Ein kranker Magen ist ein Risikofaktor für Osteoporose

14. Mai 2012, 11:08
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Magen-Darm-Erkrankungen als Risikofaktoren für Osteoporose in vielen Richtlinien nicht berücksichtigt

Osteoporose gehört weltweit zu den großen öffentlichen Gesundheitsproblemen. Schätzungen zufolge sind 1,6 Millionen Knochenbrüche pro Jahr darauf zurückzuführen. Es gibt außerdem immer mehr Belege für einen Zusammenhang zwischen Osteoporose und Störungen des Magen-Darm-Trakts.

Gastroenterologen seien daher aufgefordert, sich künftig stärker am Kampf gegen die Osteoporose zu beteiligen. Außerdem sei es an der Zeit, den Risikofaktoren im Zusammenhang mit Magen-Darm-Erkrankungen in den europäischen Richtlinien zur Osteoporose-Prävention einen höheren Stellenwert einzuräumen, so Heidi-Ingrid Maaroos der Universität von Tartu, Estland, im Namen der United European Gastroenterology (UEG) in einer Aussendung: "Es muss noch viel mehr getan werden, um ein Bewusstsein für die Rolle gastrointestinaler Störungen und bestimmter gängiger Therapien bei der Osteoporose-Entwicklung zu schaffen. Gastroenterologen müssen Seite an Seite mit Allgemein- und Fachärzten den Kampf gegen die Osteoporose aufnehmen, denn diese erreicht mittlerweile epidemische Ausmaße und betrifft darüber hinaus immer mehr junge Menschen."

Nur ein gesunder Magen-Darm-Trakt könne in ausreichendem Maße Nährstoffe wie Vitamine und Mineralien aufnehmen, die zur Knochenbildung und Erhaltung der Knochengesundheit notwendig sind. Inzwischen gebe es überzeugende Belege dafür, dass bestimmte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sowie einige gängige Therapien die Verdauung in einer Weise verändern, die nicht ohne Folgen für die Knochengesundheit bleibt.

Osteoporose und der Magen-Darm-Trakt

Eine Osteoporose kann sich aufgrund von Verdauungsproblemen oder mangelhafter Nährstoffaufnahme bei Erkrankungen wie Zöliakie oder atrophischer Gastritis, als Folgeproblem bei Magen-Bypässen oder als Nebenwirkung von Corticosteroiden oder Protonenpumpenhemmern (PPIs) entwickeln. Bei der Zöliakie, einer der am stärksten unterdiagnostizierten genetischen Erkrankungen der Menschheit, weisen bis zu 75 Prozent aller neu diagnostizierten Erwachsenen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits eine signifikant reduzierte Knochenmineraldichte auf.

"Menschen mit Zöliakie können Nährstoffe wie Kalzium nur schwer aufnehmen. Dazu kommt, dass viele aufgrund einer zusätzlichen Laktose-Intoleranz Milchprodukte jahrelang meiden", so Maaroos. Dies beeinträchtige ihre Knochengesundheit in erheblichem Maße und verdopple ihr Risiko für Knochenbrüche im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Auch eine verringerte Konzentration an Magensäure als typische Folge atrophischer Gastritis oder der Einnahme von PPIs könne zur mangelhaften Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen führen und das Risiko osteoporosebedingter Knochenbrüche erhöhen.

Das Osteoporose-Risiko im Zusammenhang mit der langfristigen Einnahme von PPIs hat zu der Empfehlung geführt, PPIs nur noch bei bestimmten Indikationen wie gastroösophagealer Refluxkrankheit, Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren sowie zur Bekämpfung des Helicobacter pylori (H. pylori) einzusetzen, die Dosierung so niedrig wie möglich zu wählen und die Behandlung nur so lange wie nötig fortzusetzen.

Ein weiteres Problem sind Steroide, die als Erstbehandlung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zum Einsatz kommen und ebenfalls zu Problemen bei der Nährstoffaufnahme und zu verringerter nochenmineraldichte führen können. "Dies ist besonders Besorgnis erregend, weil auch viele junge Menschen an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden und mit Steroiden behandelt werden", so Maaroos. Daneben gewinnen auch adipositas-chirurgische Eingriffe zur Behandlung hochgradigen Übergewichts, also beispielsweise Magen-Bypässe, immer mehr an Bedeutung. Solche Eingriffe gehen ebenfalls mit einer mangelhaften Aufnahme von Mineralstoffen und damit einem erhöhten Osteoporose-Risiko einher. (red, derStandard.at, 14.5.2012)

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