Vier Homosexuelle sollen hängen

14. Mai 2012, 18:49
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Todesstrafe gegen Männer wegen Straftat "Sodomie" - Seit 1979 wurden 4.000 Menschen als "Feinde Allahs" verurteilt

Wien/Teheran - Im Iran sind erneut vier homosexuelle Männer wegen "Sodomie" zum Tode verurteilt worden. Wie die iranische Menschenrechtsorganisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) berichtete, hat der Oberste Gerichtshof, Vahid Akbari, Sahadat Arefi, Javid Akbari and Hushmand Akbari zum Tod durch Erhängen verurteilt. Gorji Marzban von der Oriental Queer Organisation Austria (ORQOA), bestätigte am Montag die Informationen und nannte die HRANA eine "absolut zuverlässige Quelle".

Anders als in früheren Fällen, in denen nicht immer klar gewesen sei, ob Homosexuelle aufgrund von "Sodomie" oder ihnen vorgeworfener homosexueller Vergewaltigung schuldig gesprochen wurden, sei die Lage diesmal klar: "Es existiert ein Text, aus dem ganz klar hervorgeht, dass Sodomie der Grund ist, warum die vier Männer gehängt werden sollen", so Marzban.

Der vorliegende Fall zeige einmal mehr die große Diskrepanz zwischen der westlicher und islamischer Sichtweise von Homosexualität. Allerdings habe auch die Todesstrafe nicht dazu geführt, Homosexualität auszulöschen, so Marzban, diese sei nur gezwungen worden "sich in den Kästen zu verstecken". "Früher oder später werden alle islamischen Gesellschaften gezwungen sein, Homosexuelle zu integrieren", zeigt sich Marzban optimistisch.

Prozesse unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Im Iran gelten aufgrund der islamischen Gesetzgebung Homosexuelle als "Feinde Allahs", was mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Wie viele Menschen jährlich wegen Homosexualität verurteilt werden, lässt sich laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) nur schwer nachvollziehen, weil die Prozesse meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden und kaum in (inter)nationalen Medien Niederschlag fänden. Auch würden Homosexuelle selten nur wegen gleichgeschlechtlicher Handlungen verurteilt, oft würde ihnen zusätzlich noch homosexuelle Vergewaltigung vorgeworfen.

Schätzungen gegen jedoch von mehr als 4.000 Todesurteilen seit der iranischen Revolution 1979 aus. Verurteilt werden laut HRW zum Großteil Männer, nur in seltenen Fällen Frauen. Für außerehelichen Geschlechtsverkehr sieht das iranische Recht ebenfalls hohe Strafen vor. (APA, 14.5.2012)

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