Scharfe Sache - Simon Xie Hongs Kochbuch

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  • Florian Holzer, "Vienna Chinatown. Die neue China-Küche von Simon Xie Hong", Pichler 2012, 208 S., € 24,99
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    Florian Holzer, "Vienna Chinatown. Die neue China-Küche von Simon Xie Hong", Pichler 2012, 208 S., € 24,99

Simon Xie Hong vom Wiener Restaurant On gilt als ganz Spezieller unter den chinesischen Köchen des Landes - Jetzt hat er ein Kochbuch herausgebracht

Simon Xie Hong betreibt mit On und China Bar zwei Restaurants, die köstliches Essen und angenehmen Service auf eine - gerade in chinesischen Restaurants - seltene Weise vereinen. Und er hat eine nächtliche Kochsendung namens Silent Cooking auf ORF 1, in der er still und leise (wie es seine Art ist) zeigt, wie unkompliziert sich die Kunst des Kochens auf chinesische Art zelebrieren lässt. Weil Simon trotz seiner zurückhaltenden Wesensart viel zu erzählen hat, gibt es jetzt, endlich, ein Kochbuch, das er mit dem Restaurantkritiker Florian Holzer und dem Fotografen Philipp Horak gestaltet hat.

Die vielleicht wichtigste Seite findet sich ganz am Anfang und listet unter "Kochen wie Simon" eine Art Gebrauchsanleitung für das Buch auf, aber auch für die chinesische Küche im Allgemeinen. Da steht zum Beispiel drin, dass in China stets mehrere Gerichte gleichzeitig serviert und verspeist werden, weshalb sie sich für die hierorts übliche Idee vom Auswärtsessen eher nicht so eignen: Wer nur eine Vorspeise und ein Hauptgericht isst, wird nach chinesischer Art kaum glücklich. Viel besser: vieles gleichzeitig bestellen (oder auf den Tisch bringen) und mit den Mitessern teilen.

Kosten und Probieren

Oder der Hinweis, dass man keine exakten Mengenangaben erwarten dürfe, weil man sich dem Kochen besser intuitiv nähere und dem eigenen Gefühl vertrauen solle. Und natürlich dem Gaumen: Beständiges Kosten und Probieren, so Simon, seien fürs Gelingen unerlässlich.

Spannend ist auch der Teil, in dem der Koch schildert, wie er überhaupt nach Österreich gekommen ist, wie sich seine Vergangenheit als chinesischer Arzt auf die Küche auswirkt und er von seinem Großvater, der "aus nichts stets wunderbare Sachen" zuzubereiten wusste, gelernt hat, worauf es beim Würzen und Garen ankommt: "Nicht nur mit der Hand, sondern auch mit dem Kopf und mit dem Herzen kochen."

Richtig harte, böse Küche

Dass die Gerichte in den Bildern des Buches stets um einiges weniger appetitanregend aussehen, als sie in Simons Restaurant auf den Tisch kommen, ist wohl der Absicht des Ko-Autors zu verdanken, bloß keine "anbiedernden, lieblichen Gerichte mit viel Kokosmilch und Ananas" zu verewigen, sondern "richtig harte, böse Küche" - und das schlägt sich eben auch in den betont harten Bildern nieder, die sich dem Essen auf durchaus boshafte Art nähern.

Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen: Wer angesichts der Food-Fotos zweifelt, ob er den Rezepten wirklich folgen will, kann ja vorab in einem von Simons Restaurants einkehren. Spätestens da wird nämlich offenbar, was für herzerwärmend wunderbare Sachen man sich auch im Buch erwarten darf. (corti, Rondo, DER STANDARD, 18.5.2012)

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22 Postings
Der Schreiber und Fotograf

sollten die Kunst des Kochs möglichst gut zur Geltung bringen und dem Leser das Nachkochen erleichtern.
Aber soviel Bescheidenheit ist heute nicht mehr in.

Wahrscheinlich sind die meisten modernen Kochbücher auch keine Kochbücher. Es wird immer weniger gekocht. Dafür gibt es immer mehr Kochbücher.
Wenn man wirklich kochen will, muss man zu alten Klassiker wie z.B.
http://www.amazon.de/Kochbuch-... 157&sr=1-1
greifen.

oder f.m. bruck vom essen auf dem lande.
wobei ich nix gegen das buch hongss sagen möchte, weilm ich es nicht kenne.
wie der bei silent cooking mit der riesenspachtel völlig unökonomisch geschnipselt hat, brachte mich allerdings fast zur verzweiflung, allein beim zuschauen :-)

vor allem das wok-kapitel – ein genuss!

also gegen die grossen schwarzen stahlpfannen auf den ski und almhütten ist so ein wok ein lerchelsch...

So viel Zeit...

"richtig harte, böse Küche" - nicht vergessen, die Texte. Und viel Zeit muss der Holzer haben, neben seinen Tätigkeiten bei Kurier, Gault Millau, Falter... Quantität halt, nicht Qualität. Wenn ein Koch so kochen würde, dann ist es nicht einmal einen Raunzer wert. Da fragens den Hans Brenner vom blauen Horizont, der kennt sich aus, zumindest im Erschleichen von falschen Identitäten.

trotzdem/deshalb ist der falterführer eine sichere bank - man könnte wohl wetten abschliessen, wer findet ein lokal dass da nicht erwähnt ist.
vielleicht schafft es holzer ja die lücke die wagner bei den kochbüchern hinterlässt auszufüllen - ich wünsche es ihm - und uns.

a la carte hast du vergessen, und zagat.

bezahlte anzeige?

das da,am rechten bildschirmrand(win2day) ist eine bezahlte anzeige...das oben nennt man "buchbesprechung" bzw. "buchrezession"

rezension.
ein klassiker ...

obwohl ich Kochbücher eigentlich mag und regelmäßig kaufe,

aber nach der Lektüre von diesem Beitrag habe ich nicht wirklich Lust mir das Ding anzusehen.
Kein einziges Gericht beschrieben in dem Artikel, keine exakten Mengenangaben und "harte" Fotos im Buch ... das macht mir nicht wirklich Lust auf mehr.

dürfte eher ein "kochbuch für köche" sein...wenn es nicht gerade um teige,souffles und backwaren geht oder um molekularküche,sind exakte mengenangaben tatsächlich nicht so wichtig wenn man mal die grundbegriffe des handwerks versteht...

ehrlichgesagt halte ich mich sogar für einen geübten und leidenschaftlichen Hobbykoch und genau deswegen kann ich Ihnen auch nicht wirklich widersprechen; der Artikel beschreibt das Buch (neben den persönlichen Geschichten vielleicht) nur sehr belang- und emotionslos für mich und ich bin mir nicht sicher ob es am Artikel oder am Kochbuch selber liegt.
Danke "word8" für die Kostprobe!

werde es sicher mal durchblättern...aber an und für sich darf ich mir eh keine köchbücher mehr kaufen,hab keinen platz mehr dafür (oder halt mal gut und streng ausmisten...)

hier eine kostprobe

http://kulturundwein.beepworld.de/files/bch... 82gr_1.jpg

das rezept klingt interessant, das foto macht nicht recht appetit und die texte von herrn holzer - na,ja...

ich find die fotos super. die texte von herrn holzer - na ja ...

ätzend und angriffslustig wie eh und je :-)

Freue mich auf dieses Buch!

Lieber Herr Holzer, Sie haben vor vielen Jahren das 'Alte Sichuan' im Standard vorgestellt und mir und vielen Freunden damit neue kulinarische und kulturelle Welten (nicht nur chinesische, damals im Gemeindebau) eröffnet. Seither war ich oft dort und später im 'Zum Kaiserlichen Thron' bei der lieben Familie von Zhang Guozhu und Deng Caizhu zu Gast, in den letzten Jahren leider nicht mehr so oft, ich lebe im Ausland.

Langer Rede kurzer Sinn: ich freue mich auf Ihr Buch und auf einen Besuch im On, das ich noch nicht kenne. Und: ich hätte mir immer schon ein Kochbuch von Zhang und Deng gewünscht. Wie wär's?

Viele Grüsse!

die beiden hätten sicher sehr viel interessantes zu erzählen, sprechen – im gegensatz zu simon – aber halt nicht sehr gut deutsch. und genau das war es, was dieses buch einerseits möglich, andererseits so interessant für mich machte: ich hab unendlich viel über china, über mentalitäten, über die unterschiedlichen küchen gelernt. und darüber, dass man das mit der authentizität bloß nicht zu ernst nehmen soll – weil simon es mir erzählen konnte. aber jetzt ist auf jeden fall mal pause mit china-kochbuch. das nächste wird ein veganes. wenn ...

oh doch - bitte ein veganes!

wieso nicht - es schadet niemanden so zu essen, im Gegenteil! ;-) Und es schmeckt hervorragend! Also Herr Holzer, bitte nur zu!

vegan - bitte nicht!
authentizität: wie schaut es da mit japan aus - auch altersmilde eingekehrt?

Schade, vielleicht muss ich es also selber mal in Angriff nehmen, die Tochter spricht ja auch sehr gut Deutsch. Viel Erfolg mit Ihrem Buch und weiteren Projekten!

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