Angela Merkels Zukunft: Es wird einsamer

Kommentar14. Mai 2012, 18:14
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Merkel muss am Dienstag beim Antrittsbesuch des neuen französischen Präsidenten François Hollande ein halbwegs freundliches Gesicht machen

Basta! Eine derart emotionale Aussage, wie sie der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder gelegentlich tätigte, würde seine Nachfolgerin Angela Merkel nie machen. Bei ihr heißt das kühl: Die Schlappe von Nordrhein-Westfalen tangiert meine EU-Politik nicht.

Auch das ist eine Ansage. Ob sie allerdings zu halten sein wird, ist fraglich. Es wird einsamer um die Regierungschefin. Halb Europa möchte nicht mehr sparen, viele Deutsche auch nicht, und selbst in der eigenen Partei murrt man, dass das ewige Spardiktat nichts wirklich Herzerwärmendes sei, womit sich Wahlen gewinnen ließen.

Dennoch muss Merkel am Dienstag beim Antrittsbesuch des neuen französischen Präsidenten François Hollande ein halbwegs freundliches Gesicht machen, sonst ist gleich wieder Feuer auf dem europäischen Dach.

Leicht wird ihr das nicht fallen, denn daheim macht ihr der wiedererstarkte liberale Koalitionspartner Sorgen. Große Umstürze wird es dort nicht gleich geben, alle sind derart froh, dass die Partei die Todeszone wieder verlassen hat, dass sie zunächst brav stillhalten werden.

Doch der heimliche Parteichef Christian Lindner ist wild entschlossen, die FDP vor der Bundestagswahl besser zu positionieren. Will heißen: Sie muss sich aus dem Klammergriff von CDU/CSU lösen und als potenzielle Partnerin für eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP aufhübschen - auch um den Preis, dass Merkel allein zurückbleibt. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 15.5.2012)

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