Showdown in Griechenland

16. Mai 2012, 08:10
19 Postings

Bei der Frage des Euro-Austritts stoßen Politik und Ökonomie aufeinander – und die Ökonomie wird siegen

Wird Griechenland aus der Eurozone austreten? Das kann nicht sein: Die Griechen sind dagegen, die europäischen Spitzenpolitiker ebenso, ein solcher Schritt würde den gesamten Euro gefährden und die Verträge lassen es nicht zu.

Kann Griechenland in der Eurozone bleiben? Das wird nicht gehen: Ein Land, das mehr konsumiert als produziert und nicht mehr kreditwürdig ist, hat nur die Wahl zwischen einem radikalen Sparkurs oder einer Abwertung. Wenn die Bürger den Sparkurs nicht ertragen, dann muss ein fester Wechselkurs auseinanderbrechen.

Beim Schicksal Griechenlands treffen zwei Sozialwissenschaften aufeinander, die hier einer völlig anderen Logik folgen: die Politikwissenschaft und die Nationalökonomie. Das erklärt, warum führende Ökonomen von links bis rechts – von Paul Krugman bis Hans-Werner Sinn – schon seit Monaten für einen Euro-Austritt Griechenlands plädieren, während Politiker und Politikexperten dies aus guten Gründen für ausgeschlossen halten.

Diese unterschiedlichen Perspektiven prägen auch das Pro und Kontra im Standard von meinem Brüsseler Kollegen Thomas Mayer und mir.

Wer sagen will, wie es mit Griechenland weitergeht, muss daher diese Frage beantworten: Was ist stärker, politischer Wille oder wirtschaftliche Kräfte? Oder anders gefragt: Kann die Politik die Gesetze des Marktes außer Kraft setzen?

Meine Antwort lautet: Ja, aber nur wenn sie sich des Ausmaßes dieser Herausforderung voll bewusst ist. Die gesamte soziale Marktwirtschaft mit ihren Regulierungen und Staatseingriffen beruht darauf, dass die Politik die Ergebnisse des Marktes nicht einfach hinnimmt, sondern beeinflusst.

Das geht in den westlichen Industriestaaten meist ganz gut, weil die Eingriffe moderat und überlegt sind. In der kommunistischen Planwirtschaft aber musste die Politik versagen: Wer den Preismechanismus einfach ignoriert, der schafft so massive Ineffizienzen, das am Ende das ganze System zusammenbricht.

Nun wirken die ökonomischen Kräfte in einem Währungssystem besonders stark. Ein falscher Wechselkurs führt in einer Volkswirtschaft zu ähnlich starken Verzerrungen wie die Planwirtschaft.

Menschen halten sich für reicher als sie sind, sie konsumieren mehr und verschulden sich, und können es dann nicht glauben, wenn sich plötzlich alles als Illusion erweist. Und da die Geldflüsse, an die man sich gewöhnt hat, von einem Tag zum anderen versiegen, bricht die Finanzkrise wie ein Tsunami über ein Land.

Da helfen nur massive Schutzbauten und drastische Anpassungen. Im Falle Griechenlands müssten die aus einer Bereitschaft der Eurozone bestehen, dem Land in einer Staatsinsolvenz praktisch alle Schulden zu erlassen.

Gleichzeitig müssten die Griechen durch Lohnkürzungen und jahrelange Deflation ihre Arbeitskosten so weit reduzieren, dass sie wieder wettbewerbsfähig werden – und gleichzeitig den aufgeblähten Staatapparat massiv abbauen. Was eine Abwertung der Währung automatisch machen würde, müssen Politik und Gesellschaft mühsam nachvollziehen.  

Wenn beides geschieht, kann Griechenland im Euro bleiben. Doch alles deutet darauf hin, dass weder Griechen noch Rest-Europäer – und hier vor allem die Deutschen – zu diesen radikalen Schritten bereit sind.

Deshalb bin ich überzeugt: Die unbarmherzigen Gesetze der Volkswirtschaft werden über die halbherzige Politik siegen. Griechenlands Tage im Euro sind gezählt.

Share if you care.