"Ohren im Tunnel" sollen Unfälle erkennen

21. Mai 2012, 12:36
13 Postings

Mikrofone nehmen Verkehrsgeräusche auf - Unfalllärm löst Alarm aus

Wien - Mikrofone, die Unfallgeräusche erkennen und in Folge Alarm auslösen, sollen Tunnel auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen in Zukunft noch sicherer machen. Dieses neue Sicherheitsprojekt, das derzeit im Kirchdorftunnel auf der Brucker Schnellstraße (S35) in der Steiermark erprobt wird, soll künftig auf weitere Standorte ausgeweitet werden, kündigten Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) und die Asfinag-Vorstände Klaus Schierhackl und Alois Schedl bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag in Wien an.

Das Prinzip des akustischen Tunnelmonitorings ist simpel: Im 2,7 Kilometer langen Kirchdorftunnel wurden gemeinsam mit dem steirischen Forschungsunternehmen Joanneum Research 49 Mikrofone - unmittelbar neben den in den Röhren befindlichen Videokameras - montiert. Der Abstand zwischen den "Ohren" beträgt maximal 125 Meter.

Eine Analyse-Software dahinter erkennt typische Unfallgeräusche - wie jene von Vollbremsungen, Reifenplatzern oder Fahrzeugkollisionen - und löst im Notfall Alarm aus, so dass die damit verbundene Überwachungszentrale der Asfinag sofort reagieren kann. Der Zeitvorteil beträgt den bisherigen Erfahrungen zufolge bis zu zwei Minuten, berichtete Asfinag-Vorstand Alois Schedl. Im Ernstfall sei diese Zeitspanne lebensrettend. "Wir können mit dieser Technologie hören, was im Tunnel passiert und wir können auch hineinsprechen", sagte Schedl.

Teures Audiosystem

Der Preis für diese Sicherheitseinrichtung ist hoch. Er beträgt pro Tunnelkilometer rund 100.000 Euro, im Fall des Kirchdorftunnels wurden 600.000 Euro investiert. Sukzessive sollen weitere Tunnel mit "Ohren" ausgestattet werden. Zunächst jene, die sich im Neubau befinden oder als besonders unfallträchtig gelten.

Nachdem es in der Vergangenheit entlang von Leitschienen immer wieder zu folgenschweren Verkehrsunfällen gekommen ist, hat die Asfinag im Rahmen eines 30 Millionen schweren Sicherheitspaketes großflächig Investitionen getätigt. Mit drei Maßnahmen soll an neuralgischen Stellen nun größtmögliche Sicherheit geboten werden: Auf insgesamt 170 Kilometern Länge wurden Leitschienenlücken geschlossen und zusätzlich 600 sogenannte Terminals montiert, die im Falle eines Aufpralles wie eine Ziehharmonika nachgeben und so die Aufprallenergie absorbieren. Zudem wurden 170 Anpralldämpfer vor Tunnelportalen, bei Autobahnabfahren, in Pannenbuchten etc., errichtet. Mit Hilfe dieser Technologien können acht Menschenleben pro Jahr gerettet werden, sagte Asfinag-Vorstand Klaus Schierhackl.

Dass die Investitionen in die Verkehrssicherheit fruchten, zeigt sich an den sinkenden Unfallzahlen, waren Ministerin Bures und die beiden Asfinag-Vorstände überzeugt. Autobahnen und Schnellstraßen machen nur zwei Prozent aller Straßen in Österreich aus, bewältigen aber 40 Prozent des gesamten Verkehrs. Der Anteil an den Unfällen insgesamt macht in Relation dazu nur fünf Prozent aus, betonte die Ministerin. 2011 ging die Zahl der Todesopfer bei Unfällen auf Autobahnen und Schnellstraßen um 24 Prozent zurück (von 78 im Jahr 2010 auf 59). (APA, 15.5.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Durch akustisches Monitoring sollen Unfälle in Tunneln schneller erkannt werden.

Share if you care.