Griechen-Drama schickt Börsen auf Talfahrt

14. Mai 2012, 19:10
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Die schier ausweglose Lage in Athen und die Probleme Spaniens setzen Aktienkursen und der Gemeinschaftswährung zu

Berlin/Brüssel - Die schier ausweglose Lage in Griechenland und die Probleme Spaniens setzen dem Euro zu und haben die Aktienkurse in Europa zu Wochenbeginn noch tiefer in den Keller gedrückt (siehe Marktberichte). Die europäische Gemeinschaftswährung fiel am Montag erstmals seit vier Monaten unter 1,29 Dollar. Zeitweise kostete der Euro 1,2859 Dollar und damit so wenig wie seit Mitte Jänner nicht mehr. Die europäischen Aktienmärkte reagierten mit heftigen Kursverlusten. Der EuroStoxx 50, in dem die wichtigsten Aktien des Euroraums gebündelt sind, fiel auf den niedrigsten Stand seit knapp fünf Monaten.

Griechenland soll bleiben

An den Märkten wird der Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone immer stärker ins Kalkül gezogen trotz aller gegenteiligen Beteuerungen aus Brüssel. Die EU-Kommission machte am Montag klar, dass Griechenland in der Eurozone bleiben solle. Auf die Frage, ob die Euro-Finanzminister bei ihrem Treffen am Nachmittag die Möglichkeit des Austritts beraten wollten, antwortete Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker mit einem klaren "Nein".

Das Griechen-Drama beherrsche die Märkte, erklärten indes Händler. In Athen scheint die politische Lage hoffnungslos: Nach den jüngsten Parlamentswahlen von vor einer Woche ist es immer noch nicht gelungen, eine Regierung zu bilden, die zu den vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen steht (siehe dazu: Linksparteien erteilen Koalition eine Absage). Angesichts der Blockadehaltung vieler Parteien stehen die Chancen für einen Kompromiss schlecht. Damit steuert das Land nach Ansicht etlicher Experten auf eine Staatspleite oder gar einen Austritt aus dem Währungsraum zu. Dies sorgt für große Unsicherheit, da die Folgen für Athen und den Währungsraum nicht sicher abzusehen sind.

Brüssel glättet Wogen

Brüssel versucht, die Wogen zu glätten. Zur öffentlichen Debatte über einem möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone sagte die Sprecherin von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso: "Das wünschen wir nicht." Es gebe in den europäischen Verträgen auch keine Klausel, die ein Verlassen des gemeinsamen Währungsgebiets ermögliche. Barroso hatte laut seiner Sprecherin im italienischen Fernsehen zwar gesagt: "Falls ein Mitglied eines Clubs - und ich spreche nicht von einem speziellen Land - nicht den Regeln folgt, ist es besser, dass es den Club verlässt, und das gilt für jede Organisation und oder Institution." Es handle sich um eine allgemeingültige Bemerkung, die nicht auf Griechenland zugeschnitten sei, sagte sie.

Nach Angaben von Diplomaten können die Euro-Finanzminister auch deshalb keine Entscheidungen zu Griechenland treffen, da es in Athen bisher keine neue Regierung gibt. Das Land sei zudem mit der Auszahlung von 4,2 Mrd. Euro aus dem Hilfsfonds EFSF in der vergangenen Woche bis Juni finanziert.

Krisenthema in Berlin

Die Eurokrise dürfte auch wichtigstes Thema beim Antrittsbesuch des neuen französischen Präsidenten Francois Hollande an diesem Dienstag in Berlin bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden. Hollande will den europäischen Fiskalpakt neu verhandeln und tritt für Wachstumsprogramme ein. Merkel lehnt jede Änderung des Fiskalpakts ab, ist aber zu Ergänzungen bereit, um das Wachstum anzukurbeln.

Sorge bereitet auch das angeschlagene Spanien. Zu Wochenbeginn stiegen die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen und die Prämien für Kreditausfallversicherungen (CDS) auf neue Rekordstände. Im Fahrwasser der spanischen Papiere gerieten auch die Pendants aus Italien verstärkt ins Visier der Investoren, was von Experten als besonders bedenklich eingestuft wird.

Spanische Renditen klettern

Selbst der Versuch der spanischen Regierung, den Auswirkungen der geplatzten Immobilienblase durch eine Bankenreform zu begegnen, sorgte für keine Beruhigung. Die Rendite für zehnjährige Staatspapiere Spaniens kletterten am Montag erstmals seit Dezember 2011 über die Marke von 6,2 Prozent, in der Spitze auf 6,27 Prozent. Damit liegt der Risikoaufschlag zu deutschen Papieren, die immer noch als sehr sicher gelten, bei rund 4,75 Prozentpunkten - so hoch wie noch nie.

Die Sorge vor einem Scheitern der Regierungsbildung in Griechenland drückte auch die Ölpreise. Der Preis für US-Rohöl rutschte erstmals seit Dezember wieder unter die Marke von 95 US-Dollar. Der Preis für Nordseeöl Brent zur Juni-Lieferung gab 2,03 Dollar auf 110,23 Dollar nach.

Österreich-Zinsen auf Tiefstand

Keine Verlierer ohne Gewinner: Die Zinsen für österreichische 10-Jahres-Staatsanleihen sind am Montag auf ein absolutes Rekordtief gesunken. Die Papiere wurden erstmals unter der 2,5-Prozentmarke gehandelt. Den bisherigen Niedrigstand hatten österreichische Papiere am 22. September 2011 ausgewiesen. Damit haben sich die heimischen Zinszahlungen innerhalb eines knappen halben Jahres um fast 35 Prozent verringert - beispielsweise muss Österreich statt noch 100 Euro Zinsen im November nun nur mehr 65 Euro bezahlen. (APA, 14.5.2012)

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    Chaos in Athen: Nach den Wahlen ist vor den Wahlen.

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    Sah schon alles einmal besser aus - die Stimmung an den Börsen ist wieder einmal alles andere als rosig.

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