Topmanager verdienen fünfmal so viel wie der Durchschnittsösterreicher

15. Mai 2012, 15:32
514 Postings

Gut 192.000 Euro verdienen die obersten Bosse pro Jahr - Gehälter der Manager auf Vorkrisenniveau

Die Gehälter österreichischer Manager sind im Vergleich zum Vorjahr auf dem gleichen Niveau geblieben. "Das bedeutet Stabilisierung oder Stagnation - je nachdem, wie man es sehen will", lautet das Resümee der Initiatoren der jährlichen Gehälterstudie des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF). Am Dienstag wurde sie in Wien präsentiert. Im Auftrag des WdF hat das Marktforschungsunternehmen Triconsult dafür 527 heimische Führungskräfte anonym befragt. Detail am Rande: Nur zehn Prozent der Befragten waren weiblich.

Anteil der variablen Gehaltsbestandteile

Das Jahreseinkommen der Manager aus der ersten Führungsebene (Geschäftsführer, geschäftsführende Gesellschafter) lag 2011 bei rund 192.000 Euro brutto. 47.000 Euro davon waren sogenannte variable Gehaltsbestandteile wie Boni. Damit verdienen die Chefs brutto grob fünfmal so viel wie der Vollzeit beschäftigte männliche Durchschnittsösterreicher (rund 38.000 Euro laut Statistik Austria 2010).

Die Vertreter der zweiten Führungsebene (Bereichsleiter) kamen auf ein Bruttojahresgehalt von rund 115.000 Euro - mit rund 19.000 Euro an Sonderzahlungen. Auf der dritten Führungsebene (Gruppenleiter) lagen die Werte bei rund 83.000 Euro - mit rund 10.000 Euro an Gratifikationen. "Die Jahreseinkommen stiegen zwar um drei Prozent an, was die Inflation aber wieder ausgeglichen hat", erklärte Karl Javurek, WdF-Bundesvorsitzender und Geschäftsführer der Gewista, die Stagnation der Einkommenssituation.

Für Javurek ist die Höhe der Einkommen durchaus gerechtfertigt: "Die persönliche Kostenverantwortung für das Budget und die Verantwortung über die Mitarbeiter objektiviert die Zahlen." So habe etwa ein Manager der ersten Führungsetage durchschnittlich 175 unterstellte Mitarbeiter und eine Budgetverantwortung über fast 50 Millionen Euro. Zum Vergleich: Auf der dritten Führungsebene sind es immer noch 13 Millionen Euro an Kostenverantwortung, wenn auch nur mehr zehn Mitarbeiter.

Langzeitvergleich

Der WdF beobachtet die Einkommen seit 30 Jahren. Insgesamt zeigt sich, dass auf der zweiten und dritten Führungsebene die Gehälter in den drei Jahrzehnten nahezu stagnierten, während sie in der ersten Chefetage leicht nach oben gingen. 2009 war die letzte markante Delle in der Kurve zu sehen: Die Krise verursachte damals Gehaltseinbrüche.

Die beliebtesten Dienstautos

84 Prozent der ersten Führungsebene fahren einen Dienstwagen, 68 Prozent der zweiten und nur mehr 27 Prozent der dritten Ebene. Je weiter oben in der Hierarchie, desto lieber werden Audi und BMW gefahren, je weiter unten, desto eher VW. "Interessant ist, dass weibliche Führungskräfte eine Präferenz für BMWs haben", so Marktforscher Felix Josef von Triconsult. Die Präferenz der Chefinnen für BMW sei doppelt so hoch wie bei den männlichen Bossen.

Bildung der Manager

Etwas mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte haben einen Universitätsabschluss, knapp 30 Prozent haben Matura. Auffällig ist, dass die Manager Weiterbildungsmuffel zu sein scheinen: Nur 29 Prozent haben eine Zusatzausbildung zu ihrem Ausbildungsschwerpunkt, der meist technisch oder wirtschaftlich ist. Allerdings ziehe die postgraduale Weiterbildung an, so Felix Josef, derzeit hätten zwölf Prozent einen MBA. (Marietta Türk, derStandard.at, 15.5.2012)

  • Die heimische Führungselite braucht sich derzeit nicht vor Gehaltseinbußen fürchten.

    Die heimische Führungselite braucht sich derzeit nicht vor Gehaltseinbußen fürchten.

Share if you care.