Labormedizin prophezeit Therapieerfolg

15. Mai 2012, 14:16
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Individuelle Behandlung bei chronischer Hepatitis C möglich - In Zukunft vielleicht ohne Interferon

Wien/Graz - Patienten mit chronischer Hepatitis C (HCV), die zu einem hohen Prozentsatz in die Leberzirrhose und das Leberversagen münden kann, profitieren davon: Die moderne Labormedizin ermöglicht eine genaue Prognose des Therapieerfolges und erlaubt - umgekehrt - eine maßgeschneiderte Behandlung.

In Zukunft könnte sogar das seit rund 15 Jahren dabei verwendete Interferon wegfallen, sagte am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien Peter Ferenci, Pionier der Hepatologie von der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien am AKH.

Kombinationstherapie

Der Hintergrund: In den kommenden Tagen läuft in Graz das Internationale Symposium für Molekulare Diagnostik. Dort werden modernste Laborverfahren der Medizin präsentiert und ihr Wert diskutiert. Augenscheinlich liegt dieser jedenfalls in der Hepatologie, speziell in Diagnose und Therapie der Hepatitis C, die wegen ihres sehr häufigen chronischen Verlaufs gefährlich ist.

Ferenci: "Hepatitis C ist aber die einzige (chronische, Anm.) humane Viruserkrankung, die geheilt werden kann. In Österreich können wir das bei 50 Prozent der Patienten." Dazu dient derzeit eine bis zu 72 Wochen lang durchgeführte Kombinationstherapie mit der Substanz Ribavirin und Interferon-alpha.

Der Heilungserfolg hängt strikt von der Schnelligkeit des Ansprechens auf die Therapie mit möglichst baldiger vollständiger Unterdrückung der Virusbelastung im Blut ab. Der Experte: "Bei den Menschen, die schon nach vier Wochen Virus-negativ sind, werden 91 Prozent geheilt."

Regelmäßige Laborkontrollen

Auf der anderen Seite ermöglichen die regelmäßigen Laborkontrollen bei Hepatitis C-Patienten unter der derzeitigen Standardtherapie eine individuelle Anpassung der Behandlung. Das ist für viele Betroffene segensreich, weil die Nebenwirkungen des Interferons sehr belastend sein können.

Ferenci: "Sind Patienten nach vier Wochen Virus-negativ und bleiben sie das, kann die Therapie nach 24 Wochen beendet werden." Zieht sich das Ansprechen auf die Behandlung länger dahin, wird 48 oder gar 72 Wochen lang behandelt. Die Therapie soll die Viren so stark zurückdrängen, dass das Immunsystem dazu in die Lage versetzt wird, die restlichen infizierten Zellen zu beseitigen.

2013 erste Interferon-freie Therapie möglich

Gerade in der Behandlung der chronischen Hepatitis C - weltweit sind rund 170 Millionen Menschen infiziert - könnte laut dem Wiener Experten aber ein Umbruch praktisch unmittelbar bevorstehen. Ferenci: "Wir könnten im Jahr 2013 die erste Interferon-freie Therapie haben, mit der wir binnen zwölf Wochen hundert Prozent der Patienten heilen können."

Kombinationstherapien aus HCV-Polymerase- und HCV-Protease-Hemmern bzw. eventuell sogar Monotherapien mit solchen Substanzen könnten hier eine Revolution auslösen. Weltweit sterben pro Jahr rund 250.000 Menschen an den Folgen der Hepatitis C. (APA, 15.5.2012)

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