Handy, Ehering, Müll: Was auf Skipisten nach dem Winter liegt

16. Mai 2012, 13:51
119 Postings

Beim Saubermachen nach dem Ende der Saison finden Müllsammler nicht nur Skistöcke auf Lifttrassen und Pisten

Wien - Es ist weniger schlimm als nach einem Marathon oder Radrennen, weniger schlimm auch als nach irgend einem Open-Air-Konzert: Dennoch ist die Müllentsorgung am Ende der Skisaison ein jährlich wiederkehrendes Ritual, das von dem dazu abgestellten Personal Beweglichkeit und Schwindelfreiheit in oft schwierigem Gelände erfordert, Geduld und gute Kondition sowieso.

Während in der Stadt Räumfahrzeuge mit speziellen Spritz- und Saugvorrichtungen binnen kürzester Zeit alles von Straßen und Plätzen holen, was dort nichts zu suchen hat, ist das Zusammenräumen nach der Skisaison mehr oder weniger Handarbeit geblieben. Das, was der Aufräumtrupp nach einer langen Wintersaison so findet, ist auch nicht ohne.

"Es gibt fast nicht, was es nicht gibt"

"Es gibt fast nichts, was es nicht gibt", sagt Christian Daum von der Zillertal-Arena in Tirol. "Verpackungsmaterial sowieso, aber auch Prospekte, Plastikflaschen, Dosen bis hin zum Handy, das natürlich schon längst den Geist aufgegeben hat. Sogar ein Ehering wurde schon gefunden."

Wie im Zillertal sind es meist Mitarbeiter der lokalen Bergbahnen, die alle Pisten und Lifttrassen strukturiert zu Fuß abgehen, um das, was vom Winter übrig blieb, einzusammeln. Manchmal sind es auch Schulklassen, die mitwirken - etwa in Niederösterreich. In der Skischaukel Mönichkirchen wird die Flurreinigung durch Mitarbeiter der Liftgesellschaft mit Kindern der lokalen Volksschule gemacht. Fallweise macht auch der Alpenschutzverein mit - beispielsweise in Kaprun, das an den Nationalpark Hohe Tauern grenzt. Unabhängig davon entsorgt der Alpenschutzverein Jahr für Jahr Unmengen an Müll aus den Bergen.

Einsatz wirkt

Begonnen wird mit dem Frühjahrsputz mit Einsetzen der Schneeschmelze. Die Arbeit kann sich bis in den Sommer ziehen. Mitunter wird aber auch während des Winters schon gezielt Abfall von den Pisten geholt. Die Lienzer Bergbahnen in Osttirol etwa lassen Mitarbeiter während der Saison zwei- bis dreimal zum Saubermachen ausschwärmen.

"Im ersten Drittel sowie bei den Einstiegsstellen der Sessellifte liegt der meiste Müll. Da machen die Leute die Snacks auf und essen", weiß Margarita Ram-Wallensteiner von den dortigen Bergbahnen. Auf den Pisten selbst finde sich wenig Abfall. Früher seien Liftkarten unachtsam fallen gelassen worden. Mit den heutigen Chipkarten, für die Einsatz zu zahlen ist, passiere das nicht mehr.

Allerhand "Fundstücke"

In Hochsöll am Wilden Kaiser sind fünf Leute etwa drei Wochen lang mit Flurreinigung beschäftigt. Von Plastik über Brillen, Stöcke, verlorene Skier, Rodeln bis Zigarettenschachteln reichten die "Fundstücke", die beim Aufräumen von Parkplätzen, Tal- und Bergstationsbereichen sowie Lifttrassen zusammenkämen. "Direkt bei der Gondelstation haben wir eine Mülltrennung aufgestellt, sodass die Gäste den Müll gleich vor Ort trennen können", sagt Geschäftsführer Walter Eisenmann.

In der Region Ellmau/Going addiert sich die bei der Flurreinigung der Pisten anfallende Müllmenge auf durchschnittlich fünf bis sechs Kubikmeter. Die Pistenflächen werden dort alle vier bis fünf Jahre mit abgelagertem Kuhmist gedüngt. Dieselbe Methode wendet man in Ischgl an, Gülle- und Jauchedüngung sind auf den von Abfall befreiten Wiesen tabu.

Oft wird die notwendige Müllsammlung auch mit anderen Arbeiten kombiniert. In Leogang im Salzburger Land etwa stellen dieselben Leute, die von verlorenen Taschentuchpackungen, leeren Flaschen bis zu diversen " Anhängseln" an Bäumen alles einsammeln, auch die vor Beginn der Wintersaison beseitigten Zäune wieder auf. (Günther Strobl, DER STANDARD, 16.5.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jahr für Jahr das gleiche Ritual: Was der Winter an Abfall übrig ließ, wird eingesammelt und entsorgt, so dass sich die Wiesen wieder von ihrer schöneren Seite zeigen.

Share if you care.