Stanislawski in Köln, Bilic in Moskau, Leekens in Brügge

14. Mai 2012, 16:09
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Koatischer Teamchef soll die Lokomotive in Schwung bringen - Belgischer Verband vom Abgang seines Teamchefs völllig überrascht

Köln - Holger Stanislawski wird neuer Trainer des deutschen Bundesliga-Absteigers 1. FC Köln. "Holger Stanislawski ist ein Fußballlehrer mit Charakter, der gemeinsam mit der sportlichen Führung des 1. FC Köln eine neue Mannschaft formen wird", sagte Geschäftsführer Claus Horstmann am Montag.

Stanislawski, der Anfang Februar nach nur sechs Monaten bei 1899 Hoffenheim entlassen worden war, wird Nachfolger des Interimstrainers Frank Schaefer, der im Saisonfinale die Mannschaft vom entlassenen Coach Ståle Solbakken übernommen hatte, die Katatstrophen-Saison aber auch nicht mehr retten konnte. Stanislawski, der sich bei St. Pauli eine Art Kultstatus erarbeitet hatte, soll erstmals am 15. Juni nach der Sommerpause das Training leiten.

"Der 1. FC Köln ist ein Traditionsverein der Bundesliga mit großartigen Fans in einer sehr lebendigen Stadt", sagte Stanislawski, der eine schwierige Saison erwartet: "Ich freue mich auf diese Aufgabe, auch wenn sie nicht einfach wird. Das ist allen Beteiligten klar." Es gehe in den kommenden Wochen darum, "den Kader gemeinsam mit den Verantwortlichen neu aufzubauen und eine Mannschaft mit Charakter zu formen".

Das könnte schwierig werden. Stanislawski muss mit einem deutlich gekürzten Budget und der ausdrücklichen Vorgabe des neuen Vorstands leben, auf junge Spieler zu setzen. Trotzdem soll der Weg in der rauen 2. Liga mit dem direkten Wiederaufstieg enden.

Der kroatische Teamchef Slaven Bilic wird nach der EM zum russischen Spitzenklub Lokomotive Moskau wechseln. "Bilic ist einer der besten Trainer Europas", sagte Lok-Präsidentin Olga Smorodskaja über die Verpflichtung von Bilic, der nach der Europameisterschaft als Coach der Kroaten abtreten wird. Auch zahlreiche Vereine aus der englischen Premier League sollen an dem 43-Jährigen interessiert gewesen sein.

Bilic erhält in der russischen Hauptstadt einen Dreijahresvertrag und tritt die Nachfolge von Jose Couceiro an. Unter der Leitung des Portugiesen beendete Lok die enttäuschende Saison nur auf Platz sieben und verpasste damit die Europacup-Teilnahme.

Der belgische Nationaltrainer Georges Leekens wird Nachfolger von Christoph Daum als Coach bei Vizemeister FC Brügge. Der 62-Jährige erhält einen Dreijahresvertrag. Unter der Woche hatte Daum seinen vorzeitigen Abschied aus Brügge verkündet. Der 58-Jährige, dessen Vertrag noch bis 2013 lief, hatte "persönliche und familiäre" Gründe für seine Entscheidung angegeben. Daum hatte in Brügge im November 2011 nach dem Bundesliga-Abstieg mit Eintracht Frankfurt eine neue Herausforderung gefunden.

Der völlig überraschte belgische Verband reagierte verärgert über Leekens' Abgang. "Das schlägt alles", sagte der Verbandsvorsitzende Francois De Keersmaecker. Er sei enorm enttäuscht, die Aktion von Leekens sei der "größte Schock meiner Karriere". Der nunmehrige Ex-Teamchef äußerte Verständnis für die Gefühlslage des Verbandes und meinte: "Ich glaube, meine Arbeit mit dem Nationalteam ist zu 90 Prozent erledigt." Nur noch der letzte Schliff fehle: die Qualifikation für die WM 2014. Leekens, seit 2010 im Amt, hatte mit dem belgischen Team zuletzt deutliche Fortschritte gemacht, seine Mannschaft wird immer öfter als "goldene Generation" tituliert. (sid/APA/red, derStandard.at, 14.5.2012)

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