Arenen der KampfposterInnen

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    foto: apa/epa/claudio peri

Hat sich der Standpunkt des Gegenübers schon jemals geändert?

Liebe Community!

Der benachbarte Posting-Friedhof fördert regelmäßig beachtliche Fundstücke aus der Community-Gruft zutage. Hier wollen wir uns - in Fortsetzung der Postingdebatte - jedoch dem Gerade-noch-Diesseits zuwenden, dem Vorhof des Hades. Eigentlich sind es ja mehrere Vorhöfe: Themen wie (Nicht-)Rauchen, Veganismus, Hunde in der Stadt, Radfahren, Obsorge oder Asyl werden regelmäßig zu Arenen der KampfposterInnen. Und für einige Community-Mitglieder zum Eingang in die Posting-Gruft.

Kerberos und die KampfposterInnen

An der Pforte der Postinghölle wacht "ZensorIn", der Kerberos der Standard-Foren. Bei polarisierenden Themen gibt es jede Menge Arbeit; denn die Wortgefechte von KampfposterInnen wiederholen sich gebetsmühlenartig. Immer wieder. Zum Beispiel:

29. Jänner 2012:
A: "Was in diesem Feldzug gegen die Raucher erschreckt, ist nicht das Bemühen, nicht rauchende Personen vor der Belästigung durch Rauch zu schützen, sondern der jeden Fundamentalismus auszeichnende Unfehlbarkeitsglaube."
B
: "Was in diesem Feldzug gegen die Raucher erschreckt, ist, daß ihm ca. 5 Mio. Raucher und ca. 500.000 Nichtraucher jedes Jahr zum Opfer fallen."

12. Februar 2012:
A: "Vielleicht weil außer Ihnen und ein paar Fanatikern niemand - auch nicht der Gesetzgeber - Passivrauch als Vergiftung betrachtet."
B: "... wieso sterben dann Jahr für Jahr weltweit hunderttausende Menschen daran- ist es wömöglich ein Virus?"

13. Februar 2012:
A: "Btw: können Sie mir die letale Dosis von Passivrauch nennen - die könnens in der Literatur nämlich für jedes tatsächliche Gift nachlesen?"
B: "Echt wahr? [...] Der Medizinnobelpreis ist dir sicher, du solltest dir schon mal den Termin für die Vergabe im Rahmen des Villacher Faschings oder eines FPÖ-Parteitags freihalten."

20. Februar 2012:
A: "Können Sie mir einen einzigen Passivrauchtoten nennen?"
B: "Natürlich sind chronische Vergiftungen nur statistisch nachweisbar, aber das änder nichts an ihrer Realität und Existenz."

Häufig wird der Ton mit der Zeit rauer, die Postings werden beleidigender und schließlich muss ZensorIn eingreifen und die Beflegelungen in den Hades befördern.

Aber wozu?

Selbst wenn man den noch einigermaßen Forenregel-konformen Teil der Diskussion betrachtet, fragt man sich: Aber wozu? Wenn manche PosterInnen meinen, "Someone Is Wrong On the Internet" und deshalb an solchen Dialogen teilnehmen: Hat sich der Standpunkt des Gegenübers schon jemals geändert? Und wer will diese langweilige Diskussion immer und immer wieder lesen? (cmb, derStandard.at, 14.5.2012)

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