Politische Union der Golfstaaten muss warten

15. Mai 2012, 19:05
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Saudi-Arabien und Bahrain bleiben getrennt - Vereinigungspläne bedürften laut saudischen Außenminister weiterer Vorgespräche

Riad - Eher überraschend haben am Montag die sechs Golfkooperationsstaaten eine Erklärung über einen ersten Schritt ihres politischen Zusammenrückens verschoben: Es war erwartet worden, dass beim Treffen des GCC (Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, Vereinigte Arabische Emirate, Oman) in Riad eine "Union" zwischen Saudi-Arabien und Bahrain verkündet werde. Die gibt es de facto ja bereits: In Bahrain sind Mitte März 2011 saudi-arabische Truppen, vom sunnitischen Königshaus zu Hilfe gerufen, einmarschiert, um den Aufstand der schiitischen Mehrheitsbevölkerung in den Griff zu bekommen.

Der saudische Außenminister Saud al-Faisal sagte, die Vereinigungspläne bedürften weiterer Vorgespräche, alle GCC-Mitglieder müssten einverstanden sein, nicht nur zwei. Das heißt, im GCC gibt es Ängste vor einer saudischen wahhabitischen Dominanz, die auch Auswirkungen auf das relativ liberale Leben in einigen Golfstaaten haben könnte. Und die einzelnen Herrscherhäuser - besonders das hyperaktive in Katar - haben kein Interesse an ihrem Absinken in die Bedeutungslosigkeit.

In Bahrain hatte die schiitische Opposition ein Referendum über einen eventuellen Zusammenschluss gefordert. Der Schritt des GCC wäre - und wäre wohl auch so gemeint - eine Provokation des Iran, wo am Sonntag das Parlament die Unionspläne verurteilte. Im Iran werden vereinzelt revisionistische Töne zu Bahrain angeschlagen, das ja einmal zum persischen Reich gehörte. Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad seinerseits provozierte vor kurzem mit einem Besuch auf der Insel Abu Mussa, eine der drei vom Iran besetzten Inseln im Persischen Golf, die die Emirate beanspruchen. Im April wurde die Facebook-Seite von König Abdullah von Saudi-Arabien von hunderttausenden Zuschriften mit "Für immer Persischer Golf" von Iranern lahmgelegt. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 16.5.2012)

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    Die Vertreter der Golfstaaten haben eine gemeinsam Erklärung eher überraschend verschoben.

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