Handkes szenisches Lob der Johannisbeere

15. Mai 2012, 23:25
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Im Wiener Akademietheater feierte Peter Handkes "Die schönen Tage von Aranjuez" Premiere

Wien - Der Sommerdialog eines mysteriösen Paares bildet den reichlich zerflatternden Inhalt von Peter Handkes neuem Theaterstück "Die schönen Tage von Aranjuez". Der Mann (ingeniös: Jens Harzer) giert nach den erotischen Bekenntnissen seiner blonden Partnerin (Dörte Lyssewski); er belauert sie, umgarnt sie und macht ihr als kurioser Existenzclown den Hof. Die Frau aber beklagt das lebenslange Scheitern des Projektes Liebe.

Im Wiener Akademietheater, wo Luc Bondy die Uraufführung für die Wiener Festwochen inszeniert hat, wird freilich nie recht klar, ob sich hier zwei Schiller-Schauspieler nur müßig die Zeit vertreiben, oder ob Amina Handkes Bühne Mann und Frau, gestrandet am Ende aller Zeiten und Aufführungen, mit Tonnen von Bedeutung belädt. Hunderterlei Details ergeben nichts rechtes Ganzes. Der Applaus für viel szenische Delikatesse und skurrile Spiellust blieb seltsam matt und unfroh. Von Harzer würde man selbst Telefonbücher liebend gerne vorgetragen bekommen. Handkes szenisches Gedicht auf die (u. a.) Vorzüge der spanischen Johannisbeere hinterließ vorderhand viel Ratlosigkeit. Kein ganz großer Abend. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 16./17.5.2012)

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