Elektroschrott: "Keiner möchte den Müll vor seiner Türe"

Recycling von Metall- und Elektronikschrott spart Rohstoffe und reduziert Treibhausgase. Schredder belasten jedoch Mensch und Natur. In Vorarlberg und Bayern kämpfen Bürger gegen Emissionen.

Götzis - Wohin mit dem alten Auto? Auf den Schrottplatz. 91.000 Fahrzeuge landen dort in Österreich jährlich. Wohin mit alten Elektro- und Elektronikgeräten? Zur Wertstoffsammelstelle. Mehr als neun Kilo Elektro- und Elektronikmüll produzieren Herr und Frau Österreicher pro Jahr. Recyclingunternehmen sammeln dann den Abfall auf, machen daraus wertvolle Altstoffe.

Recycling spart Rohstoffe und vermindert Treibhausgase. Eine Studie des Umweltbundesamts beziffert die Reduktion der Klimaschädiger: 97 Prozent beim Einsatz von Altaluminium im Vergleich zur Primärproduktion, bei Rohstahl und Kupfer 85 Prozent.

Wiederverwerten müsse man dort, wo der Abfall anfällt, sagt der Vorarlberger Recyclingunternehmer Michael Loacker, "nicht irgendwo in Afrika". In Europa werde Recycling aber zunehmend schwieriger, "denn keiner möchte den Müll vor seiner Türe". Loacker, der mit seinem Familienunternehmen 40 Standorte in Europa betreibt, sieht seinen Tatendrang eingebremst - und zwar durch Bürgerinitiativen.

Teilschließung der Kabel- und Elektronikmüllaufbereitung

Im fränkischen Wonfurt haben Bürgerinnen und Bürger die Teilschließung seiner Kabel- und Elektronikmüllaufbereitung erreicht. Kabel und Kleingeräte werden aus allen anderen Europastandorten der Firma zur deutschen Spezialanlage transportiert und dort sortiert, geschreddert, zu Altmetall verarbeitet. Dabei entsteht Staub, das leugnet Loacker nicht. Dass dieser Staub gesundheitsschädigende polychlorierte Biphenyle (PCB) enthält, wie die örtliche Bürgerinitiative kritisiert und Messungen der Behörde ergaben, führt Loacker auf Brände in der Anlage zurück. Vorwürfe der Bürger, sein Betrieb schädige die Gesundheit, hält Loacker für übertrieben. Bevor in Wonfurt wieder auf vollen Touren recycelt werden darf, führt die Landesbehörde langfristige Messungen auf PCB, Dioxine, Schwermetalle durch.

PCB gelten als krebserregend, stehen in Verdacht, das Erbgut zu schädigen. Die nur sehr langsam abbaubaren Umweltgifte kommen beispielsweise in Elektrokabeln vor oder in alten Kondensatoren. Ihr Einsatz ist mittlerweile verboten. PCB, die sich im Fettgewebe ablagern, nimmt der Mensch vor allem über tierische Lebensmittel auf. An beide Loacker-Standorte grenzen Landwirtschaftsgebiete.

Objektive Messungen

Unabhängige und transparente Messungen, auch auf PCB und Dioxine, verlangen auch die Anrainer des Loacker-Hauptsitzes in Götzis (Bezirk Feldkirch). Dort, unmittelbar neben dem Wohngebiet von Altach, werden vor allem Autos und Großgeräte geschreddert. Der Betrieb soll von 36 auf 50 Wochenstunden erweitert werden. Einsprüche der Anrainer verzögern den Ausbau.

"Schnellschüsse wird es sicher nicht geben", versichert Harald Dreher, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft im Amt der Landesregierung, die Betriebserweiterung werde sorgfältig geprüft. Loacker als Antragsteller müsse umfangreiche kostenintensive Messungen, auch Bodenproben auf Dioxinbelastung, vorlegen. Alle Messergebnisse würden von der Behörde gegengecheckt.

Nachrechnen bei Emissionsreduktion

Die auferlegte Mengenbeschränkung der Schredderanlage werde künftig durch einen plombierten Messstellenrechner am Schredder überprüft. Dreher: "Die Behörde möchte damit einen Beitrag zur Objektivität leisten." Der Effekt der von Loacker geplanten neuen Filteranlage, die 75 Prozent der flüchtigen Kohlenwasserstoffe zurückhalten soll, wird vom Land genau unter die Lupe genommen. Dreher: "Wir werden sehr genau nachrechnen, ob eine Emissionsreduktion trotz Kapazitätssteigerung möglich ist."

Den Vorwurf Loackers, die Bürgerinitiativen agierten nach dem Florianiprinzip, lassen diese nicht gelten. "Wir stehen zu Recycling, die Anlagen müssen aber sauber und transparent betrieben werden, heißt es in Wonfurt wie in Altach. (Jutta Berger, DER STANDARD, 16./17.5.2012)

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19 Postings

Alle die vor dem Unternehmen angesiedelt waren haben eine gewisse Berechtigung etwas zu sagen wenn EU-Umweltauflagen verletzt sind, alle die nach dem Unternehmen sich angesiedelt haben haben gewußt wo sich sich ansiedeln. Es wird (an)gesiedelt auf Bahnstrecken, Autobahnstrecken, Flugplätzen, roten Zonen und sonst welchen Grundstücken wo Umwidmungsprofitgierige Wiesenvorbesitzerspekulanten mit Bürgermeisterunterstützung virtuelles Geld von den Banken (leider legal) bekommen haben und die "armen" Zuzügler als Vollhafter herhalten können.

Wichtig ist, dass die EU keinen Schrott exportiert.
Auch die schlechteste EU-Anlage ist besser als Recycling in Afrika oder sonstwo.
Es gibt Vorschriften für Entsorgungsanlagen, diese müssen eingehalten werden, das Florianiprinzip der Bürgerinitiativen verbessert nichts.

um was genau gehts jetzt eigentlich?

daß ein gewerbe- bzw. industriebetrieb umweltauflagen einzuhalten hat?

no na net...

NIMBY Effekt.

Manche Bürgerinitiativen sind erschreckend kurzsichtig.
Hier wird ein grünes Unternehmen fahrlässig an seiner Arbeit gehindert.

Oder:
Verschifft den Dreck nach Afrika/Asien. Was dort passiert kriegen wir eh nicht mit.
Aus den Augen aus dem Sinn.

Grünes Unternehmen?

Wie kommen Sie darauf, daß die Fa. Loacker, die, wie Sie feststellen könnten wenn Sie den Artikel gelesen hätten, unerlaubte Emissionen beim Entsorgen von Altwaren erzeugt, ein grünes Unternehmen sei?

Ist das Ihre spezielle Interpretation von "grün"?

Na, selbst einer der Anwohner? Denn genau das stellt der Artikel eben nicht fest.

Soll tun was er sagt

Wenn Michael Loacker das tur was er sagt, ich zitiere jetzt: "Wiederverwerten müsse man dort, wo der Abfall anfällt", "nicht irgendwo in Afrika". Dan kann ich ihm nur zustimmen.
Wo fällt aber der Abfall an? Was ist damit gemeint?
Der Abfall fällt in den Unternehmen und Haushalten an. Dort wird er von Loacker sicher nicht wiederverwertet. Wenn damit Nähe gemeint ist fragt man sich wo ist Nähe? Bezieht sich Nähe auf Müll aus Vorarlberg? Damit habe ich kein Problem. Wenn aber der Vorarlberger Elektroschrott nach Wonfort transportiert wird kann das nicht als Nähe bezeichnet werden. Wenn jede Menge Müll aus der Schweiz geholt wird ist das auch nicht mehr Nähe.

Ich bin Altacher. Mich vor allem der Verkehr den Loacker verursacht.

Loacker hat einen eigenen Eisenbahnanschluss, und der wird auch verwendet. Die LKWs bringen den Müll von den vielen Erzeugern zur Anlage, das geht leider nicht anders. Müllsammelstellen haben keinen Bahnanschluss.

Irgendwie fällt mir immer wieder die Geschichte mit der Mauer ein. Die Anlage war zu laut, die Anrainer (in ihren neuen Häusern) haben sich darüber beschwert. Darum wurde vor vielen Jahren eine Lärmschutzmauer errichtet. Leider verläuft die Bahn genau neben der Mauer, der Schall der Züge wird reflektiert und auch das ist nicht recht.

Ich behaupte nicht dass es toll ist neben einem Schredder zu wohnen, aber irgendwo muss der nunmal stehen. Als das Unternehmen gegründet wurde war dort noch Niemandsland ohne Nachbarn.

Das erinnert mich sehr and die Pendler diskussion.

Irgendwohin ziehen weil billig und schoen und damit die Kinder im Garten spielen koennen.
Sich dann aber aufregen ueber den verkehr und Pendlerpauschale kassieren.

Das sind mir die liebsten.

Ich finde ja das diese Haeslbauerei eingedaemmt gehoert.

Was ich sagen möchte ist: Ich habe kein Problem wenn Loacker seinen Müll vorarlbergweit holt und verarbeitet. Soviel Lärm und Betrieb kann ich vertragen. Wenn aber das Zeug nur gesammelt wird und dann wie beispielsweise der Elektroschrott nach Wonfort Deutschland transportiert wird und jede Menge Müll aus der Schweiz und woher auch immer noch geholt wird ist das zuviel.
Der Standort wurde ca. 1974 eröffnet. Mein Haus wurde etwa 1964 gebaut also 10 Jahre vor Loacker. Das mit dem Niemandsland stimmt also nicht. Genauso wie ich mein Haus nicht laufend aufstocken darf ist es auch für Loacker nicht zulässig, beliebig zu vergrössern.

Wohin ..

..hättest den den Loacker denn dann gern?

Ostdeutschland, Afrika .. oder gleich ins Burgenland?

Tja, die feinen BürgerInneniniativen ...

... wehren sich gegen moderne Aufbereitungsanlagen in Europa - und weiterhin landet der Elektroschrott, den sie und wir alle prodzieren genau HIER:

http://andrewmcconnell.photoshelter.com/gallery/G... LuiBLHIsmM

Da "Isabocka"

Früher haben wir Götzner noch über den "Eisenstapler" geschmuntzelt, heute blicken wir eher Neidisch (und auch etwas stolz) auf ein Unternehmen das es wirklich zu etwas gebracht hat.

Ich lebe seit 40 Jahren in Götzis und natürlich gibt es schöneres als 20 Meter hohe Stapel von Altautos. Aber es ist eh an der Ortsgrenze zu Altach und die mögen wir nicht so...

Ich finde auch, dass sich der Isabocker immer sehr bemüht hat. Hohe Mauer und Hallen sorgen dafür das der Lärm erträglich ist, Geruch oder Dreck bemerke ich nicht.

Unbegreiflich sind für mich jene, die dort Ihr Haus hingebaut haben (obwohl schon lange davor das Unternehmen dort war) und jetzt jammern.

M.E. ein Vorzeigeunternehmem mit Verantwortungsbewusstsein!

Besser bekannt auch als NIMBY-Effekt(Not In My BackYard).Klar,jeder ist für saubere Umwelt und alternative Energiequellen.Aber wehe,man stellt so ein schiarches Windrad oder Recyclinganlage neben mein Haus.Da muss dann sofort die Bürgerwehr,äh,Bürgerinitiative ausrücken um gegen eine saubere Umwelt zu protestieren.Am besten mit völlig überzogenen Grenzwerten und Ängsten(Elektrosmog,Handystrahlung,Klabautermann)Die Mischung aus Wohlstandsverblödung und Technikfeindlichkeit greift immer mehr um sich.Dank Greenscheiß & Co.

Gleiches für Asylheime

Die meisten sind für die Errichtung von mehr und größeren Asylheimen. Aber wehe, es steht in der meiner Straße.

das alte Dilemma

Recycling Ja!!
Umweltschonende Energie, Wasserkraftwerk, Windkraft Ja!!
... aber bloß nicht vor meiner Haustür.

Bringt da einer wirklich die extrem wichtige Sparte

Recycling in verruf?? Kenn die Firma nicht und höre auch heute zum ersten mal darüber..aber gerade bei sowas sollte man doch 1, maximalie unterstützung des Landes bekommen und 2. maximalen Menschen und Umweltschutz gewährleisten..
sonst können wir es ja erst wieder eine Grube werfen und aus..

Wir stehen zu Recycling, die Anlagen müssen aber sauber und transparent betrieben werden."

.. und Kettensägen sind nur mit abgestumpften Sägeblatt zu liefern!

Manchmal sind die Bürge RINNEN schon lustig.

...

der analoge monitor kann 3d und das opt verhalten des scanners ist 3x so gut wie bei neuen all in ones... es ist aber geheim und in den techn daten spiegelt es sich nicht...

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