Der Kitt, aus dem die Rührung kommt

14. Mai 2012, 09:21
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Fritz Ostermayers Theaterexperiment mit Stermann, Grissemann, Musik und Überraschungen

Graz - Als "Fluchtachterl der dramatischen Kunst" stellte Fritz Ostermayer seine Truppe von Akteuren aus Musik, Theater und Entertainment vor, die er für einen "bunten Abend" am Grazer Schauspielhaus zusammenführte. Es wurde ein Abend der Unentschlossenheit und Überraschungen - auch im guten Sinn.

Das Humoristenduo Dirk Stermann und Christoph Grissemann gaben Schauspieler, die sie streng genommen nicht sind, und Radiomacher, DJ und Autor Ostermayer den Regisseur. Als Letzterer scheiterte Ostermayer, der auch als Moderator durch den Abend Aus-Schluss-Basta oder Wir sind total am Ende führte, lustvoll und tatsächlich rührend. Rührung war aber das Ziel das Stücks, in dem auch fünf Ensemblemitglieder und der Sänger der Band Naked Lunch, Oliver Welter, wirkten.

Die Schlüsse von Theaterstücken wurden zusammengekittet: Zuerst "Richard III." (Shakespeare) und "Die Macht der Gewohnheit" (Thomas Bernhard) mit dem großartigen Stefan Suske als Caribaldi. Dann "Herr Lediglich und die Scheißkerle" (eine Paraphrase F. W. Bernsteins auf "Biedermann und die Brandstifter"), in dem vor allem Florian Köhler bissig glänzt, "Volksvernichtung" von Werner Schwab - mit einer auch dieser Sprache mächtigen Steffi Krautz - und "Endspiel" von Samuel Beckett sowie das Finale von Lars von Triers "Melancholia".

Als Kitt gab es Gesang, wie einen Schwab-Song mit Ohrwurmqualität, den Welter und Ostermayer sangen, ein zärtlich stilles "Intermezzo", das Ostermayer Stermann und Grissemann auf die Leiber schrieb, oder Plaudereien des Regisseurs. Dieser weinte auch einmal einfach nur, weil ihn der am Handy abgespielte Schlager "Manuela" aus seiner Jugendzeit so bewegte.

Am Anfang war die Luftgitarre und Grissemanns Stimme, die man aus Nazi-Parodien der beiden kennt. Ein Lachschlager. Am Ende lassen Stermann und Grissemann auch erkennen, dass sie richtig spielen können - besonders Grissemann als Becketts im Rollstuhl sitzender Hamm. Für das Premierenpublikum war es offenbar schwierig, die Fahrt auf der Achterbahn der Emotionen entspannt mitzumachen - so gab es am Ende viel "Bravo" und auch Buhrufe.

Das letzte Stück des Weges aber nimmt die am Flügel einherrollende Sängerin Soap and Skin einen mit ihrer Version von "This is the End" mit und parkt schließlich in schöner Melancholie ein.   (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 14.5.2012)

Nächster Termin 19. 5.

  • Köhler, Stermann und Grissemann (v. li.) als Teil von Bernhards Familie Caribaldi.
    foto: lupi spuma

    Köhler, Stermann und Grissemann (v. li.) als Teil von Bernhards Familie Caribaldi.

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