ÖVAG-Chefkür soll Flügel bekommen

15. Mai 2012, 18:03
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Die Vorstandssuche für die teilverstaatlichte Volksbanken AG könnte früher als erwartet enden, der Bankchef soll im Mai gekürt werden

Wien - Kaum ist nach Kapitalschnitt und Hauptversammlung wieder ein bisschen Ruhe in die teilnotverstaatlichte Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) eingezogen, ist sie auch schon wieder dahin. Seit Ende April ist die Republik ja mit 43 Prozent an dem Institut beteiligt, seit damals gibt es auch den neuen Aufsichtsrat. Einen neuen Vorstand hat selbiger aber noch nicht gekürt - und da beginnt es, wieder unruhig zu werden. Seit 1. Mai führt das langjährige ÖVAG-Vorstandsmitglied Michael Mendel die Bank interimistisch; der Vertrag seines Ex-Kollegen Gerald Wenzel ist Ende April ausgelaufen.

Nun gibt es Unstimmigkeiten über das Procedere der Vorstandskür, für die vorige Woche ein Personalberater beigezogen wurde. Einige Aufsichtsräte machen nun Tempo: Sie wollen die Kür beschleunigen.

Um die diversen Interessenlagen zu beschreiben, ist ein Blick auf die Entwicklungen der vorigen Wochen dienlich. Schon die Bestellung des Aufsichtsratsvorsitzenden lief nicht ganz rund: Ex-EZB-Bankerin Gertrude Tumpel-Gugerell (SPÖ) fiel aus (angeblich zog sie sich wegen der EZB-Sperrfristen zurück), daraufhin forcierte die SPÖ Ex-Bank-Austria-Manager Franz Zwickl als Präsidenten. Durchgesetzt hat sich aber das schwarze Finanzministerium mit Hans Jörg Schelling, Ex-ÖVP-Abgeordneter und Chef des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger.

Präsident mit Gegenstimmen

Gegen ihn stimmten zwei Aufsichtsratsmitglieder; auch aus Aufsichtskreisen ist zu hören, dass man mit einem Banker an der Spitze des Kontrollgremiums glücklicher wäre. Der Chef der AVZ-Holding Zwickl wurde Schellings Vize; man habe ihn aber überreden müssen, die Nummer zwei zu machen, wird kolportiert. Zweiter Stellvertreter ist der Volksbanker Rainer Kuhnle.

Der neue Aufsichtsrat ist übrigens von den Volksbanken dominiert. Sie stellen fünf Kontrollore, die Republik vier: neben Schelling noch Zwickl (er versteht sich mit Ex-Bank-Austria-Manager Mendel sehr gut), den Chef der Bundesfinanzierungssagentur Klaus Kumpfmüller und Generali-Bankerin Susanne Althaler.

Die nunmehrige Vorstandssuche - Schelling hat vorige Woche bekanntgegeben, dass die Personalberater von Korn/Ferry International eingeschaltet wurden - sorgt nun für weitere atmosphärische Spannungen. Vor allem in staatsnahe Aufsichtskreisen moniert man, dass die Bank jede Menge Handlungsbedarf habe und es gelte, "jeden Tag zu gewinnen, denn der nötige Reformeifer ist derzeit nicht vorhanden. Die Bank braucht dringend jemanden, der durchgreift und die Probleme angeht." Und, so ein Involvierter, "wochenlang warten kann man da nicht mehr."

Das Delikate daran: Diese Meinung soll sogar im Aufsichtsratspräsidium vorherrschen. Ende Mai findet, gemäß derzeitigem Terminplan, die nächste Aufsichtsratssitzung statt - möglicherweise wird der neue ÖVAG-Vorstandsvorsitzende aber schon vorher bestellt, wird in Bankkreisen kolportiert. Und: Man wolle Koren installieren. Die involvierten Protagonisten geben zu dem heiklen Thema keine Stellungnahme ab. (Renate Graber, DER STANDARD, 16./17.5.2012)

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    Im Aufsichtsrat der ÖVAG mehren sich die Stimmen, dass die Chefsuche möglichst rasch abgeschlossen werden soll. Der Neue könnte noch im Mai in der Vorstandsetage einchecken.

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