wurden 700 Millionen Euro von den Banken des Landes abgehoben. Die Europäische Zentralbank sichert liquide Mittel zu

Athen - Die zerfahrene politische Lage in Griechenland stürzt die Griechen nach den Worten von Präsident Karolos Papoulias in tiefe Unruhe: Am Montag seien 700 Millionen Euro von den Banken des Landes abgehoben worden, berichtete Papoulias am Dienstag unter Berufung auf Notenbankchef Georgios Provopoulos. Dieser habe ihm erklärt, dass die Lage der Banken "sehr schwierig" und das Banksystem "derzeit sehr schwach" sei.

Provopoulos habe ihn gewarnt, dass sich die Lage in den nächsten Tagen noch verschärfen werde. Derzeit gebe es zwar noch keine Panik, "doch es bestehen viele Ängste, die in Panik umschlagen könnten", sagte Papoulias. Die gescheiterten Versuche zur Regierungsbildung hatten Sorgen über die Zukunft Griechenlands in der Eurozone ausgelöst. Im Juni soll es Neuwahlen geben.

Anleger nach Neuwahl-Ankündigung geschockt

Die Finanzwelt reagierte geschockt, an den Märkten setzte nach der Ankündigung von Neuwahlen eine Verkaufswelle ein. Der deutsche Leitindex DAX stürzte um 1,4 Prozent, sein österreichisches Pendant ATX um zwei Prozent ab. Am Mittwoch ging diese Talfahrt weiter (siehe Bericht). Der Kurs des Euro rutschte kräftig auf 1,27 Dollar, den tiefsten Stand seit vielen Monaten.

"Die unmittelbaren Kosten eines Euro-Austritts wären für Griechenland zwar enorm, aber beherrschbar", sagte Finanzmarkt-Expertin Michala Marcussen von der Societe Generale am Mittwoch. "Unsere Sorge gilt den Ansteckungseffekten. Eine schnelle und kraftvolle Reaktion wäre nötig. Dies ist eine Frage des politischen Willens."

Der Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), Thomas Mirow, warnte hingegen vor den Konsequenzen eines Euro-Austritts Griechenlands. Für Griechenland selbst wäre die Rückkehr zur Drachme eine "unerhört schwierige, eine dramatische Situation", sagte Mirow.

Bankeinlagen um ein Drittel gesunken

Die Griechen ziehen seit Monaten kontinuierlich Geld aus den Kreditinstituten ab. Nach Notenbank-Daten summierten sich die Bankeinlagen von Firmen und Verbrauchern Ende März auf 165 Milliarden Euro. Das sind 72 Milliarden Euro weniger als im Jänner 2010.

Ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) stellte den griechischen Banken weiter Unterstützung in Aussicht. Er widersprach damit einem Bericht der niederländischen Zeitung "Het Financieele Dagblad". Darin hieß es, die EZB sei zu der Überzeugung gekommen, dass die Institute in einem zu schlechten Zustand seien, um weiterhin Geld aus Frankfurt zu bekommen. (APA, 16.5.2012)

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    foto: epa/pantzartzi simela
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