Hannelore und die starken Männer

14. Mai 2012, 17:34
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Nach ihrem Triumph wird Ministerpräsidentin Kraft als Kanzlerkandidatin gehandelt

Berlin - Es war klar, dass so eine Frage kommen musste. "Welcher der drei potenziellen SPD-Kanzlerkandidaten hat eine so erfolgreiche Herzlichkeit wie Hannelore Kraft?", wird SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles am Montag gefragt. Sie gibt eine typisch ausweichende Politikerantwort: "Ich glaube, dass wir ein sehr gutes Personalangebot haben."

In der Tat: Zwar sind es noch gut eineinhalb Jahre bis zur nächsten Bundestagswahl, doch in der SPD halten sich jetzt schon drei mögliche Kanzlerkandidaten bereit: SPD-Chef Sigmar Gabriel, der frühere Finanzminister Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier, früher Außenminister, jetzt Fraktionschef.

Keiner der drei hat bis jetzt offiziell gesagt: Ich mach es. Aber auch keiner hat bisher erklärt: Ich mach es nicht. Seit Monaten beäugt sich die Troika misstrauisch, jede Aussage, jede Aktion der anderen wird registriert.

Offiziell klopfen sich die drei herzlich auf die Schultern und machen sich einen Spaß daraus, die ewig fragenden Journalisten auflaufen zu lassen. Ganz nach dem Motto: Hach, wir haben ja so viele fähige Leute, wir entscheiden ganz in Ruhe.

Doch das kommt nicht mehr überall gut an. Viele in der SPD meinen, es wäre besser, mit der Nominierung nicht mehr zu warten, sondern jetzt die Katze aus dem Sack zu lassen. Der SPD-Kanzlerkandidat könnte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel dann bis zur Bundestagswahl vor sich hertreiben.

Zweifel an der Troika

Und seit dem Triumph der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sind nicht wenige der Meinung: Sie soll es machen und nicht einer der Herren, die sich alle für so potent halten.

"Ob die Troika heute Geschichte ist?", twitterte Björn Böhning (SPD), Chef der Berliner Staatskanzlei, noch am Wahlabend. Ralf Stegner, SPD-Landeschef in Schleswig-Holstein, schrieb zurück: "Welche Troika?"

Kraft selbst lehnt offiziell ab und betont, ihr Platz sei in Nordrhein-Westfalen. Aber was sollte sie im Moment auch anderes sagen? "Sie will ja nicht", beeilte sich Parteivorsitzender Gabriel noch am Wahlabend zu verkünden, und es klang ein wenig erleichtert. Doch die Debatte wird weitergehen. Denn Kraft hat den Herren allesamt eines voraus: einen fulminanten Wahlsieg.

Steinbrück hingegen wurde als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen 2005 abgewählt, Steinmeier scheiterte 2009 als SPD-Kanzlerkandidat gegen Merkel, und Gabriel musste 2003 als Ministerpräsident von Niedersachsen weichen, weil Christian Wulff und dessen CDU stärker waren.

Viele fänden es auch taktisch nicht unklug, Merkel eine Frau gegenüberzustellen - noch dazu eine, die erkennbar weniger Berührungsängste mit ihrem Volk hat als die Kanzlerin. (bau/DER STANDARD, 15.5.2012)

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    Troika ohne Dame: Ex-Finanzminister Steinbrück, SPD-Chef Gabriel und Fraktionschef Steinmeier (v. li.). Foto: Reuters

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