Quebecs Bildungsministerin wegen Studentenprotesten zurückgetreten

15. Mai 2012, 17:10
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Vertreter der Studierenden hatten Kompromissvorschlag abgelehnt

Montreal - Im Streit über eine Erhöhung der Studiengebühren hat Quebecs Bildungsministerin Line Beauchamp am Montag bei einem live im Fernsehen übertragenen Auftritt ihren Rücktritt verkündet. Sie habe das Vertrauen in die Bereitschaft der Studentenvertreter zur Lösung des Konflikts verloren, begründete die Ministerin der ostkanadischen Provinz den Schritt. Die Studenten hatten einen Kompromissvorschlag der Provinzregierung zurückgewiesen.

"Elektroschock"

"Ich hoffe, dass dies als Elektroschock wirkt", sagte die sichtlich bewegte Ministerin im Fernsehen. Sie trete nicht wegen der Einschüchterung, des Vandalismus und des zivilen Ungehorsams zurück, sondern weil sie glaube, dass sie nicht länger Teil der Lösung sei. Sie habe den Eindruck, dass die Vertreter der Studenten nicht zum Kompromiss bereit seien.

Streik seit drei Monaten

Seit mehr als drei Monaten befinden sich in der französischsprachigen Provinz rund 165.000 Studenten im Streik. Mit praktisch täglichen Protesten machen sie auf ihr Anliegen aufmerksam. Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden mehrere Studenten verletzt. Zwei von ihnen verloren ein Auge. Die Studentenvertreter reagierten kühl auf den Rücktritt. Das Problem sei nicht die Ministerin, sondern die Erhöhung der Studiengebühren, sagte ein Sprecher des Bündnisses CLASSE. (APA, 15.5.2012)

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