Miss Senide und andere Dompteusen

  • Eine Frau, die Männer auf den Arm nimmt: Katie Sandwina als The Lady Hercules.
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    foto: library of congress, washington

    Eine Frau, die Männer auf den Arm nimmt: Katie Sandwina als The Lady Hercules.

Das Frauenmuseum Hittisau verwandelt sich in eine Manege von einst: Hier zeigen "Tollkühne Frauen", was Zirkusartistinnen so draufhatten

Hittisau - Der Zirkus war immer schon als Gegenwelt gedacht. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert galten hier andere Gesetze als in der übrigen Gesellschaft. So konnten Frauen damals ganz eigenständig alle zur Verfügung stehenden Positionen bekleiden, gut verdienen und waren ihren männlichen Kollegen einigermaßen gleichgestellt, ganz im Gegensatz zu den sonst herrschenden Zuständen.

Von den Luftakrobatinnen, Raubtierdompteusen, Jongleurinnen, Muskelfrauen und anderen Zirkusartistinnen erzählt die Ausstellung Die tollkühnen Frauen in Hittisau im Bregenzerwald. Sie widmet sich den Biografien nämlicher Frauen und berichtet dabei von spannenden Geschichten: So hat etwa das Beamtenkind Therese Zauser alias Judit Jessie Zauser aus Feldkirch eine große Karriere als Varietétänzerin im nordafrikanischen Raum und im Nahen Osten gemacht. Im exotischen, durchsichtigen und äußerst freizügigen Glitzerkostüm posiert sie auf einer alten Schwarz-Weiß-Fotografie mit kokettem Blick für die Kamera.

Nicht so glamourös war damals wohl das Leben der sogenannten "Freaks". Menschen, deren Körper von Geburt an von der Norm abwichen, etwa Frauen mit Bart, wurden als "Freaks" öffentlich zur Schau gestellt. 1876 überquerte Maria Spelterini als erste Frau die Niagarafälle auf einem Seil und zwar mit verbundenen Augen und rückwärts. Die Wienerin Miss Senide gehörte zu den weltweit bekanntesten Dompteusen und wurde selbst Zirkusdirektorin.

Das Frauenmuseum Hittisau verwandelt sich in eine Manege früherer Tage: barock anmutende, gemalte Abbildungen in Lebensgröße (Gestaltung: Raja Schwahn-Reichmann) erwecken die verblichenen Zirkusartistinnen zum Leben. Das Konzept stammt von der Kulturwissenschafterin Brigitte Felder und der Museumsleiterin Stefania Pitscheider Soraperra. (Raffaela Rudigier, DER STANDARD, 15.5.2012)

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