Felicitas Hoppe ausgezeichnet

15. Mai 2012, 10:53
1 Posting

Seit 1923 verliehener Literaturpreis ist renommiertester im deutschsprachigen Raum und wurde erst neun Mal an eine Autorin vergeben

Felicitas Hoppe erhält heuer den Georg-Büchner-Preis. Die deutsche Autorin wurde von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung für die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung auserkoren. Damit zählt sie zu den wenigen Autorinnen, die mit dem renommiertesten Literaturpreis im deutsprachigen Raum ausgezeichnet wurden. Die bisherigen acht weiblichen Preisträger waren Brigitte Kronauer 2005, Friederike Mayröcker 2001, Elfriede Jelinek 1998, Sarah Kirsch 1996, Christa Wolf 1980, Ingeborg Bachmann 1964, Marie Luise Kaschnitz 1955. Die erste Preisträgerin war Anna Seghers 1947. Der Büchnerpreis wird seit 1923 verliehen.

"Virtuos Grenzen unterlaufen"

"In einer lakonischen und lyrischen, eigensinnigen und uneitlen Prosa hat sie ein erzählerisches Universum erfunden, in dem Grundfragen eines 'postmodernen' Daseins mit freier und befreiender Phantasie durchgespielt werden", so die Begründung der Jury für ihre Wahl.

Der Aufbruch in ihr vielstimmiges Werk habe 1996 mit "Picknick der Friseure" seinen Ausgang genommen und erstrecke sich mittlerweile weit in die Welt der Abenteurer und der Hochstapler, der Entdecker und der Taugenichtse. Das Reisebuch "Pigafetta" (1999), der pikareske Roman "Paradiese, Übersee" (2003), die Porträtgalerie "Verbrecher und Versager" (2004), die moderne "Legende von der heiligen Johanna" (2006), die Neuerzählung des Ritterromans von "Iwein Löwenritter" (2008) und jüngst die fiktive Biografie "Hoppe" (2012) unterliefen virtuos die Grenzen von Wahrheit und Fiktion, Selbsterkenntnis und Rollenspiel, so die Jury: "Felicitas Hoppe fragt nach Möglichkeiten der Ich-Werdung, nach den Wundern und Verstrickungen der Sehnsucht, und lässt unaufdringlich metaphysische Horizonte aufscheinen."

Stationen

Geboren wurde die neue Büchner-Preisträgerin am 22. Dezember 1960 in Hameln an der Weser. Ab 1980 studierte sie Literaturwissenschaft, Rhetorik, Religionswissenschaft, Italienisch und Russisch an den Universitäten in Hildesheim, Tübingen, Eugene/Oregon (USA), sowie in Berlin und Rom. Seit 1996 lebt sie in Berlin als freie Schriftstellerin. Zuvor hatte sie als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache gearbeitet und für verschiedene Feuilletons geschrieben. Bis heute hat Hoppe fünf Romane, Essays und mehrere Erzählbände vorgelegt, außerdem einige Veröffentlichungen zusammen mit KünstlerInnen der Berliner Handpresse. (APA, 15.5.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Felicitas Hoppe wird den Preis am 27. Oktober in Darmstadt entgegennehmen.

Share if you care.