Das stinkt dem Apfelwickler

15. Mai 2012, 19:00
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Die Duftstoffe des Rainfarns sollen einen Obstschädling mit biologischen Mitteln vertreiben

"Schmetterlinge im Bauch" wünschen sich viele, möchte man meinen. Ist dieser Schmetterling ein Apfelwickler, trifft das selten zu. Dieser rund einen Zentimeter lange Nachtfalter legt seine Eier auf Blätter und Früchte von Obstbäumen. Die Larven arbeiten sich dann bis zum Kerngehäuse eines Apfels vor, fressen und verlassen die gute Stube wieder, um sich zu verpuppen. Die Wanderung hinterlässt zum einen unschöne Spuren, zum anderen ist sie unter Umständen noch gar nicht vollzogen, wenn die Äpfel geerntet werden. In der konventionellen Obstproduktion kommen daher vor allem synthetische Insektizide zum Einsatz. Soll heißen: Das sind zwar geprüfte Mittel zur Schädlingsbekämpfung, aber eben doch Substanzen, die weder Apfelwickler noch Mensch besonders schätzen.

Bei einem im Vorjahr abgeschlossenen Forschungsprojekt wurde nun eruiert, ob es nicht doch natürlichere Mittelchen gegen den Apfelwickler gibt. Das Institut für Wasser, Energie und Nachhaltigkeit an der Joanneum Research Forschungsgesellschaft hat sich dafür mit der Fakultät für Lebenswissenschaften an der Universität Wien zusammengetan. Finanziert wurde das Projekt im Rahmen des Programms "Fabrik der Zukunft" , mit dem das Infrastrukturministerium nachhaltige Technologien fördert.

Farne gegen Falter

Eine weitverbreitete heimische Pflanze, die der Apfelwickler sprichwörtlich nicht riechen kann, war dabei schnell ausgemacht. Das Extrakt des gelb blühenden Rainfarns sendet Duftstoffe aus, die den Nachtfalter nicht töten, aber ihn vertreiben. Per Definition spricht man deshalb wie bei einem Gelsenspray für die Haut von einem Repellent.

Aus einem Kilogramm getrockneter Pflanzen können rund zehn Gramm Rohextrakt gewonnen werden - die Ausbeute liegt also bei einem Prozent. Eine höhere Konzentration dieses Wirkstoffs zeigte im Feldversuch bessere Ergebnisse - das ist bei Pflanzenextrakten nicht zwangsläufig so. Bis zum Ende der Erntesaison hat die abschreckende Wirkung aber bereits wieder nachgelassen. Ob das an der Flüchtigkeit des Duftstoffes liegt, muss in weiterer Folge noch geklärt werden.

Susanne Wagner, die das Projekt an der Joanneum Research leitete, sieht darin keinen großen Nachteil: "Das Obst öfter zu behandeln oder die Dosierung zu erhöhen macht ja bei einem ökologischen Spritzmittel nichts aus." Denkbar wäre es zudem, diese Duftstoffe in Zukunft gar nicht aus der Rainfarnpflanze zu erzeugen, sondern sie zu synthetisieren. So ließen sich unter Umständen höhere Konzentrationen bei geringeren Kosten erreichen.

Die Zulassungsbedingungen für ein rein biologisches Repellent sind ähnlich langwierig wie jene für Insektizide. In weiteren Versuchen gilt es demnach noch einige Aspekte zu klären. So ist nicht auszuschließen, dass eben auch bei ökologischer Abwehr von Schädlingen Gewöhnungseffekte unter den Populationen auftreten. Überdies bedeutet der pflanzliche Ursprung eines "Hausmittelchens" nicht unbedingt, dass hohe Konzentrationen für alle Organismen unbedenklich sind. Als Mittel gegen Wurmerkrankungen beim Menschen wurde der Rainfarn jedenfalls früher eingesetzt. (Sascha Aumüller, DER STANDARD, 16.5.2012)

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    Auch Bio-Äpfel kommen nur selten ohne Schädlingsbekämpfung auf den Markt.

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