Regierung Monti attackiert Ratingagenturen

16. Mai 2012, 09:38
7 Postings

Die Finanzkrise hätten sie verschlafen, jetzt kritisierten sie ohne Maß, so Industrieminister Passera

Rom - In Italien wächst der Protest gegen die internationalen Ratingagenturen. Nachdem Moody's wegen der schlechten wirtschaftlichen Verfassung des Landes auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von insgesamt 26 italienischen Banken heruntergestuft hat, gehen Politik und Wirtschaft auf die Barrikaden. Italiens Industrieminister Corrado Passera beschuldigte die Ratingagenturen, die Krise noch mehr zu verschärfen. Sie hätten in den Jahren 2007 und 2008 zu spät Alarm wegen der Finanzkrise geschlagen. "Jetzt übertreiben sie. Sie verschärfen die Krise mit einem Verhalten, das die negative Situation noch mehr verschlechtert", kommentierte Passera in einem Interview mit dem italienischen Sender RAI 1 am Mittwoch.

Euro verkrafte Griechenland-Austritt

Passera meinte, dass der Euro auch ohne Griechenland überleben könne. "Das steht meiner Ansicht nach fest", meinte der Minister. Er kritisierte Brüssel wegen des Verhaltens in der Griechenland-Krise. "In Europa fehlt eine wahre Führungslinie. Vor allem was Förderung des Wirtschaftswachstums betrifft, ist Europa stark verspätet", kritisierte der italienische Minister.

Krimineller Plan?

In der italienischen Politik wächst zunehmend der Protest gegen die Ratingagenturen. Der Chef der christdemokratischen UDC, Pier Ferdinando Casini, sprach von einem "kriminellen Plan der Ratingagenturen gegen Italien und Europa". Auch die Mitte-rechts-Partei "Volk der Freiheit" (PdL) um Ex-Premier Silvio Berlusconi ist empört. "Italiens Kartellbehörde soll wegen spekulativer Angriffe auf Italien eine Untersuchung gegen die Ratingagenturen in die Wege leiten. In diesem geopolitischen Krieg darf Italien nicht untergehen", sagte das PdL-Mitglied der Finanzkommission der Abgeordnetenkammer Laura Ravetto. Brüssel müsse sich so rasch wie möglich für die Gründung einer unabhängigen europäischen Ratingagentur engagieren.

Auch die Bankenvereinigung ABI ist empört. Der Verband aus Italiens größten Geldhäusern plant auf internationaler Ebene Protestaktionen und rechtliche Schritte gegen die neue Herabstufung, die als "Angriff gegen Italien, seine Unternehmen, seine Familien und seine Bürger" bezeichnet wurde. "Die Ratingagenturen bestätigen sich wieder einmal als destabilisierender Faktor der Märkte mit widersprüchlichen und voreingenommenen Urteilen", so die Bankenvereinigung. ABI appellierte an Brüssel und die Europäische Zentralbank (EZB), damit eine strenge Kontrolle der Ratingagenturen gesichert werde. Das Exekutivkomitee der Vereinigung plant heute (Mittwoch) ein Treffen in Mailand, bei dem Maßnahmen zum Schutz der "legitimen Interessen der italienischen Wirtschaft" ergriffen werden sollen.

Unternehmer kritisieren

"Italiens Bankensystem ist mit der Begründung herabgestuft worden, der Sparkurs der Regierung Monti belaste die Konjunktur. Dabei arbeitet Italien hart zur Bewältigung der Krise. Die italienischen Banken sind solide", versicherte der Präsident des römischen Geldhauses BNL, Luigi Abete. Auch die Unternehmer kritisieren die Bankenherabstufung. "Urteile über die Lage der italienischen Banken sollten mit größerer Aufmerksamkeit gefällt werden. Die ständigen Angriffe gegen Italien sind äußerst besorgniserregend", kommentierte die Chefin des Industriellenverbands Confindustria, Emma Marcegaglia. (APA, 16.5.2012)

Share if you care.