Erfolg bei erster wilder Bartgeierbrut seit 130 Jahren

15. Mai 2012, 13:49
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Geierpärchen "Hubertus 2" und "Ambo" versorgen zwei Monate alten Jungvogel - Population bald selbsterhaltend

Klagenfurt - In den östlichen Ausläufern der Hohen Tauern ist es in Kärnten zur ersten erfolgreichen Bartgeierbrut in freier Wildbahn seit 130 Jahren gekommen. Das Geierpärchen "Hubertus 2" und "Ambo" hat es nach zwei gescheiterten Brutversuchen in den vergangenen Jahren heuer offenbar geschafft: Am Nahrungsverbrauch erkennen die Experten, dass das Junge lebt. Gesichtet wurde der zwei Monate alte Babygeier bisher nicht. Das Gelände um den Horst sei äußerst schwer zugänglich, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz des Nationalparks Hohe Tauern.

1913 wurde der letzte Alpenbartgeier im Aostatal geschossen. Seit den 1980er Jahren wird die Wiederansiedlung des großen Aasfressers betrieben. Gezüchtete Jungvögel aus Zoos werden seit 1986 im Nationalpark Hohe Tauern ausgewildert. Auch in Frankreich, Italien und der Schweiz wurden Tiere freigelassen. Den ersten wilden Nachwuchs gab es 1997 in Frankreich, 2010 folgte der erste wild zur Welt gekommene Geier in Österreich. Er schlüpfte an der Nordseite der Tauern. Nun hat auch Kärnten wieder einen in Freiheit zur Welt gekommenen Bartgeier.

Erste Flugversuche Ende Juli

Die Eiablage erfolgte Ende Jänner, nach knapp zwei Monaten Brut schlüpfte der Jungvogel am 20. März. Michael Knollseisen, der die Brutpaare im Nationalpark überwacht, schätzt, dass der Vogel Ende Juli zu den ersten Flugversuchen aufbrechen wird. Wie der junge Geier heißen soll, steht noch genau so wenig fest, wie sein Geschlecht. Namensvorschläge können via E-Mail unter mailto:bartgeier@gmx.at gemacht werden. Sobald der Vogel flügge wird, will Knollseisen zum Horst hinauf steigen und einige Federn des Jungtiers mitnehmen. Eine Genanalyse soll Aufschluss über das Geschlecht geben, aber auch die weitere Überwachung des Vogels erleichtern. Das Anbringen eines Senders ist nicht geplant.

Bartgeier sind mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,85 Meter größer als Steinadler. Sie ernähren sich von "Fallwild", im Gebirge verunglückten Tieren - insbesondere von deren Knochen. Deshalb schlüpfen die Jungen auch im späten Winter. Durch das Ausapern der Kadaver ist im Frühjahr das Nahrungsangebot am reichhaltigsten. Junge Bartgeier legen meist weite Strecken zurück. Bis zu 700 Kilometer an einem Tag konnten schon nachgewiesen werden. Im Alter von vier bis fünf Jahren werden die Tiere sesshaft und gründen eine meist lebenslange Partnerschaft. Die Brutpflege übernehmen die Elterntiere gemeinsam.

Einstellung der Auswilderungen 2014 geplant

Mittlerweile hat sich die Bartgeier-Population in den Alpen soweit gefestigt, dass das Auswildern von gezüchteten Vögeln voraussichtlich 2014 eingestellt werden kann. 179 Tiere wurden insgesamt in den Alpen ausgesetzt. Am 23. Juni dieses Jahres findet im Großen Fleißtal (Bezirk Spittal) eine Freilassung statt. 2013 wird es noch eine Freilassung in Tirol geben, 2014 eine in Salzburg. Danach, glaubt Geierexperte Knollseisen, wird man die Auswilderungen einstellen können, weil sich die Population selbst erhalten kann.(APA, 15.5.2012)

  • Die Bartgeier in Kärnten haben es offenbar geschafft: In den östlichen Ausläufern der Hohen Tauern ist es zur ersten erfolgreichen Brut in freier Wildbahn seit 130 
Jahren gekommen.
    foto: m. knollseisen/nationalpark hohe tauern

    Die Bartgeier in Kärnten haben es offenbar geschafft: In den östlichen Ausläufern der Hohen Tauern ist es zur ersten erfolgreichen Brut in freier Wildbahn seit 130 Jahren gekommen.

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