Ein Diktator sucht den Kuschelkurs

  • Strammstehen mit General Aladeen, Alleinherrscher über den Staat Wadiya 
und die jüngste Erfindung von Sacha Baron Cohen.
    vergrößern 800x534
    foto: upi

    Strammstehen mit General Aladeen, Alleinherrscher über den Staat Wadiya und die jüngste Erfindung von Sacha Baron Cohen.

Der britische Komiker Sacha Baron Cohen versucht sich in seinem vierten Kinoabenteuer als fiktive Führerfigur

Wien - Tiefschwarzer Wallebart, schrillbunte Fantasieuniform und ein überlebensgroßes Ego: Für seinen vierten Kinofilm "Der Diktator" hat sich Sacha Baron Cohen erstmals einen noch nicht im Fernsehen erprobten Charakter übergestreift. Nach dem großmäuligen Rapper Ali G, dem entwaffnend direkten kasachischen Reporter Borat und dem österreichischen Modedodel Brüno verkörpert der britische Komiker diesmal einen gewissen General Aladeen, Herrscher über den Operettenwüstenstaat Wadiya.

Die Widmung zu Beginn des Films gilt dem lieben Andenken an Kim Jong-il, das maßgebliche Vorbild für Diktatorenselbstverständnis und -Lifestyle ist unverkennbar Muammar al-Gaddafi - Unterhaltungswert und transgressive Sprengkraft solcher Referenzen sind nicht nur aufgrund der jüngsten historischen Ereignisse enden wollend. Aber die neue Fantasiefigur wird auch nicht mehr auf reale Situationen und Menschen losgelassen. Mit Überschreitungen des guten Geschmacks und anderer sozialer Übereinkünfte riskiert man innerhalb eines fiktionalen Universums schnell einmal weniger.

Beispielhaft ist in diesem Sinn eine Szene, die das "Borat"-Setting rekapituliert und gleichzeitig immer schon hinter dessen Überfallskomik zurückfallen muss: Während eines Helikopterfluges über New York versetzen Aladeen und sein Landsmann Nadal zwei weiße US-Touristen in Panik, die aus ihrem (fürs Publikum untertitelten) harmlosen Dialog bloß Reizwörter wie "911" (der Porsche ist gemeint) heraushören.

"Der Diktator" hat außerdem auch kaum etwas mit dem entlarvenden Slapstick von Charlie Chaplins "Der große Diktator" zu tun - mehr schon mit US-Komödien wie Eddie Murphys "Prinz aus Zamunda". Wie jener afrikanische Herrscherspross bezieht auch der Diktator einen Großteil seiner Komik aus der Konfrontation zweier Welten.

Achselküsse und Atomtests

Die ersten Szenen in Aladeens angestammtem Wirkungsbereich haben also den Zweck eines sachkundigen Schnellkurses: Daheim herrscht der Bärtige mit Eisenhand über das Volk von Wadiya, Unterwerfungsgesten wie der ortsübliche Achselkuss sind noch das geringste Übel. Mehr als die innenpolitische Lage stört die Weltgemeinschaft naturgemäß, dass Aladeen in Atomversuche investiert ("zur friedlichen Nutzung", verkündet der General seinem Volk unter Kicheranfällen). Eine Reise nach New York und eine Rede vor der Uno sollen diesbezüglich Klärung schaffen. Aber ein Vertrauter des Generals nützt die Gelegenheit für eine hinterhältige Entmachtung.

Der Film wird zur Verwechslungskomödie, Aladeen bekommt es nun erst mit einem völlig neuen Gegner zu tun: einer mit Uniabschluss in Genderstudies ausgerüsteten, ökobewussten und politaktivistischen Frau mit kurzen Haaren, auch unter den Achseln, die Anna Faris ("Smiley Face") angemessen engagiert verkörpert.

Gags werden nicht erst ab diesem Zeitpunkt routinemäßig abgefeuert - und längst nicht alle zünden. Manche zielen tief und geben's allzu billig: etwa wenn US-Schauspielerin Megan Fox als sie selbst nächtens das Bett des Generals verlässt und eine Verlängerung des Bezahl-Dates inklusive Kuscheln mit dem Hinweis ablehnen muss, dass sie schon vom italienischen Ministerpräsidenten gebucht sei.

Manche sind gemein, aber wortwitzig: etwa die Tiraden, mit denen Aladeen seine viel zu wohlmeinende neue Freundin bedenkt ("haaairy Potter"). Und wieder andere künden noch von der skrupellosen Ader Baron Cohens, wenn es um Expertise in Sachen Folter (Wadiya schlägt die CIA) oder um Frauenrechte (gebildete Frauen sind putzig wie Äffchen auf Rollschuhen) geht.

Einige der Szenen zwischen Baron Cohen und Faris beziehungsweise dem US-TV-Komiker Jason Matzoukas, der den Atomwissenschafter Nadal spielt, entwickeln geschmeidige Dynamik und den Charakter semiimprovisierter Schlagabtäusche. Letztlich bleibt "Der Diktator", den neuerlich Hausregisseur Larry Charles inszeniert hat, aber ein ziemlich kalkulierter Spaß. Baron Cohen und seine drei Koautoren, alle mit "Seinfeld"- und "Curb Your Enthusiasm"-Credits ausgestattet, ziehen unterschiedliche Register für unterschiedliche Zielgruppen und wollen es dabei möglichst vielen recht machen. Wo der Kunde König ist, da hat selbst ein Diktator einen schweren Stand. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 15.5.2012) 

Ab Donnerstag

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 94
1 2 3

Legendär auch das Becks/Posh interview,
sehr sympatisch auch ihre reaktion:

http://www.youtube.com/watch?v=P... re=related

den kannste in die schublade stecken

mit der aufschrift

"boshafte loser, die nur schlechte witze auf kosten anderer machen"

in der lade findet man zb auch oliver pocher oder grisse-& stermann.

Ich würde ihn mir ja gerne ansehen

Ich würde ihn mir ja gerne ansehen und auch dafür zahlen, aber unser Kino bringt die für solariumgefärbte Friseusen und deren plumpen männlichen (meist mehrere) Beischläfer optimierte deutsche Version. Da muss ich wohl andere Wege gehen um ans englische Original zu kommen.

gestern im Artis kino gesehen (english)

Waere es moeglich, dass Sie Ihre sexuellen Praeferenzen bezueglich Partneranzahl etc. aus einem Beitrag zu Kinofilmen raushalten?

Das ist ein bissl verstoerend...ich fang ja auch nicht an, von Flogging und Caning zu reden, obwohls um Filme geht.

Ach, sie armes Früchtchen, leben unter lauter minderwertigen Kraturen, die ihrem Intellekt nicht ansatzweise das Wasser reichen können )-:

Kann es sein das sie bei den Friseusen früher immer abgeblitzt sind.

Nicht mein Fall

wenn Sie verstehen

Ich denke ich kann es mir vorstellen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Originalversion exakt die gleiche Zielgruppe anspricht (so wie alles von Cohen).
Da rechnet man sich selber halt nicht so gern dazu.

Deshalb ist der Saal mit der synchronisierten Version immer zum Bersten voll.

Cohens Satire setzt viel wissen vorraus um alles zu verstehen

eben wie Southpark, wo es noch sehr auf Kenntnis der amerikanischen Kultur auch ankommt.

Bin mal neugierig, ob der Film mit Borat mithalten kann.

nein. das konnte schon brüno nicht.
borat wird unerreicht bleiben und das ist auch gut so.

schöne rezension, aber: geht die titanic am ende des films unter oder nicht?

Seitdem Cohen angefangen hat Filme zu machen, ist er nicht mehr so gut. Zu viel Slapstick.

Frueher war er viel lustiger.
Das war noch feine Satire:
http://www.youtube.com/watch?v=DduAbLpZDHg

ist halt ähnlich den Simpson die auch viel flaches dabei haben

für andere Zielgruppen halt. die Show damals war halt genialst, die Filme nicht ganz so gut.

Ich habe die Simpsons frueher geliebt! Heute schaue ich sie ueberhaupt nicht mehr. :(

ja früher waren alle Folgen fantastisch, die ganz frühen meine ich aber nicht

heutzutage sind wirklich schwache auch dabei, aber gibt schon noch genug gute Folgen.

"Politically Inept, With Homer Simpson" finde ich zum Beispiel echt gut.

Ich weiss nicht... vielleicht bin ich auch schon alt geworden. Ich mochte so ziemlich alle Folgen aus den 90ern. MMn geht es mit den Simpsons seit ca. 10 Jahren bergab, spaetestens seit dem Film kann ich sie nicht mehr sehen.
Habe ein paar mal bei neueren South Park Folgen reingeschaut und festgestellt, dass die gut sind. Zwar immer noch brachial, aber sehr witzig. Es kommt mir vor, je schlechter die Simpsons werden, desto besser wird South Park. Vielleicht sind ein paar Schreiberlinge ruebergewechselt?

naja, so schlecht sind die Simpsons heute auch nicht. Es gibt immer wieder Folgen, die mich positiv überraschen!

South Park wird aber tatsächlich immer besser. Ist aber auch ein anderer Humor und Herangehensweise!

Ein schuler Österreicher und ein protoislamischer Diktator

Das ist nicht Witz das ist Hofkunst alla Hollywood man vra... die für die man bezahlt wird sie zu vera.... Wie wärs mit einer Klamaukkomödie übers ameruikanische Höchstgericht oder über den Chef von JB Morgan.

weil er Hirn hat

???????? was bitte sind denn "Curb Your Enthusiasm-Credits"??

Posting 1 bis 25 von 94
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.