Die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage

  • Nur jeder 25. heimische Wohnungssuchende glaubt einer Umfrage zufolge, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche schon fest verankert ist.
    foto: uli carthäuser/pixelio.de

    Nur jeder 25. heimische Wohnungssuchende glaubt einer Umfrage zufolge, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche schon fest verankert ist.

Die Mehrheit der Konsumenten hätte gerne ein nachhaltiges Eigenheim. Recht viel tiefer in die Tasche greifen will man dafür aber eher nicht

Zehn Prozent an Mehrkosten für eine "nachhaltige" Immobilie - das dürfte die Schmerzgrenze für Herrn und Frau Österreicher sein, wenn es um ressourcenschonendes, energieeffizientes Wohnen geht. Darauf lässt zumindest die "ImmoNachhaltigkeits-Studie 2012" schließen, die von wiko Wirtschaftskommunikation initiiert und in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), Rhomberg Bau, dem Aluminium-Fenster-Institut (AFI) und Pro Projekt Baumanagement & Planung durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden am Montag in Wien präsentiert.

Zuwenige nachhaltige Objekte

Dass nachhaltige Gebäude in Zukunft mehr nachgefragt werden, glauben demnach 83 Prozent der österreichischen Konsumentinnen und Konsumenten. Das derzeitige einschlägige Angebot auf dem Markt hält allerdings nur ein Drittel der Befragten für ausreichend. 

Doch zurück zum lieben Geld: Hier würde ebenfalls immerhin einem Drittel der heimischen Konsumenten überhaupt nicht in den Sinn kommen, mehr für eine nachhaltige Immobilie auszugeben als für eine "herkömmliche". Etwas besser sieht es aus, wenn man nur die aktuell Wohnungssuchenden als Basis nimmt: Von diesen will "nur" ein Sechstel das "Green" oder "Blue Building" sozusagen "zum Nulltarif"; konkret sind 17 Prozent "nicht bereit, für eine nachhaltige Immobilie mehr zu bezahlen". 

Kosten, Gesundheit, Lebensqualität

Für den Gründungspräsidenten der Österreichischen Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), Philipp Kaufmann, zeigt die Studie deshalb Erfreuliches: Immerhin "ein Großteil" der Konsumenten wäre bereit, für ein Blue Building mehr zu bezahlen, schlussfolgert er. "Dies jedoch nur dann, wenn nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Qualitäten wie Kostenfaktoren, Gesundheit und Lebensqualität gegeben sind."

Basis der Studie ist eine von Karmasin Motivforschung unter 950 Konsumenten durchgeführte telefonische Umfrage, repräsentativ für Österreicher ab 18 Jahre. Ergänzt wurde dies durch eine Online-Befragung unter 482 Wohnungssuchenden.

Was die Lebensqualität betrifft, gibt es insbesondere beim Thema Lärm einen großen Unterschied zwischen den befragten Gruppen: 34 Prozent der Konsumenten, aber nur 18 Prozent der Wohnungssuchenden halten "Lärmfreiheit" demnach für ein erstrebenswertes Ziel.

"Massive Unwissenheit"

Dass das Thema Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche bisher schon gut umgesetzt wurde, glaubt übrigens kaum ein Wohnungssuchender (vier Prozent); unter den Konsumenten sind es immerhin 13 Prozent. Eher uninformiert zeigt sich die Gesamtheit der Befragten, was die Bundes- und Landesförderungen für eine Sanierung ihres Eigenheims betrifft. 53 Prozent wissen darüber nicht Bescheid, in Wien ist dieser Anteil mit 71 Prozent noch etwas höher.

"Die Studie zeigt ganz klar eine Kluft zwischen Angebot und Nachfrage. Immobilienbranche und Politik sind aufgefordert, auf die Wünsche der Konsumenten besser einzugehen und diese umzusetzen", sagt Helene Fink, die Leiterin der wiko-Geschäftsstelle in Wien. Außerdem sei es notwendig, umfassender und nachhaltiger zu informieren. Dass etwa nur 16 Prozent der Konsumenten und 21 Prozent der Wohnungssuchenden davon ausgingen, dass ein Energieausweis für ihre Immobilie vorliegt, "macht deutlich, dass eine umfassende Informationsoffensive notwendig ist." (map, derStandard.at, 14.5.2012)

Link

Die ImmoNachhaltigkeitsstudie 2012 steht hier als pdf zum Download bereit.

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