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vergrößern 800x626Ob Mama oder Moneten, diese beiden verwahrlosten Gesellen haben sicher etwas Wichtiges im Sarg versteckt: Klaus Zwick (li.) und Caspar Kaeser in "Beute".
Wien - Die sportivste Leiche der jüngeren Theatergeschichte hat es aus dem Ruhrgebiet in die Wiener Garage X verschlagen. Hier gastierte Samstag und Montag das Theater Oberhausen mit Herbert Fritschs Inszenierung von Joe Ortons rabenschwarzer Farce Beute, die das Zerbrechen einer Familie an der kompletten Verwüstung ihrer Mitglieder wie auch des Wohnraums erkennbar macht.
Mrs. McLeavy ist verstorben, der zurückgebliebene Gatte (Torsten Bauer) hin- und hergerissen zwischen standesgemäßer Trauer und auf die Krankenschwester (Susanne Burkhard, im wahrsten Sinn des Wortes ein blondes Gift) gerichteter Geilheit. Für Sohnemann Hal (Klaus Zwick) stellt sich zumindest die Frage der Trauer nicht wirklich, als frischgebackener Bankräuber hat er andere Sorgen: Ist der Sarg der im Schlafzimmerschrank zwischenzuparkenden Mutter das ideale Versteck für die Beute, und lässt sich der penetrant herumschnüffelnde Polizist (Marek Jera) lange genug an der Nase herumführen?
Ortons Stück bietet, von René Pollesch übersetzt, bereits guten Nährboden für gepflegte Hysterie. Herbert Fritsch, ehemaliger Castorf-Schauspieler und auch als Regisseur kein Kind von Traurigkeit, treibt den Wahnsinn zusätzlich auf die Spitze. Keiner seiner physisch geforderten Darsteller kann drei Schritte machen, ohne über ein Möbelstück oder die eigenen Füße zu stolpern. So rutschen, robben und rollen die Protagonisten pausenlos in- und übereinander, von der Gier aller Koordinationsfähigkeiten beraubt.
Allein die adrett aufgebahrte Mrs. McLeavy erscheint eingangs als Fels in dem durch das Schlafgemach schwappende Menschenmeer, kugelt bald jedoch ebenfalls durch die Wohnung. Dabei entwickelt sie sich durch die ihr besondere Elastizität verleihende Totenstarre zu einer perfiden Stolperfalle. Die Tänzerin Brigitte Cuvelier zeigt als störrischer Leichnam wohl die beeindruckendste Leistung des Abends.
Vollgas auf der Bühne
Der Text geht unter den verschlungenen Leibern jedoch verloren. Einige Pointen werden erstickt, die absurde Handlung wie Mobiliar und Figuren zum Opfer einer gegen die Abgründigkeit einer katholischen Arbeiterklasse gerichtete Zerstörungswut. Das stört zunächst kaum, ist der sich langsam bis zum Gehtnichtmehr steigernde Slapstick doch mitunter irrsinnig komisch. Bei einer Spieldauer von mehr als zwei Stunden ermüdet diese Konzentration auf den mangelhaften Gleichgewichtssinn der Akteure allerdings zunehmend. Auf der Bühne wird unbeirrt Vollgas gegeben, im Publikum ist die Luft nach der Pause jedoch spürbar raus.
Sehenswert bleibt dieser Irrsinn dennoch, weitere Vorführungen sind für die nächste Spielzeit geplant. All jene, denen einmal im Jahr läppische zwanzig Minuten Dinner for One schon immer viel zu wenig waren, werden ihr Paradies finden. (Dorian Waller, DER STANADRD, 15.5.2012)
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