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Heribert Prantl setz sich in "Die Welt als Leitartikel" mit der Zukunft des Journalismus auseinander.
Er ist ein Anreger, kein Aufreger. Seine Leitartikel in der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") sind Pflichtlektüre, sein Sätze wirken nach, setzen sich fest und haben Einfluss: auf Kollegen und die Politik. Heribert Prantl engagiert sich seit Jahren für den Rechtsstaat. Zuerst als Richter und Staatsanwalt, seit 1988 bei der "Süddeutschen Zeitung" als Journalist. Er sieht sich als Aufklärer: über die Gefährdung der Bürgerrechte durch Überwachung im Namen des Antiterrorkampfes, über die Preisgabe von Daten im Google-Zeitalter, als Verteidiger der Gewaltentrennung als Grundprinzip in der Demokratie.
Auch wenn sein Predigtton auf die Nerven gehen kann, seine immer sehr grundsätzliche und gründliche Argumentation ist Vorbild für Journalistengenerationen: Deshalb wurde er eingeladen, drei Vorlesungen im Rahmen der "Theodor-Herzl-Dozentur für die Poetik des Journalismus" an der Universität Wien zu halten. Diese, mit unverkennbar bayerischem Akzent gehaltenen Vorträge sind nun in Buchform erschienen. Sie sind Lehrstücke, nicht nur für Journalisten. Denn er fordert in seinen Leitartikeln schon einmal die Bürgerwehr, die sich gegen Bauprojekte oder zu rigide Überwachungsmaßnahmen auflehnt. Für Journalisten sind seine Beiträge Mutmacher, denn Prantl glaubt an eine Zukunft des Journalismus, erst recht in gedruckter Form. Journalismus sei das "tägliche Brot der Demokratie" und genauso systemrelevant wie Banken, argumentiert er.
Prantl, der Innenpolitik-Leiter und Mitglied der "SZ"-Chefredaktion ist, zeigt aber auch Grenzen des Journalismus auf, verweist auf notwendige Distanz zur Politik und die besondere Verantwortung, die die Pressefreiheit auferlegt. Und er geht auch auf österreichische Verhältnisse ein, was sich deutsche Kollegen, wenn sie im kleinen Nachbarland auftreten, häufig nicht antun. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, 14.5.2012)
Buchhinweis
Heribert Prantl: Die Welt als Leitartikel. Zur Zukunft des Journalismus. Picus Verlag 2012.
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