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Der Beginn des Tages gehörte noch Nicolas Sarkozy: Einige seiner Anhänger empfingen die prominenten Gäste der Amtsübergabe vor dem Élysée-Palast mit Buhrufen und gellenden Pfiffen. Im Präsidentenpalast weihte dann der abgewählte konservative Noch-Staatschef seinen sozialistischen Nachfolger eine halbe Stunde lang in die vertraulichsten Dossiers ein und übergab ihm die Abschusscodes für die französischen Atomwaffen. Danach verabschiedeten François Hollande und seine Lebensgefährtin Valérie Trierweiler das Paar Nicolas Sarkozy und Carla Bruni-Sarkozy höflich mit kurzem Händedruck und Wangenküsschen - der letzte Society-Moment einer Amtszeit im Zeichen von schillerndem "Bling-Bling".
Dann war Hollandes Stunde gekommen. Nach der feierlichen Einsetzung ins Amt durch den Verfassungshofpräsidenten Jean-Louis Debré bekam der 57-jährige Wahlsieger das goldene Halsband des "Grand Maître" der Ehrenlegion überreicht.
"Politik der Einfachheit"
In einer kurzen Ansprache erklärte der neue Präsident, dass er das Land " auf gerechte Weise aufrichten" und in Europa "einen neuen Weg eröffnen" wolle. Nach dieser knappen, aber deutlichen Absage an eine konservative Sparpolitik hob sich Hollande auch vom Stil seines extravaganten Vorgängers ab: Frankreich brauche eine Politik der "Beruhigung, der Einfachheit und Nüchternheit", meinte der frischgekürte Präsident und gelobte, er wolle nicht als Alleinherrscher regieren, sondern das Parlament einbeziehen und die Unabhängigkeit der Justiz respektieren.
Sarkozy, der den Élysée-Palast in einer Limousine verlassen hatte, durfte sich betroffen fühlen, falls er die Ansprache am Autoradio mitverfolgt haben sollte - und auch getroffen, als Hollande seine sechs Amtsvorgänger der Fünften Republik würdigte: Charles de Gaulle erwähnte er für seine "politische Größe", Georges Pompidou für dessen Industriepolitik, Valéry Giscard d'Estaing für die "Modernisierung Frankreichs", François Mitterrand für den "sozialen Fortschritt" und schließlich Jacques Chirac für die "Werte der Republik". Und Nicolas Sarkozy? Er erhielt für seine fünfjährige Amtszeit von Hollande kein einziges Attribut - bloß "Glückwünsche für sein neues Leben". Das war mehr als ein Seitenhieb - das war der ultimative Schlussstrich unter die bewegte Sarkozy-Ära.
Der vormalige Präsident konnte sein Autoradio nun wirklich abschalten, denn jetzt folgte das wortlose Ritual der monarchischen Republik: 21 Böllerschüsse verkündeten der Nation den Amtsantritt des neuen Präsidenten. Dieser bestieg einen brandneuen Citroën mit Schiebedach und grüßte winkend seine Landsleute entlang der Champs-Élysées.
Wolkenbruch und Händeschütteln
In diesem Moment verwandelte sich der Nieselregen in einen Wolkenbruch. Der binnen Sekunden klatschnasse Präsident musste lächelnd und winkend ausharren, bis seine vergleichsweise bescheiden motorisierte Mittelklasse-Limousine mit Hybridantrieb den Triumphbogen erreicht hatte. Vor triefenden Offizieren und Pferden der Republikanergarde legte der Präsident einen Kranz beim Ehrenmal des Unbekannten Soldaten nieder, um dann unbeeindruckt vom Regen den Zaungästen die Hände zu schütteln.
Im Verlauf des Tages mischte sich dann die Politik in das Protokoll: Zuerst aß Hollande mit den früheren Premierministern Pierre Mauroy, Laurent Fabius, Edith Cresson und Lionel Jospin sowie anderen Sozialisten zu Mittag. Als Auftakt zur Regierungsbildung ernannte er wie erwartet dann den Sozialisten Jean-Marc Ayrault zum neuen Premierminister.
Am späteren Nachmittag flog Hollande schließlich nach Berlin zu seinem ersten Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, wo auch die Zukunft Griechenlands auf der Agenda stand. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 16./17.5.2012)
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schön zu sehen, dass offen machtgeile Politiker nicht mehr mehrheitsfähig sind ... Sarkosy in Frankreich, Berlusconi in Italien oder auch Schüssel bei uns.
Vielleicht doch ein erster Schritt in Richtung einer qualitativ etwas besseren Politik.
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