Badehosenverbot fürs Fußballteam

15. Mai 2012, 10:10
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Marcel Koller hat ein langes Trainingslager und zwei Länderspiele vor sich. Österreichs Nationalmannschaft soll eine Identität bekommen. Ein paar Stützen fehlen. Stefan Maier­hofer soll den Werwolf spielen

Wien - Teamchef Marcel Koller bedankt sich für Selbstverständlichkeiten. Vielleicht liegt es daran, dass ein Schweizer im nicht unbedingt als weltoffen geltenden Österreich Vorsicht walten lässt. Abgesehen davon ist Fußballtrainer überall ein heikler Job. Jedenfalls sagte er am Dienstag um zehn Uhr Vormittag, es war draußen durchaus schon hell, ein derart zahlreiches Erscheinen zu so einem frühen Zeitpunkt sei überhaupt nicht selbstverständlich. "Danke."

Und dann zählte er 25 Namen von Fußballern auf (Marko Arnautovic inklusive), die am 24. Mai ins Trainingslager nach Seefeld einrücken. Zwölf Tage bleiben sie dort, für Abwechslung sorgen zwei Länderspiele in Innsbruck, am 1. Juni gegen die Ukraine, am 5. Juni gegen Rumänien. Es fehlen die verletzten Legionäre Christian Fuchs, Martin Harnik und Emanuel Pogatetz. Letztgenannter könnte übrigens innerhalb der deutschen Bundesliga von Hannover zu Wolfsburg wechseln. Jakob Jantscher und Tormann Robert Almer sind noch angeschlagen, Ärzte entscheiden kurzfristig.

Koller nominierte zwei Debütanten, Rapids Goalie Lukas Königshofer ("Er hat gute Anlagen") und den erst 18-jährigen Marcel Sabitzer, er stürmt für die Admira. "Ich weiß, dass es Gefahren birgt, einen so jungen Mann einzuberufen. Aber ich will ihn kennenlernen. Er soll Druck auf jene ausüben, die denken, dass sie Stammspieler sind. Es ist egal, ob ein Fußballer 18 oder 30 ist. Gut muss er sein." Sabitzer sei durchaus ein Zeichen. "Es soll eine Motivation sein für jeden, der in der österreichischen Liga kickt. Man kann es auch im Inland schaffen." Paul Scharner, dessen Vertrag in West Bromwich ausgelaufen ist, soll in der Innenverteidigung getestet werden. David Alaba ist im ÖFB-Team eindeutig fürs Mittelfeld vorgesehen, da kann ihn Bayern München noch so oft an die linke Abwehrseite stellen. "Ich schätze seine Intelligenz, seine Wahrnehmung, seine Technik."

Erstmals in der Ära Koller, die zwei Partien alt ist (1:2 in der Ukraine, 3:1 gegen Finnland), darf Stefan Maierhofer mittun. Er hat sich durch seine Leistungen bei Meister Salzburg aufgedrängt. Der Teamchef hat mit Maierhofer persönlich gesprochen. "Ein angenehmer Mensch. Ein Winnertyp. Maierhofer verwandelt sich auf dem Platz zum Werwolf."

Schiemers Hochzeit

Ein anderer Salzburger, Franz Schiemer, wird es künftig schwer haben, obwohl Koller nicht vom "Ende einer Teamkarriere" gesprochen hat. Schiemer zieht es nämlich vor, am 1. Juni zu heiraten. Er wird die Hochzeitstafel sicher nicht verlassen, um am Abend gut gelaunt gegen die Ukraine zu kicken.

Und darum geht es in Seefeld: Die Mannschaft soll eine Identität bekommen. Das ist mit Aufwand verbunden. Und mit klaren Worten des Teamchefs. "Keiner kann sich ausruhen, und keiner soll glauben, dass er schon ein bisschen Vorurlaub machen kann. Sonst laufe ich mit der Peitsche rum. Ich habe die Verantwortung, dass wir uns weiterentwickeln."

Die Müdigkeit dürfe keine Rolle spielen. "Wir sollten davon wegkommen, dass die Saison nur bis zum Ende der Ligen geht. Mit dieser Einstellung werden wir niemals bei einem großen Turnier dabei sein, das garantiere ich." Es sei nicht die Hauptaufgabe des Trainerstabs, für gute Laune zu sorgen. "Das ist die letzte Möglichkeit, vor Beginn der WM-Qualifikation länger zusammenzuarbeiten. Wichtig ist, dass die Spieler von innen heraus motiviert sind. Wir dürfen nicht die Badehose auspacken oder auf den Berg fahren. Das ist der falsche Weg." Nachsatz: "Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Danke." (Christian Hackl, DER STANDARD, 16.5.2012)

Kader für die Test-Länderspiele gegen die Ukraine (1. Juni in Innsbruck) und Rumänien (5. Juni in Innsbruck):

Tor: Robert Almer (Fortuna Düsseldorf/GER, 2 Länderspiele/3 Gegentore), Christian Gratzei (Sturm Graz, 9/21), Lukas Königshofer (Rapid, 0), Heinz Lindner (Austria Wien, 0)

Abwehr: Aleksandar Dragovic (FC Basel/SUI, 15 Länderspiele/0 Tore), György Garics (Bologna/ITA, 24/1), Manuel Ortlechner (Austria Wien, 8/0), Sebastian Prödl (Werder Bremen/GER, 32/3), Markus Suttner (Austria Wien, 1/0), Florian Klein (Austria Wien, 10/0), Andreas Ulmer (Red Bull Salzburg, 2/0)

Mittelfeld: Paul Scharner (West Bromwich/ENG, 38/0), David Alaba (Bayern München/GER, 17/0), Julian Baumgartlinger (Mainz/GER, 19/0), Andreas Ivanschitz (Mainz/GER, 53/9), Jakob Jantscher (Red Bull Salzburg, 9/1), Zlatko Junuzovic (Werder Bremen/GER, 17/1), Veli Kavlak (Besiktas Istanbul/TUR, 15/0), Christoph Leitgeb (Red Bull Salzburg, 27/0), Yasin Pehlivan (Gaziantepspor/TUR, 14/0)

Sturm: Guido Burgstaller (Rapid, 1/0), Marko Arnautovic (Werder Bremen/GER, 17/5), Marc Janko (FC Porto/POR, 25/11), Stefan Maierhofer (Red Bull Salzburg, 19/1), Marcel Sabitzer (Admira, 0)

Auf Abruf: Jörg Siebenhandl (Wiener Neustadt, 0), Martin Hinteregger (Red Bull Salzburg, 0), Georg Margreitter (Austria Wien, 0), Ekrem Dag (Besiktas Istanbul/TUR, 10/0), Manuel Weber (Sturm Graz, 1/0), Erwin Hoffer (Eintracht Frankfurt/GER, 28/4), Patrick Bürger (Mattersburg, 0)

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    Marcel Koller muss keine allzu großen Fußstapfen füllen.

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