Operncharme trotz einiger Personalprobleme

13. Mai 2012, 20:14
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Richard Strauss' "Salome"

Wien - Es gehört zu den weiße Haare produzierenden Erfahrungen eines Direktors, dass Besetzungen krankheitsbedingt dahinschmelzen können. In der ersten Saison von Staatsoperndirektor Dominique Meyer war in dieser Hinsicht recht viel los - man hegte bisweilen Epidemieverdacht. Heuer sind alle robuster, auch grundsätzlich bietet das Angebot abseits der Premieren regelmäßig erstaunliche Besetzungsqualität. Bei Salome allerdings war wieder Umdisponieren angesagt.

Andererseits: Es hat auch seinen Charme zu erleben, wie sich ein Haus von Weltformat trotz markanter Ausfälle vor Aufführungsschande bewahrt. Und siehe da: Wolfgang Schmidt (als Herodes für den erkrankten Thomas Moser eingesprungen) wurde ein glanzvoller Aktivposten. Und auch zwischen dem formidablen Markus Marquardt (übernahm die Partie des Jochanaan für den erkrankten Falk Struckmann) und Lise Lindstrom (sprang als Salome für Emily Magee ein, da diese Renée Fleming als Arabella ersetzte) knisterte es intensiv. Irgendwie doch unerwartet.

Besonders Lindstrom gab der vom langhaarigen Propheten Besessenen, die schließlich mit dem abgetrennten Kopf des Liebesverweigerers knutscht, ein differenziertes Gepräge zwischen ekstatischer Selbstentäußerung, Kälte und Berechnung. Hätte sie neben schönen hohen Pianotönen auch etwas in der Tiefe anzubieten gehabt und wäre ihre Stimme im Forte nicht allzu grob gefärbt, es wäre eine tadellose Leistung geworden.

Dirigent Ulf Schirmer und das mitunter entfesselte Orchester waren nicht schlecht disponiert, aber natürlich keine große Salome-Hilfe. Also: etwas zu gnadenlos bisweilen, die Lautstärke. Ach ja, für Legende Gwyneth Jones (als Herodias) gab es Blumen und rote Herzen. Höflicheres ist zu ihrem Auftritt nicht zu sagen.   (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 14.5.2012)

14. und 18. 5., 20.00

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