Nach der Firmung ins Bordell

15. Mai 2012, 18:56
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Steirische Polizei weiß von "weiblichen" Firmgeschenken

Graz - Wenn es um männliche Initiationsriten geht, kennt der steirische Brauch neuerdings auch recht schlüpfrige Varianten. Als Ergebnis einer Schwerpunktaktion der Polizei in Sachen Jugendschutzgesetz notierten zu Wochenbeginn erhebende Beamte, dass immer wieder steirische Kinder, die in diesen Tagen vom örtlichen Pfarrer das Sakrament der Firmung empfangen, für diesen kirchlichen Anlass höchst weltlich beschenkt werden: mit einem Bordellbesuch.

Anbieter von Sexualitätsworkshops

In der bischöflichen Kanzlei der Diözese Graz-Seckau wollte man die Kunde der ausschweifenden Firmkultur erst gar nicht glauben. Bischof Egon Kapellari ließ schließlich ausrichten, die katholische Kirche in der Steiermark sei "der größte Anbieter von Sexualitätsworkshops, wo unter dem Motto 'Zeit der Zärtlichkeit' Jugendliche einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrer sexuellen Kraft kennenlernen". Bordellbesuche generell und schon gar als Firmgeschenk entsprächen "weder dem christlichen Menschenbild, noch werden sie den Bedürfnissen von Jugendlichen gerecht".

Die leiblichen Firmgeschenke können für die Firmpaten strafrechtlich teuer werden, da Bordellbesuche erst ab dem Alter von 18 Jahren erlaubt sind, sagt Kontrollinspektor Franz Handler, der mit seinen Kollegen in den Bezirken Weiz und Hartberg nach den Razzien 162 Anzeigen gegen Jugendliche, Erziehungsberechtigte und Wirte erstattet hatte. Erwachsenen, die gegen Jugendschutzbestimmungen verstoßen, sagt Handler, drohe eine Geldstrafe bis zu 2500 Euro.

"Weibliches" Firmgeschenk vor hundert Jahren normal

Unaufgeregt reagiert Peter Jaron Zwi Scheer, Leiter der Psychosomatisch-Psychotherapeutischen Station an der Grazer Kinderklinik: "Die Geschichte wiederholt sich offenbar. Vor hundert Jahren war das normal. Eine große Beeinträchtigung der Jugendlichen ist sicher nicht zu erwarten."

Firmgeschenke - mit dem Sanktus der Kirche - stehen auf der Homepage firmung.at der Katholischen Jugend: Weihrauchschale, Patchworkdecke, Meditationsschnur, und unter "B" statt "Bordell" steht: die Bibel. (Walter Müller, DER STANDARD, 16.5.2012)

  • Wer für seinen Firmling ein weniger anzügliches Geschenk sucht, wirft am besten einen Blick auf diese Liste.

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