Nach dem Euro-Austritt droht der nächste Haircut

14. Mai 2012, 17:58
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Wegen des politischen Patts in Griechenland wird immer offener über den Euro-Austritt des Landes diskutiert. Ein Überblick über die größten Hürden und die drohenden Kosten für die Europäische Union.

Frage: Kann ein Land einfach aus der Eurozone aussteigen?

Antwort: Ganz so einfach ist das nicht. Der Vertrag von Lissabon sieht nur die Möglichkeit vor, aus der EU auszutreten. Möchte Griechenland nur aus der Eurozone aussteigen, aber auch in Zukunft EU-Mitglied sein, müsste es also zuerst aus der Union austreten und danach - ohne Euro - wieder eintreten.

Frage: Sind europarechtliche Fragen das größte Problem?

Antwort: Wohl kaum. Die größte Herausforderung wäre sicher, die Rückkehr zur Drachme geordnet über die Bühne zu bringen. Die neue Währung würde massiv abwerten - die Schätzungen reichen von 20 bis 50 Prozent. Viele Griechen würden wohl ihre Konten plündern, um den Wertverlust ihrer Euros zu verhindern. Um das (und somit serienweise Bankpleiten) zu verhindern, müsste der Staat kurzfristig alle Bankaktivitäten einfrieren. Massive Kapitalflucht ins Ausland könnte wohl nur durch strenge Grenzkontrollen eingeschränkt werden. Niemand weiß, ob dann nicht Panik und Anarchie ausbricht.

Frage: Warum gibt es trotzdem immer mehr Stimmen, die - im Gegensatz zu vor zwei Jahren - einen Austritt für verkraftbar halten.

Antwort: Zum einen: Die Banken haben in den vergangenen zwei Jahren bereits große Teile ihres Griechenland-Risikos abgeschrieben. Zum anderen werden die Möglichkeiten der Eurorettungsschirme massiv ausgeweitet. Ansteckungsgefahren für andere Länder bleiben aber trotzdem. Spekulanten könnten auf weitere Euro-Austritte wetten. Eine weitere Befürchtung: Kommt es in Griechenland zum Banken-Run, könnte es auch in Portugal oder Frage: Der Währungswechsel wurde ohne Panik geschafft. Wäre Griechenland dann über den Berg?

Antwort: Mit der abgewerteten Währung wäre es wettbewerbsfähiger. Griechische Produkte könnten günstiger exportiert werden, der Urlaub in Griechenland wäre billiger. Strukturelle Probleme - Stichwort fehlende Steuermoral oder überregulierte Märkte - bestünden aber weiter.

Frage: Was würde mit den griechischen Altschulden passieren, die in Euro begeben wurden?

Antwort: Wegen der abgewerteten Drachme würde sich die Schuld in Euro verteuern. Die Wahrscheinlichkeit eines teilweisen Zahlungsausfalls würde also steigen. Die EU-Staaten und der Internationale Währungsfonds haben schon fast 150 Mrd. Euro an Krediten gewährt, die Europäische Zentralbank hat mindestens 40 Mrd. an Griechen-Anleihen aufgekauft (siehe Grafik), weitere 100 Mrd. an Risiken stecken in den nationalen Notenbanken. Mit anderen Worten: Ein neuerlicher Haircut käme den EU-Staaten teuer. Österreich steht für mehr als drei Milliarden grade, ein 50-prozentiger Schuldenschnitt würde also 1,5 Milliarden Euro kosten. (go, DER STANDARD, 15.5.2012)

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