Auer-Welsbach sagt als Zeuge aus

15. Mai 2012, 12:54
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Wien - Der wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs in Haft sitzende AvW-Gründer Wolfgang Auer-Welsbach hat erneut in einem Verfahren gegen die Wirtschaftsauskunftei Dun & Bradstreet (D&B) als Zeuge aussagen müssen. Diesmal allerdings nicht per Video, sondern im Gerichtssaal. Am Dienstagvormittag wurde er von seiner Gefängniszelle in Graz-Karlau zum Bezirksgericht Graz-West gebracht, sagte Anwalt Arno Likar zur APA. Er vertritt rund 400 AvW-Anleger, die mit den Genussscheinen des Kärntner Finanzkonglomerats Geld verloren haben und nun D&B für den Schaden haftbar machen wollen.

16 Sammelklagen und acht Einzelklagen hat Likar für seine Mandanten am Handelsgericht (HG) Wien eingebracht, zusammen machen sie an die 20 Mio. Euro Schaden geltend. D&B hatte die Bonität der AvW einst mit der Topnote "5A1" bewertet, und Auer-Welsbach hat jahrelang damit geworben. Jetzt werfen die Anleger der Auskunftei vor, dass dieses Rating falsch gewesen sei, was D&B in der Vergangenheit mehrfach bestritten hatte.

Am 13. März fand dazu am Wiener Handelsgericht bereits eine Verhandlung statt. Der Richter kündigte an, die Klage abzuweisen, da er kein Vertragsverhältnis zwischen der Finanzfirma AvW und D&B und auch darüber hinaus keine Anspruchsgrundlage erkennen konnte. Auer-Welsbach wurde damals per Video-Konferenzschaltung live zugeschaltet, er war dafür extra von Graz-Karlau nach Klagenfurt gebracht worden.

Vorbereitet auf Befragung

Im Gegensatz zum letzten Mal sei Auer-Welsbach heute auf die Befragung vorbereitet gewesen, da ihm die Unterlagen im Vorfeld übermittelt worden seien, sagte Anwalt Likar. Die Einvernahme in Graz habe ein vom HG Wien ersuchter Richter durchgeführt. "Auer-Welsbach konnte die wesentlichen Fragen beantworten", so der Klagsvertreter.

Likar hofft, dass er diesmal durchkommt. Aus seiner Sicht geht es nämlich nicht darum, ob zwischen D&B und AvW ein Vertragsverhältnis bestand, sondern um den sogenannten Vertrauenstatbestand. Indem die Auskunftei das Rating der AvW in Medien veröffentlicht bzw. nichts dagegen unternommen habe, dass Auer-Welsbach die (sehr gute) Bonitätsbewertung in seinen Werbeunterlagen verwendet habe, habe sie für die Anleger Vertrauen geschaffen. "Wenn ein internationales renommiertes Unternehmen ein Rating erstellt, dann verlassen sich die Anleger darauf und stellen keine weitere Nachforschungen an", argumentiert Likar. Er stützt sich dabei auch auf einen aktuellen Aufsatz des Salzburger Jus-Professors Georg Graf mit dem Titel "Unautorisierte Eigenwerbung mit fehlerhaften Ratings - Haftet die Ratingagentur?".

"Jetzt geht es nur mehr darum, ob das Rating richtig war oder nicht", so Likar. Das Handelsgericht werde auf jeden Fall noch eine Verhandlung ausschreiben, möglicherweise auch einen Sachverständigen bestellen. (APA, 15.5.2012)

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