Mao, Stalin, Chávez und Erwin

14. Mai 2012, 17:20
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"Erwin Pröll will es! Gut! Der Wille des größten Radlbrunners aller Zeiten ist Gesetz"

Pech für Michael Spindelegger - was muss er auch seine Deklamation zu Österreich nach einem Wochenende im Zeichen Erwin Prölls halten! Da konnte er nur blass aussehen, zumal er sich um politische Inhalte bemühte. Nicht ausgeschlossen, dass es solche auch beim Parteitag der klaren Verhältnisse in Böheimkirchen gegeben haben könnte, in den Printmedien war davon allerdings nur wenig reflektiert. Da schwankte das überschießend gelieferte Charakterbild des Weinviertler Gröfaz zwischen Dämon mit kulturellen Schwächen und Übermensch an politischer Langlebigkeit, und zwar schon vor Beginn. "Erwin Pröll will es! Gut! Der Wille des größten Radlbrunners aller Zeiten ist Gesetz" - respektlose Einschränkung: "im ÖVP-Regierungsteam". So versuchte sich "Die Presse" Freitag aufzuwärmen, und die "Kleine Zeitung" heizte per E-M@IL Zuversicht an. "Erwin Pröll. Man darf gratulieren . . . Der Mao - 33 Jahre - könnt' knapp werden, aber den Stalin, 29 Jahre - ich sag' Ihnen, den schaffen Sie noch. Denn Demokratie braucht Beständigkeit."

Am Samstag - "Kurier"-Chefredakteur Helmut Brandstätter unkte da noch, "am kommenden Montag will der ÖVP-Chef das Unmögliche versuchen" - zeigte " Die Presse", dass dem selbstgekrönten ÖVP-Chef nichts unmöglich ist. "Mit Zuckerbrot und Peitsche: Der letzte Landesfürst und die Bundespartei von seinen Gnaden." Gezeichnet wurde das Musterbild eines demokratischen Politikers. "Erwin Pröll hat das Zuckerbrot-und-Peitsche-Spiel perfektioniert. Wer sich artig verhält, kann alles haben. Wer renitent ist, hat ein Problem" - oder mehrere. Weil: "der letzte Landesfürst" zahlt ja alles aus seiner Privatschatulle, wie er auch den Eisernen Vorhang eigenhändig niedergerissen hat: "Pröll hat viel aus Niederösterreich gemacht. Das vormals rückständige Land am Eisernen Vorhang ist heute nicht nur eine wirtschaftlich prosperierende Region, sondern auch kulturell aufgeblüht". Alles allein sein Werk.

Da hat er sich Entspannung verdient. "Seine Eröffnung des Grafenegger Festivals wurde im Vorjahr vom ORF in einer Art und Weise übertragen, dass nicht einmal Hugo Chávez am Ausmaß der Hofierung etwas auszusetzen gehabt hätte", stellten die "Salzburger Nachrichten" unter dem Titel "Und ewig regiert Pröll" fest. "'Sakristei-Stalinismus' hat ein böswilliger Kommentator aus Wien einmal das Ausmaß der Pröll-Herrschaft in Niederösterreich genannt". Nicht unerwähnt blieb: "Andererseit kann Pröll sehr gut mit Menschen umgehen." Stalin, Mao, Chávez - interessant, was unabhängigen Journalisten zu Erwin Pröll einfällt, aber bitte: Auch Stalin war bekanntlich ein "Vater der Völker".

Auch der hatte bekanntlich einen "Mangel an starken Konkurrenten", wie " Die Presse" am Sonntag das "System Erwin Pröll" beschrieb. "Die Sozialdemokraten hat die VP in Niederösterreich nach dem Teile-und-herrsche-Prinzip in "gute" (gefügige Bürgermeister, die von Geld und Investitionen des Landes abhängig sind) und "schlechte" (die Landespartei, die einen Oppositionskurs zu fahren versucht) geteilt." Selbst schuld, wer sich teilen lässt.

"Gespenstisch", beschrieb im Sonntags-"Kurier" ein Teilnehmer die gemeinsame Sitzung von Bundesregierung und Landeshauptleuten am Mittwoch. "Als es um die Parteientransparenz ging, ergriff Erwin Pröll das Wort und tat so, als ob er der ÖVP-Obmann wäre." "Ein Augenzeuge bestätigt: 'Michael Spindelegger ist neben dem Erwin Pröll eingegangen wie eine böhmische Leinwand." Das spricht für Prölls Objektivität: Er behandelt die ÖVP im Bund nicht besser als die SPÖ im Land, was beweist: "Niederösterreich ist ihm zu klein."

Einzig der Standard würdigte die emotionalen und intellektuellen Qualitäten des Riesen von Radlbrunn. "Mit bebender Stimme" habe er dem Parteitag berichtet, "als er sich unlängst morgens um sechs aufs Radl geschwungen habe, da habe er das Weinviertel so betrachtet und sich gedacht: "Lieber Gott, du hast uns wirklich eine wunderschöne Heimat gegeben." Wenn Wadeln ins Denken kommen! Und um den schwarzen Massen von vornherein jede Anfechtung auszutreiben, ihm weniger als 98 Prozent zu spendieren, ließ er auch noch den Fußballtrainer aus dem Herrgottswinkel springen. "Man befinde sich in der 75. Minute eines Matches, und es stehe, so schätzt Pröll, 2:0 für sein Team. Doch es habe schon Mannschaften gegeben, die schließlich trotzdem 2:3 verloren hätten"

Aber nicht, solange sie von Mao, Stalin oder Chávez gecoacht wurden. Und keine Sorge, den HBP macht er bald nebenbei. (Günter Traxler, DER STANDARD, 15.5.2012)

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    Erwin Pröll.

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